Saniert wurde eine Liegenschaft in Bonn mit einem von Bauhaus gemieteten Markt, dessen auf acht Gebäude verteilte und rund 12 000 m² große Dachfläche nach 40 Jahren bereits Risse und Löcher aufwies. Deshalb erteilte die Carl Knauber Holding als Eigentümerin dem Architekten und DGNB-Auditor Sebastian Fest den Auftrag zur Erstellung und Umsetzung eines Masterplans.
Laut Fest, Mitgeschäftsführer des Architektenbüros Archiprocess in Dresden, umfasste der Sanierungsauftrag zwei Teilprojekte: »Die Baumarktflächen mit Apotheke, auszuführen im KfW-Standard 70 EE, und die Sanierung des historischen Bürogebäudes in KfW-40-EE-Bauweise. Beide Bauaufgaben schlossen eine Hüllflächensanierung, die Umstellung der Wärmeversorgung auf Luft-Wärmepumpen und die Errichtung einer PV-Anlage mit rund 1,2 MWp Leistung ein. Auch die Lüftungsanlagen wurden erneuert, um einen förderfähigen Energiestandard zu erreichen.«
Daneben wurde Wert auf schadstoffarme, recyclebare Baumaterialien mit möglichst hohem Anteil an nachhaltigen Rohstoffen gelegt. Deshalb kam als Dachdämmung größtenteils »Linitherm Loop Pal« zum Einsatz: zu rund 60 Prozent aus Biomasse bestehend und CO2-neutral produziert, weist es laut Hersteller von allen biobasierten Dämmstoffen die beste Wärmeleitfähigkeit auf. Außerdem punktet der Dämmstoff von Linzmeier mit seinem geringen Gewicht. Den Zuschlag für die Sanierung des Baumarkt-Dachs bekam Wierig, ein familiengeführtes Dachdeckerunternehmen in vierter Generation.
Praktisch keine Lastreserven
Bauleiter Marco Prediger sieht die Schwierigkeiten bei Dach 1 des Bonner Baumarkts zum einen »darin, dass die alten Pläne, auf denen die Sanierungsplanung basierte, in vielem nicht mehr dem aktuellen Zustand entsprachen. Zum anderen stellte uns die Tragschale – eine Bimsdielenhohlkammerdecke mit 12 m Spannweite – vor die Herausforderung, dass es auf diesem Dach praktisch keine Lastreserven gab.« Schon eine Gefälledämmung aus vergleichsweise leichten PU-Elementen hätte wegen der großen Spannweite in den Bereichen mit höchster Dämmstärke die Lastreserven überschritten. Die vorhandenen Lichtkuppeln hätte man in diesen Bereichen durch Stahlkonstruktionen anheben müssen – und das hätte noch mehr Last aufs Dach gebracht. Das Gefälle in kleinere Einzelflächen aufzuteilen, war auch keine Option. Am Ende entschied man sich für eine ebene, 160 mm starke PU-Dämmung mit »Linitherm Loop Pal« und einen komplett verklebten Dachaufbau – Befestigungsbohrungen in die Bimsdielendecke waren aus statischen Gründen ebenfalls nicht erlaubt.
Neuaufbau der Dachfläche
Die geringen Lastreserven waren nicht zuletzt auch ein logistisches Problem: Ein Kran, der die gesamte Dachfläche überstrich, ließ sich aufgrund der Innenstadtlage nicht aufstellen. Mit dem eingesetzten Kran kam man nur etwa 15 m tief ins Dach.
Bei der Montage wurden die Stütz- und Binderbereiche für den Baubetrieb ausgereizt. Das reichte, um einen Hub Dämmplatten auf einen Träger zu setzen. Der Weitertransport auf dem Dach erwies sich aber als Herausforderung – vor allem bei der vergleichsweise schweren Mineralfaserdämmung, die man in Teilbereichen verlegen musste, um die vom Brandschutz geforderte Feuerwiderstandsklasse F90 zu erreichen. Um nicht jede Dämmplatte einzeln an ihren Bestimmungsort zu transportieren, installierten die Dachdecker von Wierig ein Schienensystem mit Rollwagen.
Transportiert wurde zunächst der Abraum, denn die Dachdecker rissen in einem ersten Sanierungsschritt das gesamte Bestandsdach bis auf die Bimsdielendecke ab. Dann folgte die Montage einer geschweißten bituminösen Dampfsperre. Sie fungierte gleichzeitig als Notdach, das die Bimsdielen vor Regenwasser schützte.
Im nächsten Arbeitsschritt wurden Randbereiche und Durchdringungen mit Mineralfaserdämmung gedämmt, um die Brandschutzanforderungen für das Dach zu erfüllen. Auf dem weitaus größten Teil der Dachfläche verklebten die Dachdecker »Linitherm Loop Pal«-Elemente nach Windlast. Mit λB = 0,023 garantieren allein diese Dämmelemente bereits einen Dach-U-Wert von 0,14 W/(m²K). Dies bei geringem Gewicht und schlankem Dachaufbau. In den mit Mineralfaser gedämmten Bereichen wurde ein U-Wert bis 0,20 W/(m²K) erreicht. Den oberen Abschluss der Dachfläche bildete eine ebenfalls verklebte Dachabdichtung von Köster. Im Zuge der Arbeiten wurde außerdem die Entwässerung vollständig erneuert.
Mit dem neuen Dachaufbau brachte Wierig rund 20 kg/m² aufs Dach – trotz der geringen Traglast ein Wert mit Sicherheitsreserven. Zusätzliche Lastreserven entstanden zudem durch den Rückbau nachträglich installierter technischer Aufbauten auf der Dachfläche.
Sechs Flächen abgeschlossen
Auf den weiteren Dachflächen war die Konstruktion weniger kritisch, da hier großformatige Trapezbleche auf Betonunterzügen und -stützen als Tragschale dienten. In der Folge arbeitete die Dachdeckerei auf bis zu drei Dachflächen parallel, räumte die alten Dachaufbauten bis auf die Tragschale ab und passte Durchdringungen sowie Wechsel an die aktuellen Brandschutzanforderungen an. Anschließend wurden die neuen Bauteilschichten montiert, die dem Aufbau von Dach 1 weitgehend entsprachen. Allerdings konnte man hier eine selbstklebende Dampfbremse verarbeiten und den gesamten Aufbau mit Befestigern im Blech fixieren. Die Entwässerung war aufgrund ausreichender Neigung unkomplizierter, und die Lastreserven waren höher. Dies ermöglichte im Zusammenspiel mit dem geringen Eigengewicht der »Linitherm Loop Pal«-Dämmelemente die Montage von aufgeständerten PV-Modulen: Auf Dach 1 kamen Module mit
7 kg/m² zum Einsatz, auf den transparenten Dächern der Gewächshaushallen wurden PV-Module mit 3,5 kg/m² angebracht. Zusätzlich wurde dort die Dachverglasung gegen Polycarbonat getauscht; wo möglich, wurden Gründachflächen eingeplant.
Inzwischen haben die Mitarbeiter von Wierig sechs der acht anstehenden Flächen abgeschlossen. Für das gesamte Sanierungsprojekt veranschlagt Marco Prediger eine Bauzeit von zwei Jahren; die letzte Dachfläche wird 2026 saniert. »Dabei wäre die Ausführung sicher nicht so gut gelaufen, wenn nicht alle Beteiligten Hand in Hand gearbeitet hätten.« Das positive Fazit schließt auch Linzmeier ein: »Von Produkt und Hersteller bin ich heute absolut begeistert. Über Service, Abwicklung und Support kann man nur Gutes sagen, bei Problemen fühlte man sich nie alleingelassen. Die ›Linitherm Loop Pal‹-Dämmelemente haben einen sehr guten Kosten-Nutzen-Faktor, sind gut zu recyceln und gesundheitlich unbedenklich. Ich bin heute ein absoluter Fan dieser Platte, die auf der Baustelle sauber und leicht zu verarbeiten ist.« Nur ein Wunsch ist für Marco Prediger noch offen: »Für mich ist das der Dämmstoff der Zukunft, aber es wäre super, wenn man ihn in Richtung Schwerentflammbarkeit weiterentwickeln könnte.«