Karriere mit Bodenhaftung

Für junge Menschen ist es gegen Ende ihrer Schullaufbahn die Frage aller Fragen: Was möchte ich beruflich machen? Nur wenige Schüler haben im Teenager-Alter eine klare Vorstellung ihrer beruflichen Laufbahn. Praktika, Schnuppertage und Job-Börsen versuchen, den Berufseinsteigern von morgen einen kleinen Einblick zu geben, was sie im jeweiligen Job erwartet. Doch die Entscheidung fällt vielen schwer. Das Handwerk bietet jungen Menschen eine Vielzahl an interessanten und zukunftssicheren Berufen. Einige davon wollen wir in den nächsten Ausgaben des baustoffPARTNERs vorstellen. Diesmal im Fokus: der Ausbildungsberuf des Fliesen-, Platten- und Mosaiklegers.

Lesedauer: min | Bildquelle: baustoffPARTNER
Von: Christine Seif

Fachkräfte sind rar, nicht nur im Handwerk. Daher geht der Kampf um die besten Azubis früh los. Auf Job-Messen wird nicht nur mit dem Berufsbild, sondern auch mit Zusatzleistungen wie einem Zuschuss zum Fitnessstudio, modernster technischer Ausstattung und der Übernahme der Führerscheinkosten geworben.

Das ist alles schön, doch sollte es am wichtigsten sein, dass der Beruf zum jungen Menschen passt. Schließlich hat eben dieser noch einige Jahre bis zur Rente vor sich. Und natürlich ist ein Ausbildungsberuf nicht in Stein gemeißelt, aber der optimale Fall wäre doch, dass der Auszubildende Spaß an seiner Lehre hat und den Job auch danach noch gerne ausführt. 

Ein handwerklicher Ausbildungsberuf ist nicht immer die erste Wahl bei jungen Menschen, scheint doch der Berufswunsch »Influencer« so viel entspannter zu sein und die Industrie so viel besser zu bezahlen. Eine Ausbildung im Handwerk bringt zahlreiche Vorteile mit sich sowie eine relativ sichere Zukunftsperspektive. Ein klassischer Handwerksberuf ist der Fliesenleger bzw. der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, wie der offizielle Ausbildungsberuf lautet.

Ausbildungsdauer, Anforderungen und Vergütung

Die Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger dauert in der Regel drei Jahre. Die duale Ausbildung erfolgt zum einen im Ausbildungsbetrieb und zum anderen in der Berufsschule. Rechtlich ist keine bestimmte Schulausbildung vorgeschrieben, in der Praxis hat die Mehrheit der Azubis einen Hauptschulabschluss oder einen mittleren Bildungsabschluss.   Neben dem Interesse am Beruf sollten die Schüler Sorgfalt und etwas Geschick mitbringen, schließlich muss beim Zuschneiden und Verlegen der Platten und Fliesen genau gearbeitet werden – schon kleine Ungenauigkeiten können zu einem mangelhaften Ergebnis führen. Auch beim Vermessen im Vorfeld sind exakte Berechnungen wichtig, denn anhand derer wird das passende Material bestellt. Zudem ist räumliches Vorstellungsvermögen von Vorteil sowie eine gewisse körperliche Konstitution, denn neben dem Tragen und Heben von Fliesen und Mörtelsäcken findet ein großer Teil der Arbeit am Boden auf Knien statt. 

Doch die Bauindustrie ist in den vergangenen Jahrzehnten diesbezüglich nicht stillgestanden: Leichtere Materialien, unterstützende Technik und verbesserte Rezepturen sorgen für Erleichterung im Arbeitsalltag. Dieser besteht aus den unterschiedlichsten Tätigkeiten rund um den Fliesenbelag. Zu Beginn jeder Baustelle werden erst einmal die zu verfliesenden Flächen begutachtet und es findet meist eine Beratung statt. Dabei sollte der Fliesenleger sowohl den Verwendungszweck als auch die Wünsche der Kunden im Blick haben. Nach dem Vorbereiten des Untergrunds geht es an das Anbringen der Fliesen mit Mörtel oder Spezialkleber. 

Die Einsatzgebiete sind dabei vielfältig und reichen von Küchen oder Badezimmern in kleinen privaten Wohnungen über große Häuser bis hin zu Krankenhäusern, Firmengebäuden oder Schwimmbädern. Auch Terrassen oder Außenbereiche werden häufig von Fliesenlegern gestaltet.  Arbeiten rund um das Fliesenlegen herum, wie Abdichtung, Wärme-, Kälte- und Schallschutz, Dämmung oder Brandschutz, fallen oft ebenfalls in den Tätigkeitsbereich von Fliesenlegern.

Karriere, Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten

Während der Ausbildung findet meist am Ende des zweiten Ausbildungsjahres eine Zwischenprüfung statt sowie eine Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung. Nach bestandener Prüfung und abgeschlossener Lehre ist man offiziell Geselle. Bereits danach gibt es zahlreiche fachliche oder betriebswirtschaftliche Fortbildungen. Auch besteht die Möglichkeit, seinen Meister zu machen. Mit dem Meisterbrief in der Tasche kann der Fliesenleger einen eigenen Betrieb leiten und Azubis ausbilden. Außerdem kann man damit (auch ohne Abitur) studieren.

Immer mehr Frauen finden in der Männerdomäne ihren Traumjob

Gerade eben fand der PCI-Alpencup statt, ein Wettbewerb von PCI/Sika, bei dem junge Fliesenleger gegeneinander antreten und ihre Leistung messen. Der baustoffPARTNER war vor Ort und hat mit den jungen Handwerkern über das Fliesenlegerhandwerk gesprochen. Vor Ort war auch die aktuelle Fliesen-Europameisterin Sara Sinhuber. Für die 24-jährige Österreicherin war es bereits von klein auf klar, dass sie etwas Handwerkliches machen wollte. »Während der Schulzeit habe ich bei einem Fliesenleger reingeschnuppert. Das hat mir sofort gefallen und ich hab dann gleich mit der Lehre angefangen.« Seit neun Jahren arbeitet sie jetzt bei Fliesen & Öfen Reiter in Gföhl im Waldviertel – nach der Gesellenprüfung hat sie inzwischen auch ihren Meister gemacht. Außerdem nahm Sara bei den österreichischen Staatsmeisterschaften der Fliesenleger mit Erfolg teil und gewann 2023 den PCI-Alpencup mit ihrem Kollegen Florian Gruber. Der Höhepunkt ihrer Karriere folgte dann 2025, als sie bei den Euroskills in Dänemark Europameisterin der Fliesenleger wurde und dabei ihre männliche Konkurrenz hinter sich ließ.


 

In 19,5 Stunden musste sie ein komplexes Werkstück mit zwei gefliesten Wänden, einer gemauerten Trennwand und einem Waschtisch anfertigen. Es war Saras bislang größtes Einzelprojekt. Aber auch sonst macht ihr die Arbeit sehr viel Spaß. »Egal, ob ich ein Badezimmer oder eine Küche mache, ich freue mich immer, wenn ich etwas schaffe, was für die nächsten 20 oder 30 Jahre Bestand hat und den Menschen im besten Fall jeden Tag Freude bereitet.« Jungen Frauen, die auf Berufssuche sind, rät sie: »So viel wie möglich anschauen und reinschnuppern und sich nur nicht unterkriegen lassen.« Denn in der Männerdomäne Fliesenleger-Handwerk müsse man sich als Frau manch dummen Spruch anhören und Vorurteile über sich ergehen lassen. »Ignorieren oder kontern«, lautet Saras Devise. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Frauen sich mehr beweisen und eine bessere Leistung abliefern müssen. 

Ein Beispiel: Wenn sie mit anderen Gewerken auf einer Baustelle ist, rede die ersten zwei Tage oft keiner mit ihr. Erst wenn alle merken, dass sie ihren Job beherrscht, taut das Eis und man kommt ins Gespräch. Doch als Mitglied der österreichischen Fliesen-Nationalmannschaft und amtierende Europameisterin hat sie viel Selbstvertrauen getankt. »Es war eine magische Zeit. Das ist eine Erfahrung fürs Leben, die dir keiner mehr nehmen kann.«

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