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PROJECT FLOORS: Seit 22 Jahren Boden gut gemacht

Von Peter Lang

Als Project Floors im März 1999 von ­Markus Dünkelmann aus der Taufe gehoben wurde, hatte das Unternehmen noch drei weitere Mitarbeiter. Bereits Anfang 2000 stieß ­Zoran Stopar als Technischer Leiter dazu. Stopar und Dünkelmann kannten sich aus ihrer gemeinsamen Zeit bei einem anderen LVT-Hersteller. Neben dem personellen Know-how konnte Project Floors zum Start noch auf einen weiteren Pluspunkt zurückgreifen. »Wir hatten den großen Vorteil, dass wir unsere Produktionsstätte in Asien auch schon über Jahre hinweg kannten«, sagt Zoran Stopar, der nach dem Rückzug von ­Markus Dünkelmann zusammen mit dem früheren Project Floors-­Vertriebsleiter Bernd Greve seit 1. Januar 2020 Geschäftsführer bei dem Hürther Bodenbelagshersteller ist.

Alleiniger Fokus auf LVT-Beläge

Zum Hintergrund: Die heutige Muttergesellschaft stieg 1999 als Gesellschafter ein und übernahm 2012 auch alle Anteile von Markus Dünkelmann. Der jetzige Geschäftsführer Stopar lobt in diesem Zusammenhang die langjährige Unterstützung des Mutterkonzerns, der »seit 22 Jahren voll hinter uns steht und uns absolute Entscheidungsfreiheit lässt.«

Und so konnte sich Project Floors mit seiner ersten Kollektion »Edition 1« und dem sukzessiven Aufbau eines flächendeckenden Vertriebsteams einen Namen im Bereich Bodenbeläge machen. Dazu trugen nach Ansicht der Project Floors-Macher mehrere Faktoren bei, wie etwa die Spezialisierung auf LVT-Beläge. »Wir sind heute noch der einzige Hersteller, der ausschließlich LVT-Bodenbeläge anbietet«, so Zoran Stopar. Höchsten Wert lege man bei Project Floors auf eine große Lagerbevorratung sowie auf größtmögliche Flexibilität in der Produktion. Erst 2020 wurde in Kerpen zusammen mit einem Dienstleister ein neues, vergrößertes Logistikzentrum in Betrieb genommen. »Wir sind Spezialist und werden dafür sorgen, dass unsere Lager immer voll sind«, so die klare Aussage von Zoran Stopar und Bernd Greve. Und die Herstellung der Beläge in der eigenen Produktionsstätte in Taiwan sei absolut autark. »Wir haben 100 Prozent Zugriff auf unsere Produktion, es wird nichts zugekauft. Alle Dekore werden von uns in Zusammenarbeit mit Designern selbst gestaltet bis zum Endprodukt.«

Immer lieferfähig geblieben

Der Erfolg gibt dem Unternehmen recht. Bislang habe man noch kein negatives Jahr in der Unternehmensgeschichte erlebt. Auch im vergangenen Jahr konnte man mit einem Umsatz von knapp 40 Mio. Euro den Widrigkeiten der Corona-Pandemie gut trotzen. »Wir haben frühzeitig reagiert und unser Lager gut bestückt. Wir legen immer großen Wert darauf, unseren Kunden die größte Kollektion und Farbauswahl anzubieten«, betont Zoran Stopar. Auch während der Blockade des Suez-Kanals durch das Containerschiff »Ever Given« sei man voll lieferfähig geblieben. Deshalb geht man bei Project Floors für 2021 von einem weiterhin positiven Geschäftsverlauf aus. Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 55 Mitarbeiter.


Dauerbrenner Eiche, neue Nutzschichten

In den vergangenen 22 Jahren haben sich manche Standards bei LVT (kurz für »Luxury Vinyl Tiles«) verschoben. Waren früher Nutzschichten von 0,7 bis 0,8 mm üblich, so sind es heute Nutzschichten von 0,55 oder 0,4 mm, im privaten Wohnbereich sogar bis 0,2 mm. Auch farblich gab es immer wieder Trends, aber auch Evergreens. »Ein Trend seit dem ersten Tag ist Eiche, dagegen sind ehemalige Hypes wie Buche oder Zebrano heute gar nicht mehr gefragt«, so Geschäftsführer Stopar. »Dagegen gibt es Klassiker, die schon seit 1999 im Sortiment sind und sich bis heute als Umsatzträger gehalten haben«, ergänzt Marketingleiter Marco Knop. Als Trendsetter sieht sich Project Floors aktuell auch mit seinem ­Fischgrätsortiment.

Extrameilen für die Kunden

Dabei muss sich Project Floors heute mit einem völlig veränderten Marktumfeld auseinandersetzen als zu Beginn. Gab es im Jahr 2000 vier bis fünf LVT-Player im Markt, seien es heute rund 100, so die Project Floors-Geschäftsführer. Das Unternehmen aus dem Raum Köln hat in all den Jahren immer auf langfristige Partnerschaften und weniger auf das schnelle Geschäft gesetzt. Schon 2009 konnte man mit einer Absatzmenge von 1 Mio. m2 einen ersten Meilenstein erreichen. Realisiert wurde dies in erster Linie durch einen guten Bezug zu den eigenen Kunden und Lieferanten. »Mit manchen Partnern aus dem Mode- und Schmuckbereich arbeiten wir schon 15 Jahre zusammen«, stellt Geschäftsführer Bernd Greve fest. Man versuche Partnerschaften zu leben, ergänzt Zoran Stopar. »Dabei gehen wir auch zwei oder drei Extrameilen für unsere Kunden.« Stichpunkte hierfür sind neben einem hochwertigen Sortiment und schneller, zuverlässiger Lieferfähigkeit auch kurze Entscheidungswege, flache Hierarchien und eine persönliche Beratung der Kunden vor Ort.

Containerpreise explodierten

Ganz spurlos ging die Corona-Zeit aber auch an Project Floors nicht vorüber. Sicher habe man davon profitiert, dass private Renovierungen und einige Investitionen im Objektbereich vorgezogen wurden. Trotz einer seit einigen Jahren zu beobachtenden Stagnation beim Bedarf an LVT-Belägen, konnte Project Floors nach Aussage der Geschäftsführung zumindest quantitativ weiter zulegen. Doch die Kostenexplosion in den Bereichen Transport und Rohstoffe habe an der Marge gezehrt. Eine 900-prozentige Steigerung der Containerkosten von Dezember 2020 bis zum Sommer dieses Jahres nötigte Project Floors die Einführung eines monatlich angepassten Logistikzuschlags für seine Kunden ab. Auch auf die Rohstoffpreisentwicklung wird man ab Herbst mit einer leichten Preisanpassung reagieren müssen.

Chlorfreier Bodenbelag vor Markteinführung

Auch die Produktentwicklung hat unter der Corona-Krise etwas gelitten, wie Marketingleiter Marco Knop erläutert. ­Project Floors arbeitet seit einiger Zeit an einer PVC- bzw. chlorfreien Kollektion. Diese »ECO+« genannte Kollektion sollte eigentlich schon im letzten Jahr marktreif sein, die Fertigstellung verzögerte sich aber pandemiebedingt. »Wir befinden uns aktuell in der letzten Testphase«, so Marketingleiter Marco Knop, der aber die Markteinführung für das kommende Jahr ankündigt. Mit »ECO+« will Project Floors Endverbraucher ansprechen, die Bedenken beim Einsatz von PVC haben. Ein weiterer Mosaikstein bei den aktuellen Themen Wohngesundheit und Nachhaltigkeit, denen Project Floors auch schon lange vor »ECO+« große Aufmerksamkeit widmete. So hat das Unternehmen bereits zu Zeiten des Ü-Zeichens (das seit Oktober 2016 nicht mehr verwendet werden darf) seine Design-Bodenbeläge freiwillig auf gesundheitliche Unbedenklichkeit prüfen lassen und dafür das »Indoor Air Comfort Gold«-Zertifikat erworben. »Dieses berücksichtigt alle europäischen Normen, die Zertifizierung wird jährlich mit Audits in unserer Produktionsstätte erneuert«, betont Marco Knop. Die europäische Zertifizierung habe man deshalb gewählt, weil man mittlerweile in über 20 europäischen Ländern aktiv sei.

Keine Phtalate, dafür mehr Recycling

Auch sonst zeigt man sich bei Project Floors umweltbewusst: Phtalathaltige Weichmacher hat man bereits seit 2013 durch den auch im Spielzeug- und Lebensmittelbereich eingesetzten phtalatfreien Weichmacher »Hexamoll DINCH« von BASF ersetzt. Außerdem kompensiert Project Floors den CO2-Ausstoß aller Transportwege seiner Waren, von der Produktion bis zum Kunden, durch die Unterstützung eines Regenwaldprojekts in Kooperation mit der Non-Profit-­Organisation Primaklima. Ein weiteres Nachhaltigkeitsprojekt ist eine 7 200 m2 große Photovoltaikanlage auf dem Dach der Produktionsstätte in Taiwan, mit der ein Großteil des eigenen Stromverbrauchs generiert wird. Die Produktion selbst ist nach der Umweltmanagementnorm ISO 14001 zertifiziert. Außerdem bestehen die Design­böden von Project Floors mittlerweile zu 25 bis 30 Prozent aus eigenem Recyclingmaterial. Und Project Floors kooperiert als Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt ­(aktuell umbenannt in Vinylplus Deutschland) beim Recycling seiner Altbeläge.

Den Endverbraucher von LVT überzeugen

Neben der Markteinführung der »ECO+»-Kollektion benennt Project Floors-Geschäftsführer Bernd Greve weitere Schwerpunkte für das Jahr 2022. So sollen die 2015 eingeführten Kollektionen ­»floors­@work« und »floors@home« einem kompletten Relaunch unterzogen werden – Premiere sollen die überarbeiteten LVT-Kollektionen auf der BAU im Jahr 2023 feiern. Auch will Bernd Greve das Key-­Account-Team weiter verstärken, und zwar segmentbezogen in den Bereichen Healthcare oder Baustoffmärkte. Wie alle LVT-­Hersteller kam Project Floors zunächst aus dem Bereich Ladenbau. Während dieses Segment inzwischen etwas rückläufig sei, so Greve, entwickelten sich die Segmente Healthcare, Wohnungsbau und Hotellerie sehr stark. Mit der neuen PVC-freien Linie »Eco+« will man verstärkt den Privatkunden erreichen. »Dort ist LVT zwar bekannt, aber es gibt noch viel Aufklärungsbedarf«, zeigt sich Bernd Greve vom Potential dieser Zielgruppe überzeugt. Die Marketingabteilung um Marco Knop hat deshalb den Endverbraucher verstärkt in den Blick genommen, um dessen Wahrnehmung von Designböden zu erhöhen. Vielen sei gar nicht bewusst, dass sie in Hotels, Geschäften oder beim Arzt ständig mit LVT-Belägen in Berührung kämen. So wurde von Project Floors eine Vermittlunsplattform entwickelt – mit dem passenden Namen bodengutgemacht.de – die den Endkunden gezielt über LVT-Beläge aufklärt und ihn bei Interesse zu einem regionalen Händler von Project Floors verlinkt. Denn eines ist Project Floors nach wie vor besonders wichtig: verlässlicher Partner des Handels und des Handwerks zu sein. Nicht zuletzt deshalb hofft man in Hürth wieder auf viele Kontakte auf der kommenden Domotex im Januar.J

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