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BMI Group: »Wir wollen die Arbeit rund ums Dach einfacher machen«

Bereits Anfang 2017 wurde bekannt, dass der hessische Dachpfannen-Hersteller Braas Monier und der dänische Flachdachspezialist Icopal gemeinsam am Markt agieren werden. Doch das »Zusammenwachsen« konnte nicht von heute auf morgen umgesetzt werden: Mit der Zusammenlegung der Vertriebsmannschaften war Anfang 2020 ein wichtiger Teilschritt abgeschlossen und die BMI Group vereint jetzt in Deutschland die vier starken Marken Braas, Icopal, Vedag und Wolfin Bautechnik – wobei die letzten drei bereits zur selben Unternehmensgruppe gehörten. Damit ist die BMI Group nach eigenen Angaben der größte Dachbaustoff-Konzern in Europa. Die baustoffPARTNER-Redaktion hat sich mit Ulrich Siepe, Geschäftsführer der vier Gesellschaften und Commercial Director der BMI Group Region Central Europe, zum digitalen Interview getroffen und neben den neuen Strukturen der BMI Group auch über die Absage für die BAU 2021 in München gesprochen.

Von Christine Seif

Bei jeder Kooperation stellt sich meist schnell die Frage: »Welche Veränderungen bringt die Zusammenarbeit mit sich?« Darauf hat Ulrich Siepe eine klare Antwort: »Gerade für unsere Händler und auch für die Verarbeiter ergeben sich dadurch zahlreiche Vorteile – besonders was den Vertrieb betrifft.«

In Deutschland gliedert sich der Vertrieb, der nun alle vier Marken unter einem Dach vereint, in vier Vertriebsgebiete. Diese bestehen aus 19 Verkaufsregionen und einem Key Account Management. »Für den Handel ist der zusammengefasste Vertrieb eine Erleichterung: Er bekommt nun die Produkte der vier Marken aus einer Hand mit einem persönlichen Ansprechpartner. Das war bereits seit einiger Zeit der Wunsch des Handels, den wir nun umgesetzt haben. Durch die optimierten Prozesse hat der Handel letztlich mehr Zeit für die eigenen Kunden.«

Doch laut Siepe bietet die firmenübergreifende Marktbearbeitung nicht nur auf dieser Seite Vorteile. »Auch der Verarbeiter profitiert von dem Zusammenschluss, denn er bekommt nun optimal aufeinander abgestimmte Produkte rund ums Dach von einem Unternehmen. Ob Flach- oder Steildach, die BMI Group ist dank ihres umfassenden Produktsortiments der vier Marken dazu in der Lage, für alle Kundenanfragen die besten Systeme und Services zu bieten.«

Das Damokles-Schwert »Corona«

Genau diese Systeme und neuen Produkte wollte die BMI Group, wie schon seit vielen Jahren, auch 2021 wieder auf der BAU in München präsentieren. Doch Mitte Mai hat sich das Unternehmen dazu entschlossen, die Teilnahme an der Weltleitmesse für die Baubranche abzusagen, »schweren Herzens«, wie Siepe im Interview betont. »Dieser Entschluss ist uns nicht leichtgefallen. Die BAU ist von jeher eine feste Größe in unserer Jahresplanung, aber die unabsehbaren Herausforderungen, die sich aus der Corona-Pandemie ergeben, lassen derzeit keine andere Entscheidung zu.« Eigentlich hätte sich das Unternehmen auf rund 900 m2 dem Publikum präsentiert. Ein neues Standkonzept war bereits verabschiedet. »Mit unseren vier Marken haben wir einen komplett neuen Auftritt und damit auch ein neues Messekonzept ausgearbeitet. Wir hätten jetzt die Messebauer beauftragen und die Pläne realisieren müssen. Daher mussten wir uns zu diesem Zeitpunkt für oder gegen eine Teilnahme entscheiden.« Doch Siepe betont auch, dass es keine Grundsatzentscheidung gegenüber Messen darstelle: »Messen haben absolut ihre Daseinsberechtigung und stellen einen festen Baustein in unserem Marketingmix dar.«


Trotz Corona »über Plan«

Doch die Corona-Pandemie hat nicht nur Auswirkungen auf die Messen, die gesamte Wirtschaft ist massiv betroffen. Zwar spürt die Baubranche die Krise nicht so sehr wie andere Bereiche, dennoch sind die ersten Reaktionen bereits spürbar. Bei BMI gibt es aktuell jedoch noch keinen Grund zur Sorge, doch wie so oft könnte die Baubranche verzögert in Mitleidenschaft gezogen werden, denkt der BMI-Geschäftsführer. »Zum aktuellen Zeitpunkt liegen wir bei BMI sogar über Plan und unsere Umsätze sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Anfangs sind wir von einem Vorzieh-Effekt ausgegangen, weil die Dachdecker und Zimmerer mit mehr Vorlauf bestellt haben. Mittlerweile sind wir jedoch davon überzeugt, dass sich der Markt einfach besser entwickelt, als prognostiziert.« Siepe sieht in dieser frühzeitigen Order aber einen generellen Vorteil: »Für uns wäre dieses Bestellverhalten insgesamt sehr gut – frühzeitige Bestellungen haben wir uns schon immer gewünscht, daher würden wir uns freuen, wenn dieses Verhalten beibehalten würde.«

Neue Produkte dennoch Anfang 2021

Auch wenn BMI nicht an der BAU teilnehmen wird, hat das Unternehmen aber neue Produkte, die auf dieser Messe hätten vorgestellt werden sollen. »Wir wollen unsere Innovationen natürlich nicht bis zur nächsten Messe in der Schublade behalten. Selbstverständlich werden wir unsere neuen Produkte und Weiterentwicklungen Anfang des nächsten Jahres präsentieren – nur auf einem anderen Weg.« Mehr verraten wollte der Geschäftsführer dazu aber noch nicht: »Um welche Produkte und Neuerungen es sich handelt, kann ich noch nicht verraten, einiges steckt noch mitten im Entwicklungsprozess – wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran. Da müssen sich die Handwerker und auch der Handel noch bis Januar gedulden.«

Doch eines steht bei BMI immer im Vordergrund: die Bedürfnisse der Verarbeiter. Schließlich will BMI Produkte entwickeln, die die Arbeit der Dachdecker erleichtern und vereinfachen.

Leichtere Materialien, einfachere Verarbeitung

Dieser Gedanke war auch der Ausgangspunkt für den Dachstein »Aerlox«. »Gerade bei so körperlich anstrengenden Berufen wie des Dachdeckers oder Zimmerers, ist es uns wichtig, seine Arbeit zu erleichtern und auch an die Gesundheit des Handwerkers zu denken. So ist unser Dachstein ›Aerlox‹ entstanden. Er ist rund 30 Prozent leichter als vergleichbare Dachsteine ohne Aerlox-Technologie und erleichtert so die Arbeit auf dem Dach ungemein«, erzählt Siepe.

Ebenso sind die leichten Bitumen-Dachbahnen von Icopal entstanden. Sie sind bei gleicher Qualität deutlich leichter und so angenehmer in der Verarbeitung. »Der Markt fordert ›Macht es uns so leicht wie möglich‹ und das versuchen wir zu realisieren«, so Siepe.

Auch im Bereich der digitalen Welt gibt es bei BMI einige Projekte, die sowohl den Verarbeitern als auch dem Handel die Arbeit erleichtern sollen. »Zum Beispiel arbeiten wir aktuell daran, die Bestellung unserer Produkte zu vereinfachen. Allerdings stoßen wir hier, gerade was digitale Tools betrifft, immer wieder auf die Realität. Denn die Baubranche ist in Sachen Digitalisierung nicht auf dem neuesten Stand und viele Handwerker ordern ihre Ware einfach lieber via Telefon oder sogar per Fax. Daher müssen wir immer genau abwägen, was ist sinnvoll und was brauchen und nutzen unsere Partner. Generell wird das Thema Service bei BMI großgeschrieben und hier wollen wir uns auch künftig immer weiter verbessern.«

Pläne für die Zukunft

Wie es mit Corona weitergeht, kann aktuell wohl niemand sagen, aber was bei BMI noch auf der »To-do-Liste« steht, ist klar. »Der Prozess der Fusion ist zwar vollzogen, aber wir wollen intern noch weiter zusammenwachsen, Synergien nutzen und gemeinsam noch effektiver werden. Auch die Intensivierung unseres Kundenkontakts steht auf der Agenda. Wir haben 250 Kollegen im Außendienst. Das ist für unsere Branche außergewöhnlich. Die Kunden profitieren durch eine deutlich größere räumliche Nähe. Einer von uns ist sozusagen immer kurzfristig erreichbar. Diesen Vorteil können unsere Kunden nutzen. Wir sind stolz auf unsere vier Marken, das ist unser Kapital und das wollen wir weiter stärken.«   J

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