Die Dachkonstruktion aus wellenförmigen Stahlträgern der neuen Gleishalle ersetzt das bisherige Dach aus Stahl mit Holzeindeckung und soll bei den Baumaterialien an die industrielle Geschichte des Ruhrgebiets erinnern. Die regelmäßig verteilten, großflächigen Öffnungen aus Glas ermöglichen eine natürliche Versorgung der Halle mit Tageslicht. Mit einer Grundfläche von 125 × 151 m und einer Höhe von bis zu 18 m überspannt das Dach – wie bisher – die sechs Bahnsteige mit den 13 Gleisen. Schlanke, auf den Bahnsteigen gegründete Stützen tragen das Dach, dessen Form von wechselnden Sinuswellen geprägt ist.
Hauptbauarbeiten seit August 2022
Um den Bahnbetrieb so wenig wie möglich zu stören, werden die Arbeiten abschnittsweise je Bahnsteig durchgeführt. Pro Abschnitt beträgt die Bauzeit rund ein Jahr, vom Abriss des Bestands über den Neubau der Plattform mit Gleiskörper bis zur Abdichtung des Daches. Die gesamte Baulogistik erfolgt gleisgebunden. Das Baumaterial wird zuerst an eine zentrale Sammelstelle in Oberhausen geliefert und von dort nach vorheriger Anmeldung in einem bestimmten Zeitfenster an den Duisburger Hauptbahnhof. Nach der mechanischen Befestigung des Trapezblechprofils vom Typ 135/310 auf der Tragkonstruktion aus Stahl-Fischbauchträgern beginnen die Arbeiten der Abdichtungsexperten von Norddach. Sie füllen die nach oben geöffneten rinnenförmigen Vertiefungen im Trapezblech mit einem druckfesten, nicht brennbaren Vollsickenfüller. Vor dem Einbau achten sie darauf, dass die Sicke absolut trocken ist.
Die nächste Schicht besteht aus einer 6 cm dicken, nicht brennbaren, druckfesten, großformatigen mineralischen Dämmplatte, die mechanisch am Trapezblech befestigt wird. Im Bereich der Wartungswege bauen die Dachspezialisten eine hochdruckfeste mineralische Dämmplatte ein. Auf die Dämmung verlegen sie schließlich die Kunststoffabdichtungsbahn.
Verlegung der Abdichtung
»Bei der Abdichtung des Gleishallendachs in Duisburg müssen wir verschiedene Rahmenbedingungen berücksichtigen. Zum Beispiel haben wir durch die Sinuswelle des Daches unterschiedliche Dachneigungen. Daher wählten wir mit Hans-Joachim Ottengraf, unserem Fachberater von Sika, für Dachneigungen bis 20° die Kunststoffabdichtungsbahn ›Sarnafil AT-15‹ und über 20° die ›Sarnafil TS 77-15 E‹ aus«, erläutert Steffen Ruppelt, Geschäftsführer von Norddach, die Entscheidung bei der Wahl des Abdichtungsmaterials.
»Sarnafil AT«-Dachbahnen verfügen über eine C2C-Zertifizierung in Silber und zeichnen sich durch eine lange Nutzungsdauer aus. »Sarnafil AT-15« ist eine mehrschichtige, verschweißbare Hybrid-Kunststoffabdichtungsbahn mit innenliegender Verstärkung aus Glasvlies und Polyestergewebe sowie einem unterseitigen Polypropylenvlies. Sie wird mechanisch befestigt. Wegen ihrer hohen mechanischen Widerstandsfestigkeit in Kombination mit ihrer Dimensionsstabilität haben die Experten diese Dachbahn für Neigungen bis 20° auf einer Fläche von etwa 13 000 m² ausgewählt. Auf rund 1 200 m² Dachfläche mit einer Neigung von über 20° verlegen die Verarbeiter die »Sarnafil TS 77-15 E«. Diese Bahn erfüllt die hohen Brandschutzanforderungen für Dachneigungen über 20°.
»Anhand der Baupläne legen wir die 20 Meter langen und zwei Meter breiten Rollen in Gleisrichtung aus, befestigen sie mechanisch und verschweißen sie mit der nächsten Bahn. Bedingt durch die leichte Krümmung der gesamten Halle in Gleisrichtung, beschneiden wir die Bahnen an den Rändern und können sie so ohne viel Verschnitt anpassen. Begonnen haben wir auf der Ostseite des Bahnhofs im ersten Bauabschnitt über Bahnsteig 6. Nach ca. einer Woche war das erste Team mit der Verlegung der Kunststoffabdichtungsbahnen fertig. Ein zweites Team benötigte für alle Aussparungen, Details und Anschlüsse an den Seiten rund drei bis vier Wochen«, beschreibt Ruppelt die Ausführung. Pro Welle sind bis zu 150 Durchdringungen für Sekuranten, Blitzschutz und Laufwegstützen abzudichten. »In den Randbereichen haben wir die Bahnen mit ›Sarnabar‹-Schienen befestigt und in der ahtüberlappung mechanisch einzeln befestigt. Sehr praktisch ist für uns die selbstklebende FPO-Anschlussbahn von Sika. Sie lässt sich einfach und schnell verlegen. Zudem sind wir durch leichte Verarbeitung sehr viel unabhängiger von der Witterung.«
Selbstklebende Lösung
Die selbstklebende Anschlussbahn »Sarnafil AT-18 FSA P« ist eine mehrschichtige Kunststoffabdichtungsbahn mit innenliegender Verstärkung aus Glasvlies und Polyester. Sie ist UV-beständig, mit Heißluft verschweißbar und unterseitig mit einer selbstklebenden Vliesschicht kaschiert. Das sorgt für eine unkomplizierte Verarbeitung auf dem Dach. Außerdem stellen die Dachexperten die Lauf- und Gehwege, abhängig von der Dachneigung, aus Stahlrosten und dauerhaft rutschsicheren »Sarnafil«-Gehwegplatten in Längs- und Querrichtung her. Die Platten werden aus hochwertigen, flexiblen Polyolefinen im Spritzgussverfahren hergestellt und eignen sich optimal für diese Anwendung.
Die Inbetriebnahme des modernisierten Duisburger Hauptbahnhofs mit seinem geschwungenen Gleishallendach aus Kunststoffdachbahnen von Sika ist für 2028 geplant.