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GUTJAHR Systemtechnik: Aufwendige Treppensanierung mit komplexem Entwässerungssystem

14 Jahre nach Eröffnung des Internationalen Congress Center Dresden (ICD) musste die stark beanspruchte, zum Eingang führende Freitreppe saniert werden. Nicht nur wegen der Dimensionen der Treppe eine gewaltige Herausforderung – für eine zuverlässige Entwässerung wurde auf die Stufendrainage »AquaDrain SD« von Gutjahr Systemtechnik zurückgegriffen.

Die Ausmaße der zum ICD führenden Treppe sind gewaltig: gut 59 m breit, mehr als 2 000 laufende Meter Stufenkante; 37 Stufensteigungen auf der rechten und 32 Stufensteigungen auf der linken Seite der Treppe, dazu ein rund 100 m2 großes ­Zwischenpodest. Im Zuge der Sanierung sollten ursprünglich nur die defekten Muschelkalkplatten ausgetauscht werden. Nach einer eingehenden Untersuchung stellte das Ingenieurbüro von Haebler fest, dass die Hälfte der Treppe beschädigt war, und erstellte ein Sanierungskonzept für die gesamte Freitreppe.

Das Ingenieurbüro und der Bauherr, die städtische Objektgesellschaft Kongresszentrum Neue Terrasse Dresden mbH, entschieden deshalb, die Treppe auf der gesamten Fläche bis auf die Rohkonstruktion abzutragen und eine neue Unterkonstruktion zu schaffen. »Besonders die Maßhaltigkeit der freigelegten Rohkonstruktion war eine Herausforderung«, erklärt der Dresdner Bauingenieur Mortimer von Haebler. Aufgrund des unebenen Untergrunds war die Mörtelschicht über der Rohkonstruktion teils nicht dick genug, teils aber auch zu dick. »Um eine Geometrie zu erhalten, auf der wir aufbauen konnten, mussten wir deshalb zunächst eine Unterkonstruktion mit neuem Ausgleich schaffen.« Im Hauptlaufweg der Treppenanlage musste außerdem das elektrische Heizungssystem ausgetauscht werden.

Mehrstufiges Entwässerungssystem

Eine besondere Herausforderung war die Entwässerung der Freitreppe. »Bei einer solch großen Treppe muss das Wasser über eine Drainageebene abgeführt werden. Ein normaler Drainmörtel lässt solche Mengen Wasser nicht mehr durch«, erklärt Bauingenieur von Haebler. »Zu den unteren Stufen fließt immer noch Wasser von den oberen Stufen, das dort durch die Fugen gelangt. Wir brauchten aufgrund der Größe der Treppe also mehr Entwässerungsquerschnitt.«


Um die Entwässerung und die Integration der neuen Elektroheizung bei einer solch komplexen Ausgangslage optimal lösen zu können, nahm von Haebler Kontakt zu Pier Petzinger auf, Leiter der Anwendungstechnik beim Entwässerungsspezialisten Gutjahr. Gemeinsam entschieden sie sich für den Einsatz des dünnschichtigen Epoxidharz-Drainmörtels »MorTec Drain« und des kapillarpassiven Stufendrainagesystems »AquaDrain SD« von Gutjahr. Auf dem 96 m2 großen Zwischenpodest sollte die Flächendrainage »AquaDrain EK« verlegt werden. Denn die Experten waren sich einig, dass Drainmörtel allein die Treppe nicht vor neuen Schäden schützen würde. Das bestätigt auch eine Untersuchung des SKZ-Technologie-Zentrums Würzburg. Abgesehen davon, dass bei Aufbauten ohne Stufendrainage der Bereich der Stellstufen schnell durchfeuchtet war, ist mit Stufendrainage die Entwässerungsleistung um ein Vielfaches höher als ohne.

Ein entscheidender Vorteil der Stufendrainage »AquaDrain SD«: Das System stelzt den Belag komplett auf. Dadurch bilden die Drainkanäle einen definierten Hohlraum von 8 mm, durch den Wasser schneller und effektiver abfließen kann als ohne diese Zusatzmaßnahme. Gleichzeitig wandert Stauwasser auf der Abdichtungsebene nicht über die Bettungsschicht zurück in die Belagskonstruktion. Das vermeide Ausblühungen, Frostschäden und auch lang anhaltende Feuchteflecken am Belag.

Ebenfalls wichtig: Die Stufendrainage hat eine niedrige Aufbauhöhe. »Die Stufen mussten in Auftritt und Höhe gleichmäßig aufgebaut werden, um in der Norm zu bleiben. Gleichzeitig musste die letzte Stufe oben schlüssig an die sich anschließende schräge Ebene heranführen. Das waren zwingende Rahmenvorgaben«, erläutert von Haebler. »Durch die 1 cm höheren Betonwerksteinplatten und die starke Drainmörtelschicht kamen wir oben schon höher heraus als bei der abgetragenen Konstruktion. Daher war die geringe Aufbauhöhe von »AquaDrain SD« sehr hilfreich, um die Treppe unten und oben passend an die vorhandenen Ebenen anschließen zu können. Ansonsten wären erhebliche Stolperfallen entstanden«, so der Bauingenieur weiter.

Dazu trug auch die Wahl des Drainmörtels bei. Ein zementärer Drainmörtel schied aus, denn auf Drainagen verlegt benötigt er mindestens 50 mm Schichtstärke. »MorTec Drain«, ein Drainmörtel auf Epoxidharzbasis, lässt sich hingegen bereits ab einer Schichtstärke von 25 mm verarbeiten. So konnte bei der Treppenanlage des Kongresszentrums zusammen mit dem Drainagesystem »AquaDrain SD« ein niedriger, aber gleichzeitig sicherer Aufbau realisiert werden.

Mit der Verlegung des neuen Belags war das Dresdner Unternehmen Schubert Steinmetz- und Steinbildhauer GmbH beauftragt worden. Die große Herausforderung für die Verarbeiter bestand in dem sehr unebenen und haftungsfeindlichen Betonuntergrund. »Der Beton wurde selbst angefräst nicht richtig griffig. Er musste mit Hochdruck gestrahlt werden, um überhaupt einen Haftverbund herstellen zu können«, sagt der beteiligte Steinmetz Hans-Jörg Schitthof.

58 Tonnen Drainmörtel verarbeitet

Die Unebenheiten beim Untergrund beanspruchten große Mengen an Material. »Teilweise mussten wir extrem viel aufspachteln, an anderen Stellen dagegen Beton abtragen, weil die aufgetragene Drainmörtelschicht sonst nicht gereicht hätte«, so Schitthof weiter. Ein Vermessungsbüro markierte mehrere Tausend Messpunkte. Daraus wurde der bestmögliche Mittelweg zwischen Aufspachteln und Abtrag ermittelt. Verarbeitet wurden schließlich 58 t Drainmörtel. Da war es ein großer Vorteil, dass Steinmetz Hans-Jörg Schitthof bestens mit den Gutjahr-Produkten vertraut war: »Ich arbeite nur mit Produkten von Gutjahr. Speziell von den Stufendrainagen ›AquaDrain SD‹ und dem Epoxidharz-Drainmörtel ›MorTec DRAIN‹ bin ich begeistert, denn es funktioniert. Seitdem wir damit arbeiten, hatten wir noch nie einen Schaden.«

Der Umfang der Arbeiten auf der Baustelle war gewaltig. Die 58 t Drainmörtel »MorTec Drain« wurden vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag nonstop im Zwangsmischer mit Epoxidharz angerührt – teilweise bis sich die Mörtelkübel des Mischers unter der mechanischen Belastung auflösten, wie sich Bauingenieur von Haebler erinnert. Dazu wurden über 2 000 Stufendrainagesysteme »AquaDrain SD« verbaut.

Auch das Problem der neuen Elektroheizung wurde gelöst: Die Heizungsschleifen liegen jetzt auf einer Gittermatte und mussten ganz vom Drainmörtel »MorTec Drain« umschlossen werden, damit sie nicht durchbrennen. Außerdem durfte das Trägergewebe die Drainwasserableitung im Drainmörtel nicht verschließen und nicht trennend auf die Drainmörteleinbettung wirken. Diese musste weiterhin einen einwandfreien Haftkontakt zur Belagsrückseite gewährleisten. »Für Außenbereichsheizungen mit angemörtelten Bodenplatten existieren keine Normen. Deshalb mussten wir überprüfen, inwieweit Regelungen für Flächenheizungen im Innenbereich mit der geplanten Ausführung im Außenbereich konform sind. Dazu waren wir in ständigem Kontakt mit dem planenden Bauingenieur und dem Elektroheizflächenhersteller«, erklärt Gutjahr-Experte Pier Petzinger.

Die Elektroheizmatten wurden zunächst in der Werkstatt der Schubert Steinmetz- und Steinbildhauer GmbH probeverlegt. Das Ergebnis: Das eingebettete Gittergewebe ließ ausreichenden Haftkontakt des Flexklebers »Ardex X 90 Outdoor« zur Oberseite der Drainmörtelschicht zu. Anschließend wurden die Heizmatten auf der Baustelle auf einer Fläche von fast 83 m2 verlegt. »Das hat auch deshalb so gut funktioniert, weil die Firma Gutjahr bei der Entwicklung und dem praktischen Einsatz solcher Treppensysteme ganz weit vorne liegt«, hebt Bauingenieur von Haebler hervor.   J

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