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UZIN UTZ: Gelungener Stabwechsel im Familienunternehmen - Neue Führungsgeneration setzt Erfolgsstrategie fort

Der Generationswechsel in der Führungsetage bei der Ulmer Uzin Utz AG ist vollzogen:

Von Jan Rieken

Seit Mitte des Jahres leiten die Brüder Philipp und Julian Utz, Urenkel des Unternehmensgründers Georg Utz, maßgeblich die Geschicke des Familienunternehmens. Dritter im neuen, gleichberechtigten Vorstands-Trio ist Heinz Leibundgut. Aktuelle und künftige Herausforderungen bei der Unternehmensstrategie waren Themen eines Gesprächs, das der baustoffPARTNER mit allen drei Vorstandsmitgliedern im Rahmen eines Verlags-Besuchs führen konnte. Auch mit der neuen Führungsmannschaft geht es beim Komplettanbieter für Bodensysteme unter anderem darum, die bis Ende 2019 gesteckten Unternehmensziele zu erreichen und damit die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre fortzuschreiben.

Die Herausforderungen von heute und morgen meistert der Bodenspezialist aus Ulm mit einer Mischung aus Innovationsgeist und Traditionsbewusstsein. »Kontinuität ist dabei eines der wesentlichen Motive für ein Familienunternehmen«, macht Philipp Utz gleich zu Beginn des Gesprächs deutlich.

Als Beispiel nennt er mehrere Auszeichungen, die die Uzin Utz-Gruppe mit ihren knapp 1 200 Mitarbeitern innerhalb der Branche als einen der Top-Arbeitgeber in Deutschland ausweisen. »Betriebszugehörigkeiten von teilweise mehr als 20 Jahren sind ein wichtiges Indiz dafür, dass wir unseren Mitarbeitern mit der nötigen Wertschätzung begegnen«, sagt Philipp Utz, der im Vorstand unter anderem für die Ressorts Vertrieb und Marketing zuständig ist.

Gleiche Unternehmensziele, modifizierte Strategie

Sein Bruder Julian Utz, im dreiköpfigen Gremium neben Produktion und Forschung auch für den Bereich Recht und Personal zuständig, ergänzt: »Dabei ist uns klar, dass derart langjährige Betriebs­zugehörigkeiten nicht in die Lebensplanung der heute jungen Fachkräfte passen. Wir müssen deshalb Mittel und Wege finden, die Bindung zu erhöhen und die Leute zu halten.«

Ein Weg, dieses Ziel zu erreichen, sei die breite Beteiligung aller Mitarbeiter auf internationaler Ebene an der strategischen Ausrichtung, sagt Heinz Leibundgut, der im Vorstand für Finanzen und Controlling sowie die Führung der internationalen Beteiligungsgesellschaften zuständig ist – ein Bereich, den er vom ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Thomas Müllerschön übernommen hat, der im Mai aus dem Unternehmen ausgeschieden und zum Prüf- und Sachverständigenkonzern Dekra nach Stuttgart gewechselt war (der baustoffPARTNER hat berichtet).

Müllerschön hatte im Jahr 2016 die »Gold«-Strategie ins Leben gerufen – ein umfangreiches unternehmerisches Konzept, verknüpft mit ambitionierten Zielen: So ist darin bis Ende 2019 ein Jahresumsatz von 400 Millionen Euro festgeschrieben.

»Ein Ziel, das nach wie vor das unternehmerische Handeln  prägt«, sagt Philipp Utz – und das aller Voraussicht nach erreicht werden kann, wie Finanzvorstand Leibundgut im Gespräch bestätigt.

Die Zahlen der Vergangenheit bestätigen das: Im Jahr 2017 lag der Jahresumsatz bei 295,8 Milionen Euro (2016: 272,9 Mio), der Auslandsanteil lag bei 58,9 % (2016: 57,1 %).

Im dritten Quartal des laufenden Jahres stieg der Umsatz um 15,9 % auf 260,2 Mio. Euro (2017: 224,5 Mio. Euro). Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit liegt mit 21,2 Mio. Euro leicht unter dem Wert des Vorjahres (21,4 Mio. Euro).

Mit großen Investitionen fit für die Zukunft

Dass im Jahr 2017 das Vorsteuerergebnis leicht unter das des Vorjahres gesunken ist, hat ebenfalls mit Wachstum zu tun – beziehungsweise mit getätigten Investitionen, die dieses Wachstum überhaupt erst möglich machen: Rund 17,4 Millionen Euro hat Uzin Utz dieses Jahr in die Hand genommen, doppelt so viel wie im Jahr 2016 (8,7 Millionen Euro), um weitere Weichen auf Wachstum zu stellen. Neben der Investition zur Erschließung von Zukunftsmärkten oder der Übernahme des Werkzeugherstellers Pajarito (auf der BAU mit eigenem Stand: Halle C6, Stand 112) war eines der Projekte der Neubau der Codex-Firmenzentrale. Codex ist seit 2007 unter dem Dach von Uzin Utz für den Bereich Fliesen und Naturstein zuständig.

Gestiegene Kosten für Rohstoffe und Warentransport

Auf dem insgesamt 10 000 m2 großen Codex-Gelände in Ulm findet eine High-End-Produktionsanlage mit einer Kapazität von 60 000 Tonnen Pulverprodukten pro Jahr und auch das neue Verwaltungsgebäude mit Forschungs- und Entwicklungscenter sowie Schulungsräumen Platz. Das dreistöckige Bürogebäude hat rund 20 Millionen Euro gekostet und wurde im Oktober nach nur 18 Monaten Bauzeit feierlich eingeweiht.

Über das gesamte Jahr 2018 hatte die Uzin Utz-Gruppe dabei mit einem starken Preisanstieg im Rohstoff- und Logistikbereich zu kämpfen. Dies wirkte sich auch im dritten Quartal auf die Profitabilität aus. »Wir haben bereits Maßnahmen auf den Weg gebracht, die uns optimistisch in die Zukunft blicken lassen«, sagt Heinz Leibundgut.

Eine Maßnahme wird sein, dass der Bauchemie-Spezialist zum 1. Januar seine Preise anheben wird. Philipp Utz geht im Schnitt von einer Steigerung von 3 bis 5 % für die Produkte aller Marken von Uzin Utz aus. Die deutlich gestiegenen Preise für Rohstoffe und Warentransport machen diesen Schritt notwendig. »Die hohe Nachfrage an Baustoffen, ausgelöst durch die gute Baukonjunktur, führt zunehmend zu Verknappungen im Rohstoffsektor. Dies schlägt sich wiederum auf den Beschaffungspreis hierfür nieder und führte bereits im laufenden Jahr zu partiellen Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich«, so Philipp Utz. Eine Entspannung der aktuell hohen Nachfrage sei durch die gute Konjunktur nicht absehbar.

Zweiter Kostentreiber ist die angespannte Logistik-Situation: Aktuell fehlen im Speditionsgewerbe allein in Deutschland 45 000 Lkw-Fahrer. Dies macht Frachtraum deutlich teurer. In vielen Ländern Europas stiegen die Preise bereits im laufenden Jahr im hohen einstelligen Prozentbereich.


Im Fokus bleibt weiterhin die Zielgruppe der Bodenleger

Unabhängig von den Zielen der »Gold«-Strategie, die ja die unternehmerischen Ziele bis Ende 2019 vorgibt, sitzt die Unternehmensleitung bereits an den Plänen, die weit über diesen Zeitpunkt hinausreichen: Die »Strategie 2025«. Laut Leib­undgut soll das Konzept nicht von oben nach unten verkündet , sondern mit allen Mitarbeitern auf allen Ebenen breit abgestimmt werden – »und zwar auf internationaler Ebene«, wie der Finanzvorstand anfügt.

Im Zuge der fortschreitenden Internationalisierung habe man gelernt, dass andere Länder andere Bedürfnisse haben. »Der Vorstand kann viele gute Ideen haben – wenn die Leute nicht mitmachen, ist es vergebens«, sagt Heinz Leibundgut.

Teil der künftigen Strategie ist, neue Kundensegmente zu erschließen, ohne dabei den eigenen Grundwerten untreu zu werden. Als Beispiel nennt Philipp Utz das inzwischen eingestellte Engagement im Geschäftsbereich »Wand«. »Wir werden als Bodenexperte wahrgenommen, deshalb konzentrieren wir uns auch auf diesen Bereich«, sagt Philipp Utz. »Wesentlicher Teil einer erfolgreichen Strategie ist, dass wir uns auf unsere Kernkompetenzen fokussieren.« Und Julian Utz ergänzt: »Unsere Zielgruppe ist und bleibt der Bodenleger!«

Fachkräftemangel verlagert

»Damit die vorhandenen Hände die derzeitige Nachfrage abarbeiten können, braucht es intelligente Produkte, die ein zeitsparendes Handling ermöglichen«, erläutert Julian Utz. Mit diesem Anliegen wendet sich der Hersteller an kleinere Verlegebetriebe ebenso wie an Groß-Objekteure oder mobile Generalisten.

Letztere konnten zwar bislang laut Philipp Utz fehlende Kapazitäten im Bodenleger-Bereich auffangen, doch habe das Problem fehlender Fachkräfte in weiter östlichen Regionen Europas den Druck erhöht: »Inzwischen ist es in Ländern wie Polen oder Tschechien angesichts des dort ebenfalls herrschenden Baubooms kaum mehr möglich, zeitnah einen qualifizierten Handwerker zu bekommen. Viele Fachkräfte sind von dort ebenso wie aus den Nachbarländern mittlerweile auf deutschen Baustellen unterwegs, so dass die Aufträge in Polen wiederum von Arbeitern aus Ländern wie Ungarn oder Slowenien abgearbeitet werden«, erläutert er.

Die direkte Kommunikation mit dem Verarbeiter und das Abbauen sprachlicher Barrieren sieht Uzin Utz deshalb als eine zentrale Herausforderung der Gegenwart. »Wir müssen uns auf internationaler Ebene die Frage stellen: Wer ist der Handwerker, der unsere Produkte verwendet?«, sagt Julian Utz. Nationale Besonderheiten, zum Beipsiel im Umgang mit Nachhaltigkeit oder dem Thema »BIM«, sind dabei ebenso im Fokus wie die Frage, wieviele Sprachen es auf der Verpackung sein müssen.

Beratung im Dialog

Wenn es um Mehrsprachlichkeit bei Produktspezifikationen und Verarbeitungshinweise geht, hat sich der QR-Code auf der Verpackung als praktikable Lösung durchgesetzt: Er führt direkt via Smartphone ins Internet, wo sämtliche Informationen auch über die Anwendungsgebiete in allen relevanten Sprachen ebenso hinterlegt sind wie nützliche Verarbeiter-Videos, die den richtigen Umgang mit dem Produkt  auf der Baustelle zeigen.

Für die Zukunft liegt dem Hersteller aber auch die direkte Kommunikation mit dem Anwender am Herzen. »Es wird immer wichtiger, dass wir bidirektional beraten können, also im persönlichen Dialog mit dem Verarbeiter«, erläutert Philipp Utz. Dass dafür immer mehr Kanäle, vor allem digitale, zur Verfügung stehen, erleichtert die Sache – denn auch ein Video-­Chat oder eine Skype-Konferenz mit dem Verarbeiter und die Bereitzschaft, derlei techniken zu nutzen, kann letztlich ein Beispiel sein für die gelungene Mischung aus Innovation und Tradition.    J

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