Welche Module muss man mit welchen Steckern und Leitungen bestücken? Wie genau hat die Verdrahtung für den Strom auszusehen? Was ist beim Außen- und was beim Raumtemperaturfühler zu beachten? »Solche und viele weitere Aspekte werden bei den Schulungen rund um das Thema Wärmepumpe betrachtet. Uns Installateuren wird gezeigt, dass es mit der modernen Technik eigentlich recht einfach ist«, sagt Khaled Al Shafei, der sich schon seit längerer Zeit mit alternativen Energien befasst. Seine erste Fortbildung absolvierte er beim Hersteller LG in Frankfurt, anschließend besuchte er eine Schulung am Reisser Energie Campus in Tübingen. Dass Menschen aus der Praxis das Wissen an die Fachhandwerker vermitteln, schätzt er besonders: »Die Teilnehmer bekommen einen guten Überblick, was man machen muss, wie alles funktioniert. Zusätzlich erhält man gute Unterlagen, um sich weiter in die Sache zu vertiefen, das finde ich gut und wichtig.«
Mit einem Experten an der Seite
Durch den für ihn zuständigen Außendienstmitarbeiter des Großhändlers Reisser wurde er auf das Schulungsangebot für Heizungsmonteure aufmerksam. Mit dem Reisser-Ansprechpartner ist er regelmäßig in Kontakt, gemeinsam besuchen sie beispielsweise Kunden vor Ort. Bei einer Begehung wird erörtert, welche Leistung die Wärmepumpe haben sollte, wo sie am besten aufgestellt wird, welche technischen Rahmenbedingungen vorhanden sind oder geschaffen werden müssen und welche gesetzlichen Regularien zu beachten sind. »Ich bin froh, einen Experten an meiner Seite zu haben, der sich gut auskennt. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass schlussendlich nicht nur die Kunden zufrieden sind, sondern auch die Nachbarn – denn die stören sich oft an den neuen Geräten«, unterstreicht Al Shafei.
Besucht hat er etwa ein zweistöckiges Einfamilienhaus in Bad Urach, das für eine Wohnfläche von 180 m² eine Fußbodenheizung inklusive Wärmepumpe bekommen soll. Nach dem Erstgespräch wird schnell klar, dass aufgrund des älteren Baujahrs keine Pläne vorliegen, der Kunde nur eine Skizze hat. »Also beginne ich mit den Berechnungen, berücksichtige Fläche, Bodenhöhe und Wattzahl. Reisser fertigt dann am Computer einen konkreten Plan, vom Hersteller bekomme ich Hydraulik- und Verdrahtungspläne. So habe ich alles, was ich zur Montage brauche, und kann meine Arbeiten optimal durchführen.«
Um staatliche Zuschüsse für den Heizungsumbau zu bekommen, wird vom Bauherrn ein Energieberater kontaktiert, dieser kümmert sich um die Heizlastberechnung und die Förderanträge. »Wenn es zum Auftrag kommt, aktiviere ich einfach die zwölfstellige Nummer des Energieberaters, das ist unkompliziert.«
Ohne Energieberater geht es nicht
Für das betreffende Gebäude wird eine Wärmepumpe ausreichen, das zeigen die ersten Berechnungen. Für die notwendige Heizlastberechnung gibt es unterschiedliche Methoden, sei es grob nach Verbrauch, nach Ausgaben für Gas und Strom, wie viel Kilowatt bei der bisherigen Wärmequelle angefallen sind. »Es gibt gute Computerprogramme, um die Werte zu bestimmen – aber das akzeptiert die KfW-Bank nicht. Hier in Deutschland müssen wir die Bürokratie mit bedenken, es braucht sehr detaillierte Berechnungen, ohne einen Energieberater geht es heutzutage nicht mehr.«
Dieses Prozedere bewertet Al Shafei recht positiv, seine eigene Arbeit erschwert das keineswegs: »Wenn jemand zu mir kommt, der etwas an seiner Heizung ändern will, schicke ich den erst einmal zum Energieberater. Wenn der den Energieausweis ausgestellt und seine Empfehlungen ausgesprochen hat, wird vor Ort alles begutachtet und besprochen. Nach der Begehung sehen wir, welche Anlage für welches Haus passt, erst dann erstelle ich das Angebot.« Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Energieberatern, Herstellern und Großhandel hält der Heizungsmonteur für höchst relevant, zumal die Kunden genau wissen wollen, mit welcher Summe an Förderung sie rechnen können, wann genau sich eine Anlage amortisiert, wie hoch die jährlichen Betriebskosten zukünftig sein werden.
Deutschland hinkt hinterher
Hemmschwellen, sich des Themas Wärmepumpe anzunehmen, sieht Al Shafei eher durch die Politik veranlasst: »Wenn die hiesige Landespolitik die Bevölkerung dazu auffordert, mehr Wärmepumpen einzubauen, und dann aber der Ministerpräsident im Radio erzählt, er habe bei sich eine Pelletheizung eingebaut, weil nichts anderes möglich sei, dann ist das Augenwischerei. Da frage ich mich schon: Wie kann das sein, dass bei ihm keine Wärmepumpe gepasst hat? Politiker sagen das eine und machen das andere! Sie bilden die Realität anders ab, das verunsichert die Menschen.«
Daher rührt seiner Meinung nach auch, dass Deutschland beim Thema Wärmepumpen so weit hinterherhinkt. »Von 1 000 Wärmequellen in Schweden sind 450 Wärmepumpen, wenn auch unterschiedlicher Bauart. Bei uns sind es gerade mal 37 von 1 000 Haushalten, ein verschwindend kleiner Bruchteil also. Viele Verbraucher denken, die Technik sei noch nicht ausgereift – dabei haben sich die Systeme bereits 55 Jahre bewährt und sind fortschrittlich. Manch einer befürchtet auch, die Handwerker würden nichts von der neuen Technologie verstehen. Also lassen alle die Finger davon.«
Diesen Zustand findet Al Shafei bedauernswert, gerade weil der Einbau einer Wärmepumpe so viel einfacher ist als bei einer Gas- oder Pelletheizung. Er hat festgestellt, dass sich viele Firmen in seiner Branche mit dem Thema schlichtweg nicht befassen wollen: »Viele Kollegen machen nur ihr Standardgeschäft. Wenn jemand nach einer Wärmepumpe fragt, werden erschreckend hohe Summen genannt, so verscheucht man die Kunden. Denn eines ist klar: Man muss sich intensiv mit dem Thema befassen, die Verbraucher stellen unzählige Fragen.« Ein Heizungsmonteur ist heute mehr denn je als Berater gefordert: »Ich muss Zeit und Geduld investieren. Viele Einzelheiten erkläre ich auch anhand von Videos.« Er schickt den Interessenten detaillierte Informationen zu, steht für weitere Gespräche zur Verfügung. Bis sich ein Kunde entscheidet, mit dem Energieberater alles geklärt ist, die Förderanträge durch sind, braucht es manchmal ein halbes Jahr.
Zu wenig Interesse an Technik
Um den Einbau der Wärmepumpe professionell beraten und begleiten zu können, braucht es gute Informationen und Schulungen, davon ist Khaled Al Shafei überzeugt. Auch wenn es eine Zeit lang dauert, bis der Prozess in Bewegung und der Auftrag zustande kommt, hält es der Heizungsinstallateur aus Reutlingen für lohnenswert. Al Shafei: »Auch für mich ist die Zeit das höchste Gut und der Aufwand recht hoch. Aber ich mache lieber eine Wärmepumpe als eine Rohrreinigung. Ich befasse mich lieber mit der Technik, als schnelles Geld zu machen.« Unterm Strich rechnen sich seine Mühen, von drei Angeboten bekommt er zwei Zusagen. »Wenn die Leute etwas Gutes für die Umwelt tun, ist das ein Stück weit auch mein Verdienst. Darüber freue ich mich.«
Neugierde und Interesse an moderner Technologie sind Khaled Al Shafeis persönlicher Motor. Dass viele Handwerker lediglich ein Bad einbauen oder Rohre verlegen wollen, weil sie gleichgültig gegenüber neuen Themen sind, findet er bedauernswert. »Ein Außendienstmitarbeiter eines namhaften deutschen Herstellers, der 150 Firmen in unserem Kreis betreut, sagte mir: ›Von den 150 Firmen, die ich betreue, baut nur jede sechste Firma Wärmepumpen ein, du gehörst dazu.‹ Dabei leben wir in einer Informationsgesellschaft, es gibt überall genug Wissen, auch in Form von Videos und Schulungen. Alles im Leben funktioniert doch über Fortschritt und Entwicklung.« Seiner Ansicht nach ist es ein langsamer und steter Prozess, in dem die Menschen aufgeklärt, informiert und überzeugt werden müssen. »Erst wenn alle mitspielen, Politik auf Landes- und Bundesebene genau wie Handwerker und Verbraucher, können wir den Umweltschutz nachhaltig
etablieren.«