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Klimagriff: Starke Kombination gegen Schimmel

Wenn Gebäude nicht ausreichend gedämmt werden können oder Mieter nicht ausreichend heizen und zu selten lüften, besteht die Gefahr, dass sich Kondensationsfeuchte in der Wohnung bildet – und feuchte Stellen bieten Schimmelpilz gute Wachstumsbedingungen. Im Rahmen einer Schimmelsanierung in einer Bergarbeitersiedlung in Moers hat das Wohnungsunternehmen Vivawest ein neues Verfahren getestet. Zum Einsatz kamen sogenannte »Klimagriffe« am Fenster und eine spezielle Wandbeschichtung.

Das Wohnungsunternehmen Vivawest mit rund 120 000 Wohnungen an Rhein und Ruhr erprobt laufend verschiedene Produkte und Vorgehensweisen zur Schimmelbeseitigung und zur Reduzierung der Schimmelbildung. Bei einer Bergarbeitersiedlung in Moers wurde nun ein neuartiges Verfahren getestet.

Das für das Pilotprojekt ausgewählte Wohnhaus in Moers ist Teil einer ab 1930 errichteten, denkmalgeschützten Bergarbeitersiedlung. »Aufgrund des Denkmalschutzes können wir das Gebäude nicht von außen dämmen«, erläutert Marcus Collmer, Umweltmanagementbeauftragter von Vivawest. »Wenn in solchen Gebäuden energetisch verbesserte Fenster eingebaut werden, entsteht folgende Situation: Die kältesten Stellen in der Wohnung liegen nun an der Außenwand und nicht mehr am Fenster. Der Lufttransport innerhalb der Wohnung reicht aufgrund der luftdicht schließenden Fenster ohne ein zusätzliches Stoßlüften der Mieter nicht mehr aus, um die in der Wohnung entstehende Luftfeuchte abzuführen. Es kommt daher zur Feuchtekondensation an den Innenseiten der Außenwände, was letztendlich zur Schimmelbildung führen kann.«

Pilotprojekt  zur Verhinderung der Schimmelbildung

Zur Verbesserung des Lüftungsverhaltens der Bewohner wurden im Zuge des Pilotprojektes sogenannte »Klimagriffe« eingebaut. Der Klimagriff ermittelt mithilfe eines kleinen Computers im Fenstergriff, wie geheizt und gelüftet wird und meldet per LED-Signal dem Bewohner, wann es Zeit für eine Stoßlüftung ist. Gleichzeitig stellt er über die Griffstellung die Belüftungsart fest (Fenster geöffnet, gekippt oder geschlossen) und erstellt auf Wunsch eine Lüftungsempfehlung für den Mieter.


Darüber hinaus wurden die Innenwände und Decken in der Wohnung zur Verbesserung der Feuchteabführung mit der Innenwandbeschichtung »Protekt Colors« gestrichen. »Protekt Colors« entspricht von der Farbrezeptur einer herkömmlichen Wandfarbe und wird ebenso mit Pinsel oder Rolle aufgetragen. Durch beigemischte Füllstoffe und winzige Glasperlen wird die gestrichene Oberfläche gegenüber einer konventionellen Wandfarbe laut Hersteller um das 217-fache vergrößert. Die Oberflächenvergrößerung führe über Kapillarwirkung zu einem deutlich verbesserten Feuchtigkeitstransport aus den Wänden. Der Farbton ist wie bei jeder Innenwandfarbe beliebig wählbar und kann den Wünschen des Mieters angepasst werden.

Beschichtung entfeuchtet die Wand

Der Entwickler und Produkthersteller ­Georg Meyer von der Firma Klimagriff in Solingen erläutert: »Mit der ›Protekt Colors‹-Beschichtung wird die Wandfläche schnell und dauerhaft entfeuchtet. Dadurch wird die Lüftung für den Bewohner einfacher, da eine deutlich geringere Belüftungsdauer ausreicht, um die feuchte Raumluft aus der Wohnung abzuführen, damit es nicht zu einem Schaden durch Schimmel kommt. Dieses Verfahren wird mit dem Einsatz des Klimagriffs komplettiert, der den Nutzer daran erinnert, wenn es Zeit zum Lüften ist.«

»Die rund zwei Wochen dauernde Sanierung hat vom Arbeitsablauf und den verbauten Materialien reibungslos funktioniert«, lobt Marcus Collmer. Die Wohnung war unmittelbar nach Arbeitsende bezugsfertig. Zusätzliche Trocknungsgeräte mussten nicht eingesetzt werden.

Die neue Beschichtung muss zweimal aufgetragen werden, damit die hygro-thermischen Eigenschaften ihre volle Wirkung entfalten können. Zwar sei diese Beschichtung laut Georg Meyer teurer als eine gute Innenraumfarbe in Malerqualität, allerdings deutlich günstiger als eine Innenwanddämmung mittels Silikatplatte. Neben den eingesparten Mehrkosten für die Innendämmung werde in diesen Fällen auch die Dauer der Sanierung durch das Wegfallen der Dämmung verkürzt.

Ein weiterer Pluspunkt von »Protekt Colors« ist laut Hersteller die Bauteil- und Raumluftentfeuchtung. »Feuchtigkeit in der Raumluft benötigt zusätzlich viel Heizenergie«, betont Georg Meyer und verspricht Energieeinsparungen von bis zu 30 Prozent. »Mit unserer Beschichtung kann der Dämmwert der Bauteile je nach Feuchtegehalt um bis zu 50 Prozent verbessert werden. Dies kann durch eine U-Wert-Messung, die wir mit einer nach ISO 9869 genormten Technologie durchführen, auch an jedem Objekt nachgewiesen werden«, erklärt er.  J

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