Soudal N.V. Deutschland Krisenresistent mit neuen Rezepturen und hohen Investitionen

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: Soudal
Von: Peter Lang

Der belgische Kleb- und Dichtstoffspezialist Soudal befindet sich seit Jahren auf einem kontinuierlichen Wachstumspfad. Gleichzeitig steckt sich der im Familienbesitz befindliche Bauchemiehersteller ambitionierte Nachhaltigkeitsziele. Welchen Einfluss Windkraftanlagen, neue Produkttechnologien und Verpackungen aus PCR dabei spielen, erläuterte Soudal im Rahmen einer Fachpresseveranstaltung im November am Unternehmenssitz in Turnhout. Der baustoffPARTNER war vor Ort in Flandern.

Krise! Welche Krise? – denkt man sich, wenn man die Entwicklung des belgischen Bauchemieriesen Soudal in den letzten Jahren beobachtet. Stetig steigende Umsatzzahlen, kontinuierliche Investitionen in neue Werke und Produktinnovationen sowie der Ausbau neuer Geschäftsfelder sind Ausdruck eines Erfolgswegs, den der mittlerweile 83-jährige Firmengründer und Inhaber Vic Swerts als Ein-Mann-Unternehmen im Jahr 1966 begann.

Inzwischen gehört Soudal zu den drei größten Herstellern industrieller Dicht- und Klebstoffe weltweit – mit einem Jahresumsatz von zuletzt 1,31 Mrd. Euro, 4 000 Mitarbeitern und 25 Produktionsstätten auf vier Kontinenten. Das Herz des Unternehmens schlägt aber nach wie vor im belgischen Turnhout, wo das Unternehmen vor kurzem sein fünftes Werk in Betrieb genommen hat. Beim Gang durch Werk 2, in dem Soudal PU-Schäume produziert, fallen nicht nur die hochautomatisierten Produktionsprozesse auf. So werden hier inzwischen auch Kartuschen selbst im Digitaldruckverfahren bedruckt, wie Luc Thys, Group Director Marketing and R&D bei Soudal, beim Rundgang erläutert.


PCR-Verpackungen und eigene Windenergie

Das Thema Verpackung – Soudal verkaufte etwa 400 Millionen Kartuschen und Schaumdosen in 2022 – nimmt einen wichtigen Teil in der Nachhaltigkeitsstrategie ein. Immer mehr setzt das Unternehmen nach Aussage von Luc Thys auf Verpackungen aus wiederaufbereiteten Kunststoffen, sogenannten Post-Consumer-Rezyklaten (PCR). Je nach Anbieter kann Soudal Verpackungen aus 40 bzw. 80 Prozent PCR-Anteil anbieten. Darüber hinaus ist Soudal Gründungsmitglied der Recyclinginitiative PDR (Produkte durch Recycling), die ein deutschlandweites Rücknahmesystem für leere PU-Schaumdosen etabliert hat. Außerdem wird das gesamte deutsche Soudal-Techniker-Team bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zu DGNB-Consultants ausgebildet, wie Alexander von Vulté, Leitung Marketing und Technischer Service, betont.

Neben der Verpackung ist das Thema Energie die zweite Säule der Soudal-Nachhaltigkeitsstrategie. Dazu gehört neben dem Einsparen von Energie bei der Produktion der Ausbau regenerativer Energiequellen wie Photovoltaik und Windkraft. Jüngstes Beispiel: Vor einigen Monaten ging am Standort Turnhout die erste eigene Windkraftturbine an den Start. Die 3-Mio-Euro-Investition deckt bei guten Windverhältnissen den Energieverbrauch für die komplette PU-Schaumproduktion ab.

Neue Bauchemie: Hybridpolymere und HMX

Immer nachhaltiger sollen auch die Produkte selbst werden. Neben den herkömmlichen Montageschäumen auf PU-Basis hat Soudal inzwischen neue Rezepturen entwickelt, um die Produkte leistungsfähiger, ergiebiger und nachhaltiger zu machen. Zunehmend setzt Soudal dabei auf wasserbasierte und lösemittelfreie Rezepturen. Weiterentwicklungen traditioneller Bauchemieprodukte, für die Deutschland-Geschäftsführer Harald Lüdtke gerne den Begriff »Neue Bauchemie« verwendet. Ein aktuelles Beispiel ist der »Flexifoam X-tra«, der sich von herkömmlichen PU-Schäumen durch seine deutlich höhere Flexibilität sowie die höhere Brandschutzklasse B1 auszeichnet. Dank optimierter Pistolentechnik kann der »Flexifoam« noch präziser ausgespritzt werden und ist bis zu 30 Prozent ergiebiger. Mit »Soudafoam PURe« hat der Hersteller vor einigen Jahren bereits einen halogenfreien und schwer entflammbaren PU-Füllschaum entwickelt. Das Produkt wird aus isocyanatarmem Polyurethan  hergestellt und verzichtet auf halogenierte Treib- und Brandschutzmittel, Weichmacher, Chlorparaffine sowie TCEP und TCPP. Damit entspricht es den Anforderungen der DGNB-Qualitätsstufen 1 bis 4.

Ganz ohne Isocyanate kommt der Dichtstoff »Soudafill Hydro« aus, der sich derzeit in der Test- und Zulassungsphase befindet. Er eignet sich besonders zum Füllen von Hohlräumen und besteht aus einer wasserbasierten Rezeptur mit Acrylatdispersion. Zwar dominieren im Bereich der Dichtstoffe für die gängigsten Standardaufgaben am Bau nach wie vor Silikone und Acrylate. Doch auch hier kommen immer mehr neue Technologien zum Einsatz – wie etwa Dichtstoffe auf Polymerbasis. Diese Hybridpolymere haften nicht nur auf vielen Baustoffen von Metall bis Styropor, sie dichten auch auf feuchten Untergründen ab. Durch ihre UV- und Witterungsbeständigkeit sind sie auch für Außenanwendungen geeignet. Weitere Vorzüge: Hybridpolymere sind langlebig und besonders elastisch, sodass sie sich den Bewegungen von Bauteilen anpassen können, ohne zu reißen. Mit »­Soudaseal 228LM« beispielsweise lassen sich Anschlussfugen innen und außen an Fenstern und Türen zuverlässig und unkompliziert abdichten und überstreichen.

Im Soudal Training Center konnten die Pressevertreter die Produktentwicklung hin zur »Neuen Bauchemie« in der Praxis kennenlernen.

Ganz neu bei Soudal ist die HMX-Technologie (Hydro Modified X-linked) – die patentierte High-End-Dichtungstechnologie ist frei von Lösungsmitteln, Phthalaten und Isocyanaten und soll Soudal unabhängiger von Rohstoffen machen. 2022 kam mit »HMX Facade« als erstes Produkt ein elastischer Hochleistungsdichtstoff für die Abdichtung von Fenstern und Fassaden auf den Markt.

Die bislang höchste Nachhaltigkeitsstufe hat Soudal mit seinem für den DIY-Bereich produzierten Montagekleber »T-Rex Montage Recycled« erreicht. Der lösemittelfreie und emissionsarme Montagekleber besteht zu 82 Prozent aus recycleten Rohstoffen, 35 Prozent davon sind biobasiert. Die Kartusche hat einen PCR-Anteil von 80 Prozent. Zu guter Letzt hat Soudal mit der »Soudatight«-Familie eine neue Generation von Dichtbändern entwickelt. Es handelt sich dabei um streich- und spritzbare Membrane zur schnellen Verarbeitung auf der Baustelle. Beispiel: Mit der ­Polymerpaste »Soudatight LQ« lässt sich die Fensterinnenseite schnell und luftdicht abdichten. Eine Faserverstärkung sorgt für erhöhte Festigkeit und damit Sicherheit bei größeren Fugen oder Rissen.

Resilienz dank breiter Aufstellung

Dieses breite Produktportfolio sei sicher eines der Erfolgsrezepte bei Soudal, wie Harald Lüdtke und Luc Thys bei der Vorstellung der Geschäftsentwicklung hervorhoben. Die unterschiedlichen Produkte mit ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten sorgten für eine »gewisse Resilienz« bei Soudal gegenüber Marktschwankungen oder Rohstoffengpässen wie in 2021. So ist es zu erklären, dass Soudal im Jahr 2022 weltweit um rund 17 Prozent auf 1,31 Mrd. Euro Gesamtumsatz wachsen konnte. Die DACH-Region, für die Harald Lüdtke verantwortlich ist, erreichte trotz stagnierender Baukonjunktur einen Gesamtumsatz von 115 Mio. Euro (+ 16 Prozent) und damit das beste Ergebnis der Firmengeschichte. Erstmals konnte der deutsche Markt die 100-Mio-Euro-Schwelle erreichen, 12,5 Mio. Euro entfielen auf Österreich. Der Schweizer Markt, der bislang nur sporadisch vom Standort Leverkusen aus betreut wurde, soll künftig mit einer eigenen Niederlassung zusätzliche Umsatzpotenziale eröffnen. »Wir gehen damit jetzt in die direkte Bearbeitung des letzten noch verbliebenen Landes in Zentraleuropa, in dem Soudal bisher noch nicht mit einer eigenen Vertriebsorganisation aktiv war. Das ist für uns ein großer Schritt«, so Harald Lüdtke.

Vic Swerts
Chairman und Gründer von Soudal

»Wir haben uns entschieden, nicht an der Krise teilzunehmen.«

Neue Kompetenzfelder im Industriesegment

In der DACH-Region beliefert Soudal drei Kundengruppen: den Baustoff-Fachhandel für Profiverarbeiter, den DIY-Bereich (Baumärkte) sowie Großabnehmer im Bereich Industrie & Transport. Das Industriegeschäft, mit einem Anteil von 12 Prozent am Gesamtumsatz das kleinste Segment, konnte 2022 aber die höchsten Wachstumsraten erzielen. Das Geschäftsfeld, dessen Kundenspektrum von der Möbelindustrie über den Modul- und Fertighausbau, der Isolierglasproduktion bis hin zum Truck- und Transportbereich reicht, wurde mit einem fünfköpfigen Key-Account-Team komplett neu aufgestellt. Der Industriebereich ist nach Aussage von Luc Thys ein strategisches Geschäftsfeld, in dem es Soudal in erster Linie darum gehe, neue Kompetenzfelder und Technologien zu besetzen. Deswegen setze man neben dem organischen Wachstum auch auf den Zukauf interessanter Spezialanbieter.

Zwei Beispiele hierfür: Durch die in 2015 erfolgte Übernahme des lettischen Zulieferers Tenachem hat sich Soudal Know-how und Technologien für die Isolierglasproduktion ins Haus geholt und sich seitdem mit einer breiten Produktpalette als Komplettanbieter rund um den Fensterbau erfolgreich positioniert. Gleiches gilt für die im Jahr 2017 erfolgte Akquisition des slowenischen Herstellers Mitol, einem international führenden Spezialisten für Schmelzklebstoffe. Hierdurch konnte Soudal seinen Marktanteil bei Produkten, die in der Möbelfertigung oder der Holzfußbodenherstellung eingesetzt werden, deutlich erhöhen.

Umsatztechnisch die Schwergewichte bleiben aber die beiden Segmente Baufachhandel/Profiverarbeiter und der DIY-Bereich, die jeweils rund 40 Prozent zum Gesamtumsatz beitragen. ­Speziell das Profigeschäft hat sich laut Harald Lüdtke nach einem schwierigen Jahr 2021 im vergangenen Jahr extrem gut entwickelt. Soudal setzt hier vor allem auf die vier Kompetenzbereiche Dach, Fenster, Innenausbau und Fliesen. Innerhalb dieser Kompetenzbereiche konnte das Segment Fenster die stärksten ­Zuwächse verzeichnen und ist mit einem Anteil von 40 Prozent auch der umsatzmäßig größte Kompetenzbereich. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Harald Lüdtge für den DACH-Markt trotz der aktuellen Baukrise ein Umsatzplus von etwa fünf Prozent. Dabei konnte Soudal sogar in einigen Materialgruppen Preisreduzierungen an seine Kunden weitergeben, nachdem das Unternehmen in den Jahren zuvor wegen Materialengpässen und damit verbundenen steigenden Rohstoffpreisen seine Preise anheben musste.

Auch dies ein typischer Wesenszug des Familienunternehmens Soudal. Man sei, so Luc Thys, nicht auf den schnellen Profit fixiert, sondern an langfristigen Kundenbeziehungen interessiert. Dazu passt auch, dass das Unternehmen einen Großteil seiner Gewinne wieder in das Unternehmen steckt. Im Jahr 2022 waren es rund 90 Mio. Euro. Auch der deutsche Standort in Leverkusen wurde weiter ­ausgebaut. ­Insgesamt investiert Soudal rund 6,5 Mio. Euro in den Ausbau seiner Logistik sowie den Umbau des Büro- und Verwaltungstrakts. Die neue Lagerhalle mit 3 500 zusätzlichen Stellplätzen wurde bereits in diesem Sommer in Betrieb genommen, die weiteren Umbauten erfolgen im Laufe des Jahres 2024. Quer durch alle Bereiche wurde die Mitarbeiterzahl auf mittlerweile 90 Beschäftigte aufgestockt. »Das sind rund 20 Prozent mehr als 2019«, so Geschäftsführer Harald ­Lüdtke. Die Zeichen stehen also weiter auf Wachstum. Oder wie es Firmengründer Vic Swerts formuliert hat: »Wir haben uns entscheiden, nicht an der Krise teilzunehmen.«

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