kärcher/Stihl Zwei schwäbische Platzhirsche gehen gemeinsam voran

Zwei Schwergewichte der Branche machen gemeinsame Sache – die schwäbischen Traditionsmarken Kärcher und Stihl haben Anfang Juli in Winnenden eine Akku-Allianz bekannt gegeben. Ziel der strategischen Partnerschaft ist es, professionellen Anwendern einen gemeinsamen, leistungsstarken und zukunftssicheren Akkustandard zu bieten. Kernstück der Allianz ist das von Stihl entwickelte »Allpro«-Akkusystem, das künftig in den Profi-Geräten beider Marken zum Einsatz kommt.

Lesedauer: min | Bildquelle: kärcher/Stihl
Von: Peter Lang

»Wir sind heute mit positiver Energie hoch aufgeladen«, begrüßte Kärcher-CEO Hartmut Jenner die versammelte Presse am Kärcher-Stammsitz in Winnenden, um zusammen mit Stihl-CEO Michael Traub den Startschuss für die gemeinsame Akku-Allianz »Allpro« zu geben. Das Medieninteresse war groß, zeichnete die beiden schwäbischen Platzhirsche doch bisher eine wechselseitige Rivalität aus. Kärcher, 1935 in Bad Cannstatt gegründet, ist heute prägend in der Reinigungstechnik und ein global agierendes Großunternehmen mit einem Umsatz von zuletzt 3,48 Mrd. Euro. Stihl, vor genau 100 Jahren ebenfalls in Bad Cannstatt gegründet, ist ein international tätiger Technologieführer im Bereich Forst, Bau und Garten mit einem Gesamtumsatz von 5,48 Mrd. Euro im Jahr 2025.

Kernstück der neuen Allianz ist das von Stihl entwickelte 36-V-Akku-System »Allpro«, das künftig in den Profi-Geräten von Kärcher und Stihl eingesetzt werden soll. Wie Michael Traub betonte, habe man bei Stihl dafür »in den letzten zwei, drei Jahren einen kleinen dreistelligen Millionenbetrag investiert«. Kärcher wiederum habe laut Hartmut Jenner rund 10 Mio. Euro investiert, um seine Geräte mit dem neuen System kompatibel zu machen. 

»Professionelle Anwender brauchen nicht nur leistungsfähige Geräte. Sie benötigen Systeme, die viele Aufgaben abdecken, Komplexität reduzieren und Investitionen langfristig nutzbar machen«, hebt Michael Traub die Vorteile der neuen Allianz hervor. Und Hartmut Jenner fügt hinzu: »Durch das Zusammenspiel unserer Geräte schaffen wir weit mehr als nur eine technische Lösung: Wir treiben die Elektrifizierung professioneller Anwendungen konsequent voran und sichern unseren Kunden so einen entscheidenden Vorsprung.« Zum Vergleich: Bislang laufen nur 27 Prozent aller Stihl-Geräte akkubetrieben, während Kärcher hier auf eine Quote von 40 Prozent kommt. Europaweit liege der Akku-Anteil aber bereits bei zwei Dritteln, so Michael Traub.

Vorteile für professionelle Anwender

Profi-Anwender profitieren künftig von einem System, das hohe Leistung mit hoher Flexibilität verbindet, da sie künftig die gleichen Hochleistungs-Akkus und Ladegeräte sowohl für ihre Reinigungsgeräte von Kärcher als auch für ihre Motorgeräte von Stihl nutzen können. Stihl-Kunden können dabei auf die volle Kompatibilität mit dem bisherigen »AP«-System vertrauen – die »AP«-Akkus lassen sich auch vollumfänglich mit den neuen Kärcher-Akkugeräten nutzen.

Für Kärcher-Kunden ist »Allpro« eine gänzlich neue Plattform. Kärcher garantiert aber für bestehende Geräte aus dem bisherigen »Battery Universe« weiterhin vollumfänglichen Service und Ersatzteil- und Akkuverfügbarkeit. Im Ergebnis entsteht für Profis eine Arbeitswelt, in der sie mit nur einem Akkusystem das gesamte Spektrum der täglichen Garten-, Forst- und Reinigungsaufgaben abdecken können.

120 Geräte, sechs »Allpro«-Akkus

Die neuen Akkus sind im Stihl-Fachhandel ab dem 1. August erhältlich. Bei Kärcher erfolgt der Marktstart für die neuen Akkus und die neuen Geräte zum 1. Januar 2027. Ergänzend zu den beiden Traditionsunternehmen werden zahlreiche weitere Kooperationspartner beispielsweise für Forstwinden, Geräteträger oder mobile Tankstellensysteme das »Allpro«-Akkusystem in ihren Geräten nutzen, womit Anwender aus den Segmenten Forst, Garten- und Landschaftsbau, der Baubranche, des Facility Managements oder auch Hilfsorganisationen Zugriff auf ein System von mehr als 120 Geräten haben, die mit den gleichen Akkupacks angetrieben werden. Ein ausgereiftes und verlässliches Lade- und Energiemanagementsystem rundet das Angebot ab.

Das aus sechs unterschiedlichen Akkus bestehende »Allpro«-System deckt vielfältigste Anforderungen ab. Für den Einstiegsbereich stehen die Akku-Modelle »AP 20.1« und »AP 30.1« mit den bekannten Standardzellen (Tabbed Cells) zur Verfügung. Die restlichen vier Akkus basieren alle auf der neuen, leistungsstarken Tabless-Zellarchitektur – durch den minimierten Innenwiderstand fließt die Energie im Unterschied zu Standardzellen über die gesamte Oberfläche der Zelle, wodurch beim Betrieb und Laden der Zelle weniger Hitze erzeugt wird, was die Zellalterung verlangsamt. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt der direkte Vergleich eines bisherigen Standard-Akkus mit dem neuen Tabless-Modell »AP 300 P«: Es bietet eine um 60 Prozent höhere Spitzenleistung (bis 4 kW) sowie eine um 20 Prozent gesteigerte Laufzeit. Zudem halbiert sich die Ladezeit für maximale Einsatzbereitschaft, während sich die Lebensdauer auf bis zu 3 000 Ladezyklen ohne Leistungseinbußen verdoppelt. Hinzu kommt: Innerhalb von knapp zehn Minuten ist der Akku zu 80 Prozent wieder aufgeladen.

Die Allianz in der Praxis  

Praktischen Anschauungsunterricht konnten die Pressevertreter an verschiedenen Branchenstationen erhalten, die das Potenzial der neuen Akku-Allianz verdeutlichten. Ein Beispiel aus dem Bereich Bau und Infrastruktur: Hier gewinnen akkubetriebene Trennschleifer zunehmend an Bedeutung. Insbesondere vor dem Hintergrund veränderter Baustellenanforderungen – etwa in Bezug auf Umweltauflagen, Emissionsreduzierung und Arbeitsbedingungen – bieten Akku-Produkte klare Vorteile.

Stihl verfügt über eine breite Range an akkubetriebenen Trennschleifern – von kompakten Geräten wie »TSA 230« und »TSA 300« über »TSA 350« bis hin zu leistungsstarken Modellen wie dem »TSA 500«. Die Geräte decken unterschiedliche Leistungsklassen von 2,1 bis 4,2 kW für verschiedene Anwendungsbereiche ab.


Grundsätzlich ist das Trennen mit Wasser die empfohlene Vorgehensweise. Es sorgt für effektive Staubbindung, ermöglicht eine höhere Schnittanzahl pro Akku und verbessert die Arbeitsbedingungen auf der Baustelle. Für spezielle Anwendungen – etwa im Innenbereich oder bei wasserempfindlichen Materialien – empfiehlt sich das Trockentrennen. In diesen Fällen bietet eine Kombination aus Staubabsaugung und Tiefenanschlag eine effektive Lösung zur Minimierung der Staubbelastung, etwa mithilfe des Kärcher »NT 22/1 Ap Bp-A Adv.«

Auch im Garten- und Landschaftsbau bieten akkubasierte Systemlösungen entscheidende Vorteile – von reduzierten Emissionen und geringer Lärmbelastung bis hin zu einer verbesserten Ergonomie und Flexibilität im Arbeitsalltag. Stihl und Kärcher haben dazu ein Produktportfolio, mit dem Tätigkeiten wie Pflege und Schnitt von Hecken und Grünanlagen, Mähen und Instandhaltung von Rasenflächen, Baum- und Gehölzpflege sowie Laub- und Schmutzbeseitigung ausgeführt werden können.

Daneben präsentierten sich diverse Spezialanbieter, die sich ebenfalls der Akku-Allianz angeschlossen haben. So etwa die Firmen Tielbürger und Limpar mit ihren Kehrmaschinen und Wildkrautbürsten. Ein weiterer Partner der Allianz ist Eder Maschinenbau mit seinen Seilwinden. In der Forstwirtschaft unterstützen die Winden bei der Holzrückung und Baumfällung, bei der Jagd bei Bergungs- und Transportaufgaben sowie im Kabel- und Leitungsbau beim Einziehen von Kabeln. Darüber hinaus kommen sie auf Baustellen sowie bei Hilfs- und Rettungsorganisationen wie Feuerwehr und THW zum Einsatz. Die Firma Cemo wiederum stellte eine mobile Tankanlage für Diesel vor, die mit dem »AP«- oder dem »Allpro«-Akkusystem betrieben werden kann.
 

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