Girnghuber GmbH Klinkerfassade mit »Bischofsmützen«-Profil

Der Erweiterungsbau für die Berufsschule in Regensburg schlägt architektonisch eine Brücke zwischen Bestand und Gegenwart. Der Neubau greift die Fassadensprache des Schulgebäudes aus den 1980er-Jahren auf und übersetzt sie in eine plastisch ausformulierte, zeitgemäße Hülle. Prägend ist die reliefartig modellierte Klinkerfassade, deren Geometrie aus einem speziell entwickelten, fünfeckigen Sonderformat von Gima entsteht.

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: Girnghuber

Im Süden von Regensburg erweitert der Neubau die Georg-Kerschensteiner-Berufsschule und nimmt städtebaulich Bezug auf das terrassierte Bestandsgebäude aus den frühen 1980er-Jahren. Als adressbildender Gebäudekopf bildet er den südlichen Abschluss des Schulgeländes und stärkt die Orientierung auf dem Campus. Im Inneren öffnet sich eine dreigeschossige Halle als kommunikatives Zentrum der Schule. Eine mit Eichendielen belegte Sitztreppe schafft Aufenthaltsqualität, während geschwungene Galerien in den Obergeschossen vielfältige Blickbezüge ermöglichen. Über eine haushohe Glasfassade fällt Tageslicht aus dem begrünten Innenhof tief in die Halle und prägt die offene, einladende Atmosphäre des Raums.

Fünfeckiges Sonderformat

Auch in der Materialität nimmt der Neubau Bezug auf das sorgfältig detaillierte Klinkermauerwerk des Bestands und interpretiert es neu. Für die etwa 4 300 m² umfassende Fassade entwickelte Gima mit Bez+Kock Architekten aus Stuttgart ein Sonderformat, das in seiner Geometrie einer sogenannten »Bischofsmütze« entspricht. Die Formsteine in den Maßen 300 x 90 x 71 mm sowie 300 x 125 x 71 mm wurden lagenweise gegeneinander versetzt gemauert. Durch diese Schichtung und die ausgeprägte Profilierung entstand ein feines Relief, das je nach Sonnenstand ein wechselndes Spiel aus Licht und Schatten ergibt. Die aufgeraute Oberfläche der Klinker unterstreicht zusätzlich die haptische Tiefe des Mauerwerks.


Eine technische Besonderheit liegt in der Fertigung der rund zwölf verschiedenen Formsteinvarianten. Diese wurden mit speziellen Werkzeugen jeweils in einem Stück produziert, anstatt sie durch Schneiden und Kleben herzustellen. Dieser Prozess gewährleistet eine hohe Präzision und Dauerhaftigkeit der Klinker, die zudem durch ein spezielles Brennverfahren ihre nuancierte Farbigkeit erhielten. Die von den Architekten gewünschte, als »erdig-beige/tonig/leicht orange« beschriebene Fortführung der bestehenden Materialität mit Splitt-Zuschlag wurde im Gima-Labor auf den rötlich-orangen Ton des Bestandsgebäudes abgestimmt.

Bei der Materialentwicklung integrierte Gima einen Anteil an Recyclingmaterial aus Abfällen der Natursteinverarbeitung. Der Klinker erfüllt höchste bauphysikalische Standards wie eine sehr niedrige Wasseraufnahme und eine hohe Scherbenrohdichte. Dies stellt sicher, dass die Fassade im rauen Schulalltag dauerhaft robust und wartungsfrei bleibt.

Ergänzung durch Fertigteile

Ergänzt wird die Fassade durch Betonfertigteile aus dem Gima-eigenen Werk. Ein markantes Detail sind die überdimensionalen Fenster­faschen mit Längen von bis zu 6 m, die als Sichtbetonbauteile mit einer speziell abgesäuerten Oberfläche ausgeführt wurden. Diese Bauteile bilden einen präzisen Rahmen für die als horizontale Fensterbänder gestalteten Verglasungen und kontrastieren dezent mit dem reliefierten Mauerwerk. Besondere Herausforderungen stellten die Fertigteile mit Klinkervorsatz dar, etwa an den Sturzuntersichten. Um die »Bischofsmützen«-Profilierung auch dort ohne optische Brüche fortzuführen, wurden die Klinker im Werk in den entsprechenden Verbänden vorgefertigt. Für einen dauerhaft sicheren Verbund zwischen Ziegel und Beton sorgt das bewährte Schwalbenschwanzprofil auf der Rückseite der Klinkerschalen. Diese mechanische Verzahnung garantiert eine dauerhaft feste Verbindung bei maximaler gestalterischer Präzision. In der engen Verzahnung von individuellem Formstein und industrieller Vorfertigung realisierten Gima und Bez+Kock Architekten eine Fassade, die den Dialog mit dem Bestand sucht, diesen handwerklich neu interpretiert und durch ein beinahe stoffliches Fassadenbild eine eigenständige architektonische Identität entwickelt.

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