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Beck+Heun: Fenster-Komplettsysteme ermöglichen zügigen Baufortschritt

Im baden-württembergischen Ort Steinen entsteht gerade ein neues Wohnquartier auf einer ehemaligen Gewerbebrache. Auf einem Teilgrundstück erstellt die gemeindeeigene Wohnbaugesellschaft drei Mehrfamilienhäuser. Dabei kommen neben Betonfertigteilen auch die Fenster-Komplettsysteme »Windowment« von Beck+Heun zum Einsatz. Das vereinfache das Schnittstellenmanagement und reduziere die Bauzeit: In nur eineinhalb Wochen errichten die Rohbauer ein komplettes Wohngeschoss inklusive Decken.

Der Ort Steinen blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Dazu gehört auch die Industrialisierung durch die im Schwarzwald weit verbreitete Textilindustrie im 19. Jahrhundert. Auf dem rund 4 ha großen Grundstück, auf dem aktuell das neue Wohnquartier wächst, standen ehemals die Fabrikgebäude der Mechanischen Spinnerei und Weberei Steinen.

2014 entschied sich die Gemeinde Steinen für die Auslobung eines Ideenwettbewerbes für die zukünftige Bebauung des Areals. Eine Arbeitsgemeinschaft aus Düsseldorf und Köln, bestehend aus den Architekturbüros »rheinflügel severin«, »office03« und »hermanns landschaftsarchitektur«, setzte die Anforderungen an die Entwicklung des Grundstückes nach einhelliger Meinung der Jury besonders gut um. Im Zentrum des Entwurfs steht die unterschiedliche Wohnbebauung vom Reihenhaus über Doppelhäuser bis zum Geschosswohnbau, gruppiert um mehrere Höfe. Eine Gewerbespange soll das Areal in Richtung Bahnhofstraße abschirmen. Auch für die vorhandenen historischen Gebäude fand das mit dem ersten Preis ausgezeichnete Modell eine passende Lösung: So soll das ehemalige Verwaltungsgebäude Raum für Menschen mit einer Demenzerkrankung und Mietwohnungen bieten, im Turbinenhäuschen ist eine Arztpraxis vorgesehen.

Die komplette Ausführungsplanung, Ausschreibung und Bauleitung für das gemeindliche Bauvorhaben im Quartier »Alte Weberei« übernahm das Architekturbüro Männer. Der Baugrund stellte die erfahrenen Planer gleich in mehrfacher Hinsicht vor besondere Herausforderungen. Denn das Grundstück liegt in einer mäßig aktiven Erdbebenregion. Zugleich ist es Wasserschutzgebiet, was Auswirkungen auf den durch die industrielle Nutzung eventuell kontaminierten Boden hat. Für beide besonderen Anforderungen fanden die Planer wirtschaftlich realisierbare Lösungen.

Ein in WU-Beton und auf einer selbsttragenden Bodenplatte mit vereinzelten Streifenfundamenten gegründetes Kellergeschoss verbindet alle drei Gebäude miteinander. Ab Oberkante Kellerdecke erstellten die Rohbauer die vier Folgegeschosse, drei Voll- und ein Staffelgeschoss, aus Betonfertigteilen. Die nach Ausführungsplänen gefertigten Doppelwandelemente wurden inklusive der ­Verrohrung und Leerdosen für die Elektrik angeliefert.


»Zunächst hatten wir klassisches Mauerwerk für die tragende Konstruktion der Gebäude vorgesehen«, erläutert Dipl. -Ing. Stephan Männer. »Doch aufgrund der besonderen Lage in einer Erdbebenzone forderte der Statiker immer mehr aussteifende und erdbebensichere Bereiche innerhalb der Wände. ­Also haben wir uns kurzerhand dazu entschieden, alle tragenden Wände mit den vorkonfektionierten Betonfertigteilen zu erstellen.«

Passend zum Baustellenablauf werden die Wandelemente just in time geliefert, per Kran sofort an die richtige Stelle im Gebäude versetzt und mit Ortbeton verfüllt. Diese serielle Bauweise kommt vor allem der Bauzeit zugute. Denn Ein- und Ausschalen entfällt komplett. Normalerweise werden die Doppelwandelemente auch mit definierten Öffnungen für Fenster und Türen gefertigt. Aber auch hier arbeitet Stephan Männer mit einer zeit- und damit auch kostensparenden Lösung: dem Fenster-Komplettsystem »Windowment« von Beck + Heun.

Ein Element mit vielen Vorteilen

»Windowment« ist die konsequente Weiterentwicklung von Fenster-Komplettsystemen. Alle Komponenten sind in einem gedämmten Tragrahmen-Stahlprofil mit vorgefertigten Fensteranschlüssen integriert. Einzig Fenster und Rahmen setzt der Fensterhersteller oder Fensterbauer ein. Anschließend erfolgt die Bereitstellung auf der Baustelle oder an den Verarbeiter. Geliefert wird ein hochdämmendes und fugendichtes sowie baustellengerecht verpacktes Komplettelement.

Hier haben sich laut Beck + Heun zwei Möglichkeiten in der Praxis bewährt: Im Zuge des Aufmauerns oder Aufstellens der Außenwände wird »Windowment« in die entstehende Wand integriert und mit eingemauert. Oder das System wird von oben in die freie Fensternische eingelassen, bevor der Sturz bzw. die Geschossdecke eingebaut werden. Für eine sichere Verbindung zum Mauerwerk bzw. den Systemwänden sorgen einsteckbare Maueranker oder Schienen. Einsetzbar ist das Komplettsystem in Außenwänden mit Wandstärken von 300 bis 490 mm. Unterstützt wird die Montage des Fenster-Komplettsystems durch definierte und geprüfte Kran-Hebepunkte. So können die Elemente mit Kranen an die vorgesehenen Stellen im Rohbau gehoben werden.

In den drei Mehrfamilienhäusern in Steinen galt es rund 250 Fenster einzubauen. Zunächst habe der beauftragte Fensterbauer in seiner Werkstatt in die auf Maß gefertigten ­»Windowment« Komponenten die bodentiefen Fenster und Hebe-Schiebe-Anlagen eingebaut und die Komplettsysteme zusätzlich mit baustellengeeigneten Schutzfolien gesichert. Anschließend wurden die fertigen Elemente direkt zur Baustelle transportiert, entladen und nach Bedarf eingebaut.

Bauzeitoptimierung durch Fertigelemente

Den Einbau der Fenster-Komplettsysteme übernahmen nach Absprache mit dem Fensterbauer die Fachhandwerker des Bauunternehmens. Sobald die Außenwände aus Betonfertigteilen gesetzt und ausbetoniert waren, konnten auch die einzelnen Fensterelemente in die Nischen gesetzt werden. Zuvor verschraubten die Rohbauer zwei Schienen an den Seiten des »Windowment« Einbauteils. Abgesetzt wurden die Fensterelemente auf per Laser eingemessenen Nivellierplättchen und einer Zementmörtelschicht. Nach dem lotrechten Ausrichten verschraubten die Rohbauer die Elemente über die seitlichen Schienen direkt in den Betonfertigteilwänden. So konnten die Rohbauprofis in nur eineinhalb Wochen jeweils ein komplettes, rund 450 m2 großes Geschoss inklusive der Filigrandecken aus Beton erstellen.

Doch der wichtigste Vorteil sei für den Architekten der komplett geschlossene Rohbau. »Natürlich dringt durch den weiteren Aufbau der Folgegeschosse immer wieder ein wenig Feuchtigkeit in die im Bau befindlichen Gebäude. Aber es ist bei weitem nicht so viel wie bei der traditionellen Bauweise.« In der Folge trockne der Rohbau deutlich schneller und die Ausbaugewerke können zeitiger mit der Arbeit starten.   J

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