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Bartels: Familientradition trifft auf kontinuierliche Weiterentwicklung

Robotergesteuerte Fertigungstechnologie trifft im ostwestfälischen Kalletal auf traditionelle Handarbeit: Gemeint ist damit die Bartels Systembeschläge GmbH (BaSys), ein Unternehmen, das seit seiner Gründung familiengeführt ist und immer wieder den schwierigen Spagat zwischen Altem und Neuem schafft, um sich weiterzuentwickeln. Ein Beispiel dafür ist die »Pivota«–Produktfamilie, mit der BaSys 2001 als erster deutscher Hersteller ein verdeckt liegendes und dreidimensional justierbares Band auf den Markt brachte. Im Gespräch mit Jürgen Bartels, Geschäftsführer bei Basys, hat der baustoffPARTNER erfahren, wie das Unternehmen entstanden ist, welche Ziele es verfolgt und welche Neuentwicklungen dabei aktuell im Mittelpunkt stehen.

Von Dan Windhorst

Was beim Durchschreiten der Produktionshallen von BaSys sofort auffällt, ist die Kombination aus hochmoderner Roboter-Technologie und bewährter Manpower: Der Entwickler und Hersteller von Band- und Schließblechsystemen hat im Zuge der vergangenen Jahre auf umfangreiche Investitionen gesetzt und seine Produktion mithilfe modernisierter Arbeitsprozesse dem Stand der Technik angepasst.

Traditionelle Handarbeit für individuelle Lösungen

»Ein universelles Erfolgsrezept sind die modernen Maschinen aber trotzdem nicht. Jede neue Technologie muss produktionstechnisch und damit auch wirtschaftlich hinterfragt werden«, erklärt Jürgen Bartels und verweist dabei auf eine Gruppe erfahrener Mitarbeiter, die mit Präzisionswerkzeugen an der Werkbank sitzen.

Das Unternehmen setzt in bestimmten Bereichen bewusst auf traditionelle Handarbeit. Und das aus guten Gründen: BaSys bietet neben standardisierten Produktreihen auch individuelle Lösungen an, weshalb sich eine maschinelle Massenfertigung nicht bei allen Produkten rechnen würde. Ein weiterer Grund ist, dass das Unternehmen auf die Erfahrung seiner Mitarbeiter setzt. Manche von ihnen sind bereits seit vielen Jahrzehnten mit dabei und können, anders als die Maschine, auf Unvorhersehbares reagieren, sich der Situation anpassen und schneller Lösungsstrategien entwickeln, so Jürgen Bartels.

Familienunternehmen als Zukunftsmodell

Begonnen hat alles mit seinem Vater, der als Betriebsleiter Karriere machte. 1995 wurde dann die Bartels Systembeschläge GmbH gegründet. Erst im Alter von 77 Jahren ging er dann in den verdienten Ruhestand, um das Feld seinen beiden Söhnen Albert und Jürgen Bartels zu überlassen.

Sie sind heute gleichberechtigte Gesellschafter und waren von Kindesbeinen an Teil dieser Firmengeschichte. »Ich habe die ersten vier Jahre meines Lebens direkt hier am Standort in Kalletal verbracht. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie wir Kinder früher schon ans Firmentelefon gegangen sind oder einen familiären Draht zu den Mitarbeitern hatten. So war man von Anfang an Teil dieser großen Familie – und das ist sie bis heute geblieben.«

Die nächste Generation zeigt bereits Interesse

Jürgen Bartels stellt klar, dass er und sein Bruder Albert Bartels diese Tradition gern fortführen würden, um BaSys auch in Zukunft in Familienhand zu halten. »Die älteste Tochter meines Bruders ist interessiert daran, das Unternehmen irgendwann mal weiterzuführen. Ich selber habe auch einen Sohn. Mein Bruder und ich würden uns natürlich sehr freuen, wenn BaSys auch in Zukunft ein familiengeführtes Unternehmen bleibt. Aber eine Pflicht ist das trotzdem nicht. Ich habe damals auch erst mal Zeit für mich gebraucht. Ich bin rausgegangen und habe die Welt kennengelernt, und das ist etwas, was ich jedem anderen auch jederzeit empfehlen würde. Ich war viel im Ausland unterwegs und würde diese Erfahrung nicht missen wollen.«

Realistische Prognose mit optimistischen Aussichten

Die Weichen für weiteren Erfolg haben die beiden Bartels-Brüder schon mal gelegt: Der Standort Kalletal wurde Stück für Stück erweitert und ist mit dem Erfolg des Unternehmens mitgewachsen. Während die ersten beiden Hallen bereits in den 50er- und 60er-Jahren entstanden, kam vor acht Jahren eine dritte Halle hinzu, die nachträglich komplett mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet wurde. 2017 folgte dann die vierte Halle, die laut Jürgen Bartels der hohen Auftragslage geschuldet war.

»Seit 2009 hat BaSys kontinuierliches Wachstum verzeichnet. Man muss sagen, wir wurden in den vergangenen Jahren verwöhnt: Die Wirtschaftslage war hervorragend. Insgesamt lässt sich das Niveau aber nicht mehr steigern, dazu sind die Kapazitäten in der Branche, am Markt und bei den Kunden einfach nicht da. Die Bauherren haben nicht genügend Baugrund und es mangelt vielen Betrieben nach wie vor an Fachkräften. Das ist es, was wir in den Gesprächen mit unseren Kunden immer wieder heraushören. Die Prognose für dieses und das kommende Jahr sieht aber recht gut aus. Wir rechnen aktuell mit demselben Niveau der vergangenen Jahre und sind deshalb sehr positiv gestimmt.«


Was den Export betrifft, so Jürgen Bartels, liege dieser nach wie vor bei rund 30 Prozent. Er sehe aber dennoch weiteres Wachstumspotenzial in den aktuellen Märkten, gerade in Österreich oder den USA.

»Alles in allem sind wir sehr zufrieden, wenn das Niveau stabil bleibt. Darüber hinaus haben wir uns 2019 mit guten Neuentwicklungen wie einem Bandsystem für Glastüren oder einer kostengünstigeren Version der DX-Baureihe präsentiert, für die ich großes Potenzial sehe.«

Neue Wege bei den verdeckt liegenden Bändern gehen

Gemeint sind damit die »Pivota DX Glass«, eine verdeckt liegende Glastürlösung, sowie das »Pivota DX 35 2-D LT«-Bandsystem. Letzteres wurde als Einsteigermodell konzipiert. »Hintergrund für die Entwicklung des ›DX 35 2-D LT‹ war die Anfrage von Türenherstellern, die ihre Produkte preislich anpassen mussten und deshalb auf der Suche nach einer kostengünstigeren Alternative bei den Bändern waren.

Diese etwas abgespeckte Version ist gegenüber unseren Premium-Ausführungen ein interessantes Einsteigermodell, das wir geschaffen haben, um unseren Kunden noch mehr Auswahlmöglichkeiten zu bieten – auch und gerade was den Preis betrifft«, so Jürgen Bartels. Der Unterschied zu den Premium-

ausführungen ist, dass die »Light«-Version über zwei statt der vier Gelenkarme verfügt, die die Kräfte des Türflügels gleichmäßig in die Zarge leiten. Die Tragfähigkeit des Modells liegt bei 40 kg. Justieren lässt sich diese Bandausführung in der Höhe sowie seitlich.

»Was man hier beachten muss ist die Tatsache, dass das Band trotzdem über die transversal gelagerte Kolbenführung verfügt. Die Gleitkolben lenken die Kräfte beim Schließen und Öffnen der Tür kreisförmig in alle Richtungen. Deshalb ist auch die etwas schlankere Version gewohnt zuverlässig.«

Bei dem neuentwickelten »Pivota DX Glass« hingegen konzentriert sich alles auf die Kombination von Funktionalität und Optik: Die neue Beschlagtechnik soll ein puristisches Design bei Türen aus filigranem Glas ermöglichen. Das Band samt Aufnahmekasten kann zusammen mit dem Schloss sowie dem Schlosskasten und dem Türdrücker eine Einheit bilden. So schließen alle Komponenten laut BaSys beidseitig flächenbündig mit dem Zargenspiegel ab. Das Rahmenteil verschwindet bei dem »DX Glass« in der Zarge – das Flügelteil hingegen in einem mit der Glastür verbundenen Kasten. Eine zusätzliche Besonderheit ist, dass die Abdeckplatten magnetisch gehalten werden, weshalb eine schraubenfreie Optik entsteht.

System wird kontinuierlich weiterentwickelt

Aber ob nun »Light«- oder »Glass«-Version – den Grundstein für diese Weiterentwicklungen hatte BaSys 2001 mit der »Pivota«-Baureihe gelegt. Das Unternehmen stellte damit als erster Hersteller in Deutschland die verdeckt liegende Bandvariante vor und zehrt davon bis heute.

»Es ist wirklich Wahnsinn, was das verdeckt liegende Band für eine Entwicklung genommen hat«, Jürgen Bartels. »Einmal pro Woche treffen wir uns zum Beispiel in einer Kreativrunde, in der wir bereits entwickelte Produkte weiter verbessern möchten oder uns Gedanken um völlig neue Ansätze machen. Das soll Raum für innovative Ideen bieten, und die Vergangenheit hat gezeigt, dass es sich lohnt, wenn man sich andauernd selbst neu erfindet.«    J

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