Das Fenster Die Türe

Die Rolle der Fenster bei einer dichten Gebäudehülle

Die Anforderungen der Energieeinsparverordnung EnEV nehmen stetig zu. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW sieht für die meisten ihrer Programme eine BlowerDoor-Messung vor. Mittlerweile fordert sie sogar ein Luftdichtheitskonzept. Die Planung der Luftdichtheit ist seit vielen Jahren in der DIN 4108-7 vorgeschrieben. Setzt man BlowerDoor-Tests schon während der Bauphase ein, können Undichtheiten früh und unkompliziert ausgebessert werden.

Dieser Artikel zeigt, wo typische Leckagen bei Fenstern auftreten und erläutert, welche Auswirkungen auch kleine Undichtheiten auf Konstruktion und Wärmeempfinden haben können. Er zeigt auf, worauf beim richtigen Anschluss von Fenstern zu achten ist und wie mit Blower-Door-Tests rechtzeitig Leckagen entdeckt und ausgebessert werden können.
Beim Blower-Door-Verfahren wird ein Differenzdruck im Gebäude hergestellt. Hierbei können sowohl Leckagen in der Gebäudehülle festgestellt, als auch die Luftwechselrate (n50) ermittelt werden.
Wie das Institut für Bauphysik in Stuttgart schon 1989 festgestellt hat_ Es strömen bei Norm-Winterbedingungen von 20 Grad innen und 10 Grad außen durch eine 1mm breite Fuge pro 1m Fugenlänge 800 Gramm Feuchtigkeit. Zum einen geht durch eine Fuge Wärme verloren, zum anderen entstehen Kaltluftseen. Diese Zugerscheinung führt zur Unbehaglichkeit der Bewohner.
Fenster luftdicht anzuschließen, ist eine Herausforderung. Das zeigt sich auch daran, dass hier viele Leckagen durch Blower-Door-Tests sichtbar werden_ Angefangen bei der Andichtung zu angrenzenden Bauteilen, über die eigentliche Fensterdichtung bis hin zu den Glashalteleisten.
Bei der Andichtung unterscheiden wir zwischen Holzbau und Massivbau.Was beim Holzbau relativ einfach mit Klebebändern auszuführen ist, wird im Massivbau zum Problem; vor allem, wenn der Innenputz noch nicht vorhanden ist. So werden Fensterbauer aufgefordert, einen luftdichten Anschluss herzustellen und kleben wahllos auf die rohen Steine. Wenn dann nicht einmal verputzt, sondern nur mit Gipskarton verkleidet wird, ist der Ärger vorprogrammiert.Bei Leckagen an Fensterdichtungen reicht die Bandbreite von schlecht eingestellten Fenstern und vor allem Fenstertüren über fehlende Beschläge bis hin zu verzogenen Flügeln und nicht lotrecht montierten Rahmen. Die Glashalteleisten sind inzwischen eine häufige Quelle von Undichtheiten. Da die Scheiben selten direkt an den Rahmen angedichtet sind, erfolgt die eigentliche Dichtheit über die Glashalteleisten und deren Verfugung. Dies hatte schon mehrfach zur Folge, dass geforderte n50-Werte nicht eingehalten und als maßgebliche Ursache die Fugen an den Glashalteleisten identifiziert wurden.Häufige Hürden beim Ankleben an den Fenstern sind feuchte oder verschmutzte Oberflächen. Das Reinigen und Vorbehandeln des Untergrundes ist Pflicht. Da Klebebänder, die gewöhnlich für die Luftdichtung verwendet werden, ihre Klebekraft durch Andrücken erreichen – pressure sensitive adhesives PSA – lauert hier eine weitere Gefahr. Gepaart mit den Rückständen der Trennmittel, die bei den Strangpressen der Fensterprofile eingesetzt werden, ergeben sich oftmals Ablösungen der eigentlich richtig positionierten Klebebänder.
Ein weiteres Thema sind vorkomprimierte Dichtbänder. In der Fachwelt ist die Dichtheit derselben umstritten. Wir reden hier von Kompribändern, die für die Luftdichtung eingesetzt werden, nicht für die Winddichtung. Da die Dichtheit im Wesentlichen vom Kompressionsgrad der Bänder abhängt, die Anschlussfugen der Einbausituation aber teilweise erhebliche Toleranzen aufweisen, entstehen für den Verarbeiter erhöhte Anforderungen. Fehler beim Einbau sind vor allem falsche Stoß- und Eckausbildung der Bänder. Vor allem wird aber das zulässige Dekompressionsmaß überschritten. Hier würde ein Blick in die Herstellerunterlagen Abhilfe schaffen.
Die Lösung für dichte Fensteranschlüsse: Richtige Planung, passende Materialauswahl, Einhaltung der Herstellerrichtlinien, Absprache aller beteiligten Gewerke und Vorbereitung der Oberflächen. Sowohl in der DIN EN 13 829, die das BlowerDoor-Verfahren definiert, als auch in der EnEV ist die Messung im fertigen Zustand gefordert. Dies macht ein Nachbessern von Fehlstellen weitestgehend unmöglich. Daher wird zusätzlich eine baubegleitende Qualitätskontrolle mit BlowerDoor empfohlen.

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