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Schöck: Über vier Kilometer Fluchtbalkone für mehr Sicherheit

Der Stadtteil Freiham ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Münchens und wird rund 25.000 Bewohnern ein neues, attraktives Lebensumfeld bieten. Ein wichtiger Baustein dieses Areals ist der Bildungscampus. Die architektonische Herausforderung des zweiten Rettungsweges lösten die Planer mit umlaufenden Fluchtbalkonen: befestigt und thermisch entkoppelt mit verschiedenen Typen des »Isokorb XT« des Herstellers Schöck.

In dem vom Baureferat der Landeshauptstadt München ausgelobten Realisierungswettbewerb für den Neubau des Bildungscampus Freiham konnten felix schürmann ellen dettinger architekten, München und Keller Damm Kollegen Landschaftsplaner Stadtplaner GmbH, München, mit ihrem Konzept überzeugen.

Bildungscampus

Die Architekten ordneten die vier unterschiedlichen Schultypen auf dem Campusgelände so an, dass sie sowohl zueinander als auch zu den öffentlichen Freiflächen in einem direkten räumlichen Zusammenhang stehen. Der Gebäudekomplex besteht aus vier Bauteilen: Realschule und Gymnasium (RSG), Grundschule und Sonderpädagogisches Förder- und Kompetenzzentrum (GSF), Zentrale Mitte mit einer Mensa, einer Doppelsporthalle sowie einer Tiefgarage mit 110 PKW-Stellplätzen (ZTM) und einer oberirdischen Verbindungsbrücke zwischen der Zentralen Mitte und dem GSF-Komplex. Die umlaufenden Fluchtbalkone gliedern die Fassade horizontal und verleihen den Gebäuden Tiefe.

Zweiter Rettungsweg via Fluchtbalkon

Die Architekten realisierten bei allen Gebäudekomplexen den vorgeschriebenen zweiten Rettungsweg über Fluchtbalkone, die jedes Geschoss komplett umlaufen. So ist gesichert, dass die Schüler und Lehrer im Notfall direkt nach draußen flüchten und über die außen liegenden Treppenhäuser nach unten gelangen können. Das Tragwerk des Großprojekts planten die Büros Sailer Stepan und Partner, Beratende Ingenieure für Bauwesen VBI, München, und Krone Ingenieure GmbH aus Berlin in einer Planungsgemeinschaft. Moritz Hupfauf von Sailer Stepan und Partner erklärt: »Wie bei jedem Bauvorhaben bedarf es gerade bei den Anschlüssen der Balkone besonderer Aufmerksamkeit. Zum einen gilt es, in diesem Bereich Wärmebrücken zu vermeiden, zum anderen wirken besonders starke Kräfte auf der Verbindung von Gebäude und Balkon. Die Lösung war der ›Schöck Isokorb XT‹, der Bauteile wie Attiken, Vordächer oder wie hier Balkone thermisch voneinander trennt und gleichzeitig Teil der Statik ist.«


Fluchtbalkone

Die insgesamt vier Kilometer langen Fluchtbalkone rund um die unterschiedlichen Gebäudeeinheiten, sind alle mit dem Schöck Isokorb befestigt. Die Fugenabschnitte zwischen den Balkonen wurden mit dem Schöck Dorn verbunden. Der Schöck Dorn ist für große Fugenabstände gut geeignet. Er sorgt laut Hersteller dafür, dass die Balkone sich nicht unterschiedlich senken und auf einer Linie bleiben. Auf der Nord-, Ost- und Westseite kragen die Fluchtbalkone vom Deckenrand rund 2,10 m aus. An den südlichen Deckenrändern wurden die cirka 4 m breiten Balkonflächen auf Stützen aufgelagert. Die Treppenläufe der Fluchtbalkone sind in Ortbeton ausgeführt und mit herausstehender Anschlussbewehrung zur monolithischen Verbindung mit den Balkonplatten ausgebildet. Es wurden rund 80 verschiedene Isokorb Typen direkt in die Ortbetondecken mit eingebaut, davon 40 Typen als Sonderausführung.

»Wir haben die Fluchtbalkone aufgrund ihrer großen Abmessung in Ortbeton ausgeführt. Teilweise waren die Abschnitte bis zu 20 m lang und so hätte das Gewicht der Bauteile den Transport und die Montage unnötig erschwert. Die Balkone sind alle in Sichtbeton mit aufgerauter Oberfläche ausgeführt und verhindern so das Ausrutschen auf nasser Oberfläche«, erklärt Selina List, Bauleiterin von der Glass GmbH Bauunternehmung aus München, die für alle Rohbauarbeiten verantwortlich war. »Die Schalung der Balkone war recht komplex, weil auf der Unterseite Tropfnasen und auf der Oberseite Aufkantungen ausgebildet sind, um Schmutzfahnen zu vermeiden. Insgesamt haben wir cirka einen Kilometer Schalung für dieses Projekt hergestellt.«

Moritz Hupfauf von Sailer Stepan und Partner, verantwortlich für die statische Berechnung des Gebäudekomplexes RSG, ergänzt: »Man entschied sich hier für eine Entwässerung der Balkone nach innen. Die Anordnung der Rinne in Längsrichtung machte einen hohen Querschnitt erforderlich. Die statische Optimierung führte zu einer Voutung des Querschnitts nach außen, was insbesondere in den Gebäudeecken zu einer recht komplizierten Geometrie führte. Im Zuge der Bauausführung wurde eine entsprechend aufwendige Schalung und Bewehrungsführung erforderlich, um die geforderte Sichtbetonqualität sicherzustellen.«

Sonderlösungen für spezielle Anforderungen

In den Eckbereichen der hochbewehrten Bauteile liegen kreuzweise Bewehrungslagen mit einem Durchmesser von 20 mm übereinander. »Deshalb haben wir zusätzlich Sonderkörbe geplant, damit die Bewehrungsstäbe in den Bauteilen eine Lage tiefer eingesetzt werden können«, erläutert Claire Podlasly-Nehse, Anwendungstechnikerin der Schöck Bauteile GmbH. Zudem waren unterschiedliche Betondeckungen in der Höhe von 55 mm bis 60 mm notwendig, die den Einsatz von Sonderlösungen erforderten. Auch die relativ großen Schnittgrößen, also die inneren Kraftgrößen, die das Bauteil gegen äußere Einwirkungen aufbringen muss, um nicht zu versagen, erforderten den Einsatz von unterschiedlichen Sonderkörben. »Wir können mit den Standardkörben ›XT Typ K‹ Querkraft VRd,z bis zu 125,4 kN/m abdecken. Da waren aber Bereiche, die deutlich mehr an Querkraft verlangten. Für diesen Zweck haben wir ebenfalls Sonderelemente ausgearbeitet«, so Claire Podlasly-Nehse.  J

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