Ridder: Wichtig war auch: Wir haben kein völlig neues Bauverfahren erfunden. Alles funktioniert so, wie die Handwerker es kennen. Das macht den Einstieg einfach. Innovation bedeutet für uns nicht, dass man alles umwirft, sondern dass man Bestehendes besser macht.
Sie sprechen von der »grünen Wand«. Was steckt hinter dieser Vision?
Ridder: Mit dem »Multi-System« haben wir einen großen Schritt gemacht. Aber unser Ziel ist weiter gesteckt. Wir wollen eine Wand, bei der nicht nur die Profile, sondern alle Komponenten kreislauffähig sind – bis hin zur Platte und
den Dämmstoffen.
Sommer: Das nennen wir die »grüne Wand«. Ziel ist, dass künftig eine komplette Innenwand aus Materialien besteht, die sich in den Kreislauf zurückführen lassen. Unser »Multi Profil« ist der erste Baustein dafür. Entscheidend ist für uns: Diese neuen Werkstoffe dürfen nicht erheblich teurer sein als heutige Standardartikel und sie müssen sich mit denselben Werkzeugen und Handgriffen verarbeiten lassen. Wir wollen Systeme entwickeln, die ökologisch zukunftsfähig sind, ohne für Planende und Handwerker zum Kosten- oder Aufwandstreiber zu werden. Unsere Vision ist eine Bauweise, die wirtschaftlich, praxisgerecht und gleichzeitig kreislauffähig ist – weg vom linearen »Rohstoff rein, Abfall raus«, hin zum geschlossenen Materialkreislauf.
Ein letzter Blick zurück: Was war der wichtigste Moment in Ihrer Entwicklung?
Sommer: Für mich war es der Tag, an dem wir den ersten kompletten Raum mit unserem System gebaut haben. Plötzlich war die Idee Realität. Wir konnten sehen, fühlen und messen, dass es funktioniert und gleichzeitig erleben, wie selbstverständlich sich das Material verarbeiten lässt. Besonders eindrücklich war die Reaktion des Trockenbauers, der zunächst skeptisch war und dann mit sichtbarer Begeisterung weiterarbeitete. Er sagte uns später, er habe sich beim Arbeiten fast wie der »MacGyver des Trockenbaus« gefühlt – weil er mit einfachen Mitteln plötzlich ganz neue Möglichkeiten hatte. In diesem Moment wurde klar: Unser Konzept funktioniert nicht nur im Labor, sondern überzeugt auch auf der Baustelle.
Ridder: Für mich war es der Moment, als die bauaufsichtliche Zulassung erteilt wurde. Damit war klar: Es ist nicht nur eine Vision, sondern ein zugelassenes Bauprodukt, das in der Praxis eingesetzt werden kann.
Und ein Blick nach vorn?
Ridder: Wir stehen erst am Anfang. Das »Multi-System« ist ein Fundament. Aber die Entwicklung geht weiter – mit neuen Bauteilen, mit Partnern aus der Forschung, mit Pilotprojekten. Wir wollen zeigen, dass ressourcenschonendes Bauen kein Kompromiss ist, sondern ein Fortschritt.
Sommer: Und wir wollen Handwerkern, Planern und Architekten ein Werkzeug geben, mit dem sie diesen Fortschritt sofort in der Praxis umsetzen können. Das ist unsere Motivation.