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MEA Bautechnik: »Wir haben die Corona-Krise dazu genutzt, uns neu zu erfinden und noch besser zu werden.«

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen – in Zeiten von Corona trifft dies wohl mehr denn je zu. Die weltweite Pandemie hat uns alle zum Umdenken gezwungen, so auch die Wirtschaft. Und genau das muss nicht zwangsläufig immer etwas Schlechtes bedeuten. Ein gutes Beispiel dafür ist das Unternehmen MEA mit Hauptsitz im bayerischen Aichach. Der Spezialist rund um Luft und Tageslicht im Keller hat sich den schwierigen Umständen angepasst und dadurch neues Potential entdeckt. Der baustoffPARTNER hat mit MEA-Geschäftsführer Gregor Gaisböck und Felix Westkämper, Leiter Marketing und Produktmanagement, über die Fortschritte in Sachen Digitalisierung sowie neue Produkte und die Herausforderungen der aktuellen Lage gesprochen.

Von Christine Seif

Dass das Home-Office ohne Corona immer noch ein Stiefkind wäre, darüber brauchen wir wohl nicht zu diskutieren. Viele Firmen mussten von heute auf morgen auf den Lockdown reagieren und sich den neuen Herausforderungen stellen. Auch MEA, Hersteller von Produkten für Kellerbau, Entwässerung, Metallanwendungen und Beschläge, hat in der Krise nicht nur die Situation »Home-Office« gemeistert, sondern in der digitalen Welt eine neue Möglichkeit gefunden, sich einem breiten Publikum zu präsentieren. Und diese Chance haben die Profis rund um Lichtschachtsysteme und Kellerfenster genutzt. »Ich muss gestehen, ich bin selbst überrascht, wie gut wir das im Team gemeistert haben. Angefangen von Home-Office, das dank des Engagements all unserer Mitarbeiter reibungslos funktioniert hat, bis hin zu digitalen Videos, in denen wir Produkte präsentieren und Montage-Abläufe erklären. Alle haben an einem Strang gezogen und großen Spaß an der digitalen Arbeitsweise gefunden«, erzählt Geschäftsführer Gregor Gaisböck. »Und das Ergebnis ist wirklich toll geworden. Dabei gab es nicht nur intern positives Feedback, auch von unseren Kunden und Partnern erhalten wir nur begeisterte Rückmeldungen.«

Diesen digitalen »Booster« hätte es ohne Corona bei MEA nicht gegeben, zumindest nicht in dieser rasant kurzen Zeit, ist sich Gaisböck sicher. Auch Messeausfälle haben neue Möglichkeiten aufgetan. »Die Corona-Zeit haben wir verstärkt genutzt, um gezielt digitalen Content zu produzieren, um das Unternehmen, unsere Produkte und deren Anwendung anschaulich zu erklären. Im Juni haben wir dann an unserer ersten digitalen Messe teilgenommen, eine Fachmesse für Architekten – und ich muss sagen, es war ein voller Erfolg«, freut sich Felix Westkämper. »Wir konnten uns einem breiten Publikum präsentieren und haben viele Interessenten erreicht – und das bei geringerem Aufwand als bei einem normalen Messeauftritt.«

Bei der BAU 2021 in München nicht vertreten

Eine digitale Variante der BAU im Januar 2021 wäre für MEA auch eine tolle Alternative gewesen. Für die stationäre Messe in München hat das Unternehmen seine Teilnahme abgesagt. »Es ist für uns schwer vorzustellen, wie eine solche Großveranstaltung in diesen Zeiten stattfinden kann. Bis Ende des Jahres sind nahezu alle großen Messen abgesagt worden und zwei Wochen später soll dann eine der größten Messen der Welt in München in einem ›normalen‹ Umfang abgehalten werden? Das kann ich nicht ganz nachvollziehen«, so Gaisböck. »Zudem wäre dieses typische Messeerlebnis nicht gegeben. Networking, gesellige Gespräche, Getummel auf den Ständen, das alles ist nicht unter der Maßgabe von sicherheitsrelevanten und hygienischen Aspekten möglich. Hinzu kommt, dass zahlreiche unserer Kunden und Partner bereits abgesagt haben, damit schmälern sich auch die Synergie-Effekte«, erklärt Gaisböck die Absage. »Und das Wichtigste ist nach wie vor die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Kunden. Die Summe aus diesen Gründen hat uns dazu bewogen, unsere Teilnahme an der BAU 2021 abzusagen, wenn auch schweren Herzens. Wir freuen uns aber jetzt schon auf die BAU 2023, bei der wir gern wieder dabei sind.«


Neue Produkte werden Anfang 2021 präsentiert

Doch natürlich liefen bei MEA die Vorbereitungen für die BAU bereits auf Hochtouren, schließlich sollten dort neue Produkte und Services vorgestellt werden. »Nachdem wir im vergangenen Jahr unsere Logistik komplett neu aufgestellt haben, haben wir dieses Jahr enormes Engagement in unsere Innovationskraft gesteckt. Die neu und weiterentwickelten Produkte wollen wir unseren Kunden, auch wenn nicht auf der BAU, Anfang des nächsten Jahres vorstellen. Nun werden wir dies über andere Plattformen und Kanäle tun«, so der Geschäftsführer.

»Wir wollen noch nicht allzu viel verraten, aber der Verarbeiter auf der Baustelle steht für uns im Fokus. Ihn in der schnelleren und fehlerfreien Montage unserer Produkte zu unterstützen, bedeutet für ihn, Zeit und damit auch Geld zu sparen«, verrät Felix Westkämper. Worauf MEA Wert legt, wenn es um Entwicklung und Innovationen geht, wird schnell deutlich: »Wir bei MEA haben immer die Bedürfnisse unserer Kundengruppen im Blick. Hinzu kommt, dass wir das Rad auch nicht immer neu erfinden können, aber wir wollen es immer besser machen, das haben wir uns zum Ziel gesetzt«, erzählt der Leiter Marketing und Produktmanagement. So entstehen auch neue Produkte. »Auf den Baustellen gibt es unterschiedliche Herausforderungen: Zeitdruck, Fachkräftemangel, Mitarbeiter mit geringen Deutsch-Kenntnissen – oft kommt auch alles zusammen. Daher müssen Produkte hocheffizient, einfach zu handhaben und fehlerfrei zu verarbeiten sein.« Genaue Details wollten die beiden aber noch nicht verraten. Die erfahren Interessierte dann zu Beginn des neuen Jahres.

Konfigurator: einfache Planung und weniger Fehler

Doch nicht nur in effizienteren Produkten, auch in erweiterten Service-Leistungen sieht MEA die Zukunft. »Wir denken ganzheitlich und wollen unser Portfolio für den Kunden so einfach wie möglich gestalten. Aus diesem Ansatz heraus ist der MEA Connect Konfigurator entstanden. Mit diesem Konfigurator können Architekten, Planer und Bauunternehmer das komplette System für Licht und Luft im Keller planen – sie benötigen nur die Größe der Fenster-Öffnung und das System schlägt dann alle Komponenten vor«, erklärt Westkämper das Tool. »Wichtig ist dabei vor allem, dass das System an wirklich alles denkt. So werden nicht nur die passenden

MEA Connect Produkte vorgeschlagen, auch sämtliches Zubehör für die Montage wird automatisch berechnet. Der Planer erhält vom Konfigurator eine komplette Bestellliste mit wirklich allem, was er für das System inklusive Montage braucht«, ergänzt Westkämper. Bisher sei das Feedback zum Konfigurator nur positiv gewesen, daher wird nun der nächste Schritt geplant. »Bisher errechnet der Konfigurator eine Bestellliste, im nächsten Schritt wollen wir realisieren, dass das Material auch direkt in einer App online bestellt werden kann.« Gaisböck ergänzt: »Wir arbeiten mit einem dreistufigen Vertrieb, sprich über Fachhändler. Daher arbeiten wir für diese Weiterentwicklung eng mit unseren Partnern zusammen, sodass die Produkte dann zum Beispiel direkt bei ihnen im Onlineshop geordert werden können.« Zudem soll auch der Konfigurator an sich noch deutlich ausgebaut werden. Aktuell sind noch nicht alle individuell konfigurierbaren Produkte im MEA Connect Konfigurator implementiert. Das Ziel ist es aber, diese Produktbereiche in den Konfigurator mit aufzunehmen.

Ein weiteres digitales Thema, das die Spezialisten von MEA derzeit beschäftigt, ist BIM. »Uns ist es wichtig, dass nicht nur technische Daten angezeigt werden, wir wollen die BIM-Objekte mit einer eigenen Intelligenz ausstatten«, erklärt Westkämper. »Sprich, wenn der Architekt damit arbeitet und zum Beispiel ein sehr großes Fenster plant, soll das System automatisch erkennen, ob dies überhaupt möglich ist und mit welchen Materialien das realisiert werden kann. Aktuell sind wir noch am Prototyp, aber eine marktfähige Version wollen wir noch in diesem Jahr fertigstellen.«

»Raus aus dem Keller«

Weiter ausgebaut werden sollen aber nicht nur die digitalen Tools – insgesamt möchte MEA seine Produktpalette erweitern, wie Gaisböck im Interview verrät: »Unser Metier ist der Keller und alles, was dort mit Luft oder Licht zu tun hat. Allerdings haben wir auch die Herausforderung, dass der Bau von Kellern in Deutschland rückläufig ist. Das ist schon seit einigen Jahren der Fall und wir denken, dass sich dieser Trend auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Um also zu wachsen, müssen wir ›raus aus dem Keller‹, das bedeutet, wir wollen uns sukzessive aus dem Gewerk Keller/Rohbau heraus weiter- entwickeln. Wenn der Keller fertig ist, was kommt dann? Genau hier wollen wir andocken, uns erweitern und damit neue Segmente für uns gewinnen. Wobei der Keller natürlich immer eine unserer Kernkompetenzen bleiben wird.«   J

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