Der 24-jährige Alois Kneer gründet im Krisenjahr 1932 aus der Arbeitslosigkeit heraus in einem Zimmer des elterlichen Hauses in Westerheim eine Bau- und Möbelschreinerei – was in schwieriger Zeit aus kleinen Anfängen begann, ist heute ein international tätiges Unternehmen mit rund 850 Beschäftigten. Die Weichen dafür stellte Alois Kneers Sohn Horst, der 1958 die strategische Entscheidung trifft, sich auf Fenster sowie Haustüren zu spezialisieren und industrielle Strukturen zu implementieren. Schon zehn Jahre später baut Kneer neben dem Heimatstandort Westerheim auf der Schwäbischen Alb ein zweites Werk im fränkischen Schnelldorf – hier werden zu Beginn ausschließlich Normfenster gebaut.
In den folgenden Jahrzehnten wird die Produktion in Westerheim und Schnelldorf weiter ausgebaut, 1997 entsteht im brandenburgischen Massen eine Produktion von Aluminiumfenstern und -haustüren. Heute kann Kneer-Südfenster materialtechnisch alle Wünsche erfüllen. Im Werk Westerheim werden Fenster und Haustüren aus Aluminium-Holz und Kunststoff gefertigt. Das Süd-Fensterwerk in Schnelldorf liefert Fenster und Haustüren aus Holz, Kunststoff und Aluminium-Kunststoff, und von Süd-Bauelemente in Massen kommen Fenster und Haustüren aus Aluminium.
Außerdem verfügt Kneer über zwei Produktionsstätten im Ausland. Das Schwesterwerk Holz-Tec im ägyptischen Kairo stellt seit über 20 Jahren Holz- und Kunststoff-Fenster für den heimischen Markt her, und im bosnischen Siroki Brieg werden Bauteile aus Aluminium und Kunststoff sowie Isolierglas produziert. Ein modernes Aluminium-Presswerk ebenfalls in Siroki Brieg komplettiert
das Angebot. Neue High-Tech-Produktion für Holzfenster
Auch wenn Kneer laut Geschäftsführer Florian Kneer derzeit eine rege Nachfrage über alle Produktgruppen verzeichnet, hat das Unternehmen zuletzt zwei Schwerpunkte gesetzt. Zur BAU 2025 wurde zum einen eine komplett neue Holzfensterserie in Bautiefen von 68 bis 108 mm vorgestellt. Die vier Systeme sind in mehr als 40 Varianten verfügbar. Möglich macht dies eine neue Fertigungsanlage am Standort Schnelldorf. Sie kann bis zu 2,5 Teile pro Minute bei minimalem Verschnitt fertigen. Der Werkzeugwechsel benötigt keine Rüstzeiten, sodass Aufträge in allen Abmessungen und Formen direkt hintereinander produziert werden können. Nach Aussage von Florian Kneer handelt es sich um eine der modernsten Holzfensteranlagen in Europa.
Außerdem wurde mit dem Kunststoff- bzw. Kunststoff-Aluminium-Fenstersystem »KF700« und »AKF700« ein modernes System entwickelt, das den gängigen Anforderungen an Form und Farbe entspricht. Es ist möglichst leicht gebaut, damit die Bedienung leichtgängig ist, die Lebensdauer der Komponenten hoch bleibt und der Fenstermonteur Freude beim Einbau hat. Florian Kneer erläutert: »Wir erreichen das, indem wir ein faserverstärktes Profil einsetzen, bei dem wir weitgehend auf Stahl verzichten können. Dazu setzen wir auf Wunsch gerne ein Leichtglas ein, welches bis zu 30 Prozent leichter als herkömmliches Glas ist. Ein positiver Nebeneffekt ist hier, dass das Fenster in Verbindung mit dem Leichtglas auch noch einen sehr guten Schalldämmwert aufweist.«
Große Glasflächen und Hebe-Schiebe-Türen sehr gefragt
Kneer sieht in der aktuellen Marktsituation eine Konzentration auf die beiden Segmente günstig bzw. hochpreisig. Nach wie vor dominiert der Kundenwunsch nach sehr großen Fensterelementen sowie Hebe-Schiebe-Türen. Hier bietet Kneer aktuell mit der »HST 115 ›Sky Axxent‹« eine anspruchsvolle Designvariante aus Aluminium-Holz mit rahmenloser Verglasung bis in die Schwelle. Damit gewährleistet das System absolute Barrierefreiheit und schafft einen fließenden Übergang von innen nach außen.
Dass in einem Eckpunktepapier der Bundesregierung zum Gebäudetyp E u. a. eine Reduktion von Fensterflächen zur Kosteneinsparung empfohlen wird, sorgt bei Kneer wie bei anderen Fensterherstellern für Kopfschütteln. Entsprechend fällt der Kommentar von Florian Kneer aus: »Wir alle träumen von großen Glasflächen und viel Tageslicht. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass die Sonne sehr energieeffizient ist und viel Heizung spart. Eine Fassade lässt sich nur mit großem finanziellem Aufwand verändern. Würde ich heute also kleine Fenster einbauen, um somit ein paar Euro zu sparen, ärgere ich mich, solange ich lebe, darüber und die nächste und evtl. übernächste Generation auch noch. Das ist eine der dümmsten Ideen, die wir je gehört haben.«
Zusammenarbeit mit über 800 Fachpartnern
Der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit von Kneer-Südfenster liegt auf dem DACH-Gebiet. Neben Österreich und der Schweiz sind England und die USA die wichtigsten Exportmärkte (Exportanteil: Fünf Prozent). Die persönliche, individuelle Betreuung der Fachpartner spielt für
Kneer eine wesentliche Rolle. Nach der Absage der diesjährigen Fensterbau Frontale setzt man bei der Kundenkommunikation verstärkt auf eigene Veranstaltungen – so hat man 2025 die neue Holzfensterserie mit einem exklusiven Partner-Event im Porsche Zentrum in Stuttgart gefeiert. Aktuell arbeitet Kneer mit rund 800 Fachpartnern im Inland und gut 40 Fachpartnern im Ausland zusammen. Die Belieferung der Kunden im gesamten DACH-Gebiet erfolgt mit einem eigenen Fuhrpark zentral über die beiden Werke in Westerheim und Schnelldorf. Die enge Partnerschaft mit seinen Kunden hat Kneer auch gut über die letzten Jahre getragen. Trotz massiver Verwerfungen im Bausektor konnte das Unternehmen eine stabile, von solidem Wachstum geprägte Entwicklung verzeichnen. »Für das aktuelle Jahr erwarten wir noch keine wirkliche Steigerung, sondern eher eine Seitwärtsbewegung des Marktes«, so Florian Kneer. Der Fokus liegt aktuell auf weiteren Prozessverbesserungen, um einen höheren Automatisierungsgrad, bessere Ergonomie und leistungsfähige Produkte herstellen zu können.