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Beck+Heun: »Unsere Kernaufgabe ist es, uns weiterzuentwickeln«

»Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist« – oder um es anders als Henry Ford zu sagen: Tradition hat gern mal den bitteren Beigeschmack des Stillstands. Dem entgegenzuwirken, dafür hat Beck+Heun viel getan. Zwar ist das Unternehmen seit seiner Gründung familiengeführt und damit durchaus traditionell aufgestellt. Gleichzeitig aber hat sich der Hersteller von Beschattungs-, ­Dämm- und Lüftungslösungen rund um das Fenster der kontinuierlichen Weiterentwicklung verschrieben: Zuletzt wurde in hochmoderne EDV-Systeme, die papierlose Abwicklung sowie eine komplett neue Ziegelkastenfertigung investiert, die mit moderner Robotertechnik sowie weitgehend automatisierten Fertigungsprozessen ausgestattet ist. Dass Fortschritt bei Beck+Heun nicht nur eine Floskel ist, das haben die beiden Geschäftsführer Bernd Beck (63) und Phillip Beck (33) im Gespräch mit dem baustoffPARTNER am Standort Altenmünster verdeutlicht: »Weiterentwicklung hatte bei uns schon immer Tradition«.

Von Dan Windhorst

Als Spezialist für Beschattungs-, Dämm- und Lüftungslösungen hat sich Beck+Heun zu einem Unternehmen entwickelt, das seine Produkte in 27 Ländern der Welt vertreibt. Seit der Gründung durch Reinhold Beck und Willi Heun im Jahr 1962 ist die Firma bis heute in Familienbesitz.

Daraus ergeben hat sich eine besondere Unternehmenskultur, die bei den Geschäftsführern Bernd und Phillip Beck ebenso zu spüren ist wie bei den Mitarbeitern. Die Redaktion vom baustoffPARTNER war am Standort in Altenmünster und durfte exklusiv die gerade erst fertiggestellte Fertigungshalle der Ziegelkastenproduktion begutachten, die laut Bernd Beck »ein wichtiger Meilenstein« in der Weiterentwicklung sein wird.

Die Digitalisierung als fester Bestandteil der Entwicklung

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass digitale Prozesse unweigerlicher Bestandteil moderner Unternehmensführung geworden sind, die die Effizienz merklich steigern können. Aber die Digitalisierung ist ein Prozess, der neben großer Investitionsbereitschaft auch viel Aufwand und Zeit bedeutet. Beck+Heun hat sich dieser Aufgabe bereits vor Jahren gestellt und ist nun an einem Punkt, an dem die Digitalisierung beim Produktkonfigurator für Kunden beginnt und bis in die Produktion reicht. Spätestens beim Betreten der Geschäftsräume und der neuen Fertigungshalle in Altenmünster wird das sichtbar: Um die Ziegelkästen herzustellen, hat das Unternehmen Roboterstationen installiert, um ein Höchstmaß an Qualität und Effizienz zu erzielen. Große Flachbildschirme zeigen an den verschiedenen Arbeitsstationen alle relevanten Informationen zum Produkt an, wodurch die einzelnen Abläufe besser koordiniert werden können.

»Wir können fast doppelt so viele Laufmeter produzieren«

»Im Zuge dieser Digitalisierung ist es unsere Kernaufgabe, das Unternehmen weiterzuentwickeln, und das bedeutet, dass neben der EDV auch die Produktion und der Service mitwachsen müssen«, erläutert Phillip Beck.

»Wir haben mit der Automatisierung der Produktion einen Punkt erreicht, an dem wir fast doppelt so viele Laufmeter produzieren können als vorher.«

»Wenn die Baustelle der Zukunft ›4.0‹ sein soll, muss dasselbe auch für die Fertigung der einzelnen Bauelemente gelten. Genau dafür haben wir in den vergangenen Jahren die nötigen Weichen gestellt«, ergänzt Bernd Beck. Die technische Ausstattung ermögliche die Verarbeitung komplexer, fugendichter und energieeffizienter Systemlösungen, die nicht nur alle Qualitätsstandards erfüllen, sondern auch geringe Lieferzeiten ergeben sollen. Das Unternehmen verfügt über einen modernen Maschinenpark und setzt immer mehr auf elektronisch gesteuerte Produktionsabläufe. »Diese Form der Weiterentwicklung hat bei uns Tradition: Wir wollen uns kontinuierlich verbessern, was dazu führt, dass der Optimierungsprozess praktisch ein permanenter ist. Mit diesen Maßnahmen sind wir produktionstechnisch auf dem besten Stand. Trotzdem müssen wir nach diesen vielen Veränderungen erst mal Luft holen«, sagt Bernd Beck. Gemeint sind damit neben der digitalen Weiterentwicklung auch die vielen Investitionen, die Beck+Heun in der Vergangenheit getätigt hat. Laut Bernd Beck hat das Unternehmen allein für die jüngsten Neuerungen rund fünf Millionen Euro in die Hand genommen.

Bautechnische und bauphysikalische Optimierungen

Gerade im Bereich der Bau- und Dämmstoffe setzt Beck+Heun auf die Forschung. Die Produktpalette soll nach eigenen Angaben sowohl bauphysikalisch als auch bautechnisch immer weiter optimiert werden. Und das auch für Bereiche, bei denen nur geringe Dämmstärken möglich sind.

»Ein gutes Beispiel dafür ist das Polyurethan-Aerogel ›Slentite®‹. Es zeichnet sich durch einen Lambda-Wert von λ = 0,018 W/(mK) sowie eine gute Verarbeitbarkeit aus. Das Material ermöglicht außerdem eine schlanke Bauweise und weist eine sehr gute Dämmwirkung auf – auch auf kleinstem Raum«, so Bettina Kahlenberg, Leitung der Unternehmenskommunikation bei Beck+Heun.

Hohe Qualität der verwendeten Materialien

Die Produktion von Lösungen rund um das Fenster unterliegt bei Beck+Heun dem Grundsatz, mit Technologie und ausgewählten Werkstoffen hohe Qualität zu bieten, gleichzeitig aber auch die Aspekte Umweltschutz und Sicherheit zu berücksichtigen.


Geprägt sind viele der aktuellen Produktbereiche durch die Verwendung des Dämmstoffes EPS-Hartschaum und dessen Weiterentwicklung »Neopor®«. Beide verfügen laut Beck+Heun über vielfältige Verarbeitungsmöglichkeiten und lassen sich für unterschiedlichste Gestaltungsideen verwenden. EPS-Hartschaum ist der Klassiker der Wärmedämmung, während das perlförmige Granulat »Neopor®« spezielle Graphitpartikel besitzt, die die Wärmestrahlung reflektieren und damit den Transport thermischer Energie innerhalb des Materials reduzieren können. Laut Hersteller kann eine Platte aus »Neopor®« damit eine um bis zu 20 Prozent verbesserte Dämmleistung gegenüber der herkömmlichen Hartschaumlösung erzielen.

Als weiteren Vorteil nennt das Unternehmen die hohe Festigkeit der feinen Kügelchen, die ein geringes Gewicht haben, gute Stoßdämmeigenschaften aufweisen sowie kälte- und feuchtigkeitsfest sind. »Formgeschäumte und konturgeschnittene Produkte aus EPS-Hartschaum und ›Neopor®‹ eignen sich ideal als individuelle Lösung in der Industrie und auf dem Bau. Die Materialien bieten hervorragende Wärmedämmeigenschaften und lassen sich überall dort einsetzen, wo die Verwendung von passgenauen Sonderbauteilen nötig wird«, erklärt Bettina Kahlenberg.

Um gleichzeitig eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten, werden die Produkte fortwährend Kontrollen unterzogen, die auf die Kunden- und Marktanforderungen ausgerichtet sind. Die Qualitätsüberwachungen werden sowohl in den täglichen Produktionsprozessen im eigenen Hause als auch von externen Instituten vorgenommen. »Die Erfüllung aller technischen Qualitätsstandards ist damit gewährleistet – Prüfzeugnisse belegen das«, so Kahlenberg.

Umsichtig und ressourcenschonend arbeiten

Um die Bestandteile der Produkte in umweltschonender Weise zu verarbeiten, setzt Beck+Heun zudem ein eigens entwickeltes Recycling-System für Rollladenkastenschalen ein. Die bundesweiten Konfektionspartner von Beck+Heun sind daran beteiligt und können bei Neulieferung mit Rollladenkastenschalen die Reststücke an den Hersteller zurückgeben. Sie werden laut Beck+Heun im Werk in ihre Rohbestandteile zerlegt und landen in den Wiederverwertungsstationen. »Wir sind uns in diesem Zusammenhang unserer ökologischen Verantwortung bewusst. Deswegen setzen wir uns für eine saubere Umwelt ein, agieren umsichtig und ressourcenschonend«, sagt Bettina Kahlenberg.

Um umweltfreundliche Prozesse sowohl in der Produktion als auch in der Verwaltung sicherzustellen zu können, werde immer weiter an bestehenden Abläufen gefeilt. So habe man zum Beispiel in neue Kesselanlagen zum Schäumen von EPS-Hartschaum investiert. Sie produzieren laut Hersteller nicht nur 45 Prozent mehr Wasserdampf, dies erfolgt auch noch bei geringerem Energieverbrauch und CO2-Ausstoß. Ein weiteres Beispiel sind die 920 Photovoltaik-Module, die auf dem Dach des Hauptgebäudes in Mengerskirchen installiert wurden, um die Produktion mit Energie zu versorgen. Rund 6 000 m2 Dachfläche werden zur Stromgewinnung genutzt.

»Unsere Erwartungen für 2019 sind groß«

Wirtschaftlich betrachtet sieht sich Beck+Heun in einer vorteilhaften Situation: Die Baubranche hat in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt, und obwohl für 2019 ein Abkühlen der Konjunktur prognostiziert wurde, ist es für das Unternehmen von Vorteil, dass in der Baubranche der Zeithorizont ein anderer ist.

»Im Baubereich ticken die Uhren etwas anders«, betont Phillip Beck. »Teilweise liegen zwischen Planung, Bestellung und Baurealisierung mitunter Jahre. Bis sich ein ›Abkühlen‹ bei uns bemerkbar macht, dauert es seine Zeit. Da ist ein Gegentrend, wie er aktuell im Raum steht, einfach nicht spürbar. Die Erwartungen für 2019 sind groß, und die Rahmenbedingungen sehen nach wie vor gut aus. Was aber noch viel wichtiger ist: Wir haben wirklich tolle Mitarbeiter, die alle an einem Strang ziehen und die Philosophie von familiärem Zusammenhalt jeden Tag aufs Neue mit uns teilen.«    J

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