Aktuelles Mauerwerk & Beton

HeidelbergCement: Weißer Architekturbeton in München

Ebenbürtig zur denkmalgeschützten Nachbarschaft präsentiert sich ein moderner Wohnungsbau direkt an der Isar. Die passgenau für das Bauwerk gefertigten Elemente aus Architekturbeton erhalten ihre Brillanz durch italienischen Weißzement.

In exklusiver Lage fügt sich das neue Wohnensemble mit seinem repräsentativen Vorderhaus und weiteren Trakten in den gewachsenen Bestand der Erhardtstraße in der Isarvorstadt. Zur innerstädtischen Nachverdichtung tragen im Blockinneren ein Turm und ein eigenständiges Stadthaus bei, die um eine einladende Rotunde angeordnet sind. Die rückseitig gelegene, fünfgeschossige Remise umfasst einen ruhigen Hofgarten. Das straßenseitige „Haus zur Isar“ wiederum bietet in seinen Etagenwohnungen und im großzügigen Penthouse einen weitläufigen Blick über den Fluss.

Gelungene Fassadenkomposition

Allen Bauten des Ensembles ist eine Fassadenkomposition gemein, die raffiniert mit bodentiefen Fenstern, Säulen sowie mit zweifarbig gezackten Wandflächen spielt. Neben verputzten Flächen dominiert im Innenhof glatter Graubeton an Unterzügen und Balkondecken. Zur Straße hin prägen dunkle Gesimsbänder aus gesäuertem Sichtbeton im kontrastreichen Zusammenspiel mit weißen Sichtbetonstützen die stilistische Eigenheit der Fassade. Die Eckelemente der horizontalen Bänder wurden in einem Guss hergestellt. Alle Komponenten zusammen ergeben beim Projekt „Erhardt 10“ ein elegantes, weißgrau anmutendes Fassadenbild, das sich stimmig zu den vielschichtigen Stuckelementen der benachbarten Wohnbauten fügt und eine moderne Antwort auf das historische Dekor der Münchner Bautradition ist.

Maßgefertigte Betonelemente

Für die Planung, Umsetzung und Fertigung der geometrisch anspruchsvollen Sichtbetonelemente, die ästhetische und konstruktive Aufgaben erfüllen, zeichnet das Team von MAXX raumelemente verantwortlich. Für Geschäftsführer Andreas Traxler kann ein Betonelement nicht komplex genug sein – so war der ambitionierte Wohnungsbau in der Isarvorstadt wie gemacht für sein Unternehmen. „Das Münchner Projekt war eine enorme Herausforderung, da fast nur unterschiedliche Betonbauteile mit individuellen Maßen und Anforderungen geplant waren.“ Zunächst übertrugen die Mitarbeitenden die Vorstellungen des Büros von Thomas Kröger Architekten in eine komplett dreidimensionale Werkplanung und überprüften so den Entwurf auf konkrete Machbarkeit. Im hauseigenen Formenbau fertigten sie mittels CNC-Maschinen und 3D-Drucktechnik hybride Schalungen. Projekte wie diese stellen besonders hohe Anforderungen an den Schalungsbau und auch an die Betongüte. „Wir haben durch unsere langjährige Erfahrung Möglichkeiten gefunden, dreidimensionale Formen so zu bauen, dass sie formstabil sowie komplett dicht sind und keine Grate aufweisen. Mit viel Know-how haben wir – teils durchgefärbte – Betonrezepturen für stehende Elemente bis zu sechs Metern Höhe und einer Wandstärke von drei Zentimetern entwickelt“, erläutert Betonspezialist Andreas Traxler, der selbst Architekt ist und auch eine Qualifikation als Tischler hat. „Erst das präzise Zusammenspiel zwischen Beton und Schalung bewirke“, so Traxler, „dass ein Architekturbetonelement nicht aussehe wie ein Standardbetonteil“.


Weiß wie ein Blatt Papier

Dass in München die hellen Betonstützen so weiß wie ein Blatt Papier sind, liegt an der Fertigung des selbstverdichtenden Betons mit einem Weißzement von Italcementi, einer Tochtergesellschaft von HeidelbergCement. Andreas Traxler hält das verwendete Produkt für das beste, das in Europa verfügbar ist. Während andere Betone die Helligkeit nur annähern, ist dieser, auch durch spezielle Körnungen, absolut weiß. Wie unlängst für die Konzernzentrale des Baustoffunternehmensin Heidelberg fertigte MAXX raumelemente aus diesem Spezialbeton brillante Betonfertigteile für die Hauptfassade des Münchner Wohnungsbaus. So wurden runde, im Durchmesser 13 Zentimeter schlanke Säulen hergestellt und nicht sichtbar montiert. In spezieller Anordnung erfüllen sie zwischen Fensteröffnungen und Wandflächen eine gestalterische Funktion. Sie stehen auf den dunklen, horizontalen Bändern, die im Baufortschritt geschossweise angeliefert und mit Isokörben an den Bodenplatten des Rohbaus befestigt wurden. Etliche der bis zu vier Meter hohen Spezialfertigteile sind mit Edelstahl bewehrt.

Repräsentativer Eingang aus Architekturbeton

Besonderen Einsatz erforderten die amorphen, glatt geschalten Stützen im gesamten Eingangsbereich. Auch hier handelt es sich um äußerst anspruchsvolle Betonelemente, da die Säulen geometrisch komplex geformt sind. Die massiven, rund vier Meter hohen Stützen wurden in einem Stück stehend betoniert. Unter dem ausladenden Erker spalten sich die Säulen jeweils auf vier Metern Höhe in zierlich anmutende V-förmige Aststützen auf, zusätzlich noch in einer weiteren Dimension gekrümmt – angesichts von vier Tonnen Eigengewicht der Unterteile und der waghalsigen Geometrie der oberen Hälfte – eine besondere Herausforderung an Formenbau und Fertigung. Um die besonderen konstruktiven Vorgaben und Anforderungen an die präzise Oberfläche dieser Architekturbetonelemente zu erfüllen, entwickelte man eigens ein Hybrid aus konventioneller Schalung und Eigenbau.

Präzise Betonfertigteile

Auch die grauen Fertigteile aus Architekturbeton, die das Gesicht der Fassaden um die Innenhöfe prägen, erforderten Präzision und Know-how. Fast jedes Teil ist hier ein Unikat und etwa mit Aufkantungen oder horizontalen Lippen versehen; zudem wurden verschiedene Arten der Entwässerung oder des integrierten Gefälles verwirklicht, und auch die verdeckten Anschlüsse für die Stützen unterscheiden sich. Selbst die glatt geschalten Balkonbodenplatten erforderten eine besondere Qualität beim Schalungsbau, da für ihre Untersicht die höchste Sichtbetonqualität gefordert war. Sie wurden folglich in einer Art zweiseitiger Positiv-Schalung gegossen, sprich unterseitig glatt in SB4 und oberseitig mit einem komplexen Deckel für Gefälle, Rinnen und Aufkantungen. Eine weitere Herausforderung war auch die Baustellenlogistik. Da alle Einzelteile just in time angeliefert werden mussten, wurde vorausschauend vorproduziert. Zudem sollten die Sichtbetonelemente schon in der Rohbauphase vor Oberflächenschäden bewahrt bleiben. Daher wurden sie noch im Werk mit einer speziellen Hydrophobierung versehen, die auch vor Graffiti schützt. Nach der Fertigstellung fügt sich das bemerkenswerte Projekt wie selbstverständlich in die anrainende Wohnbebauung ein. Entstanden ist ein markantes, zeitloses Ensemble, das in seiner Güte der historischen Nachbarn in nichts nachsteht.

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