Der Allgäuer Baufachkongress gehört seit über 30 Jahren zu den wichtigsten Fachveranstaltungen der Branche. Auch in diesem Jahr gelang es Kongressleiterin Heike von Küstenfeld mit ihrem Team, ein abwechslungsreiches und praxisnahes Vortragsprogramm zusammenzustellen. Neben branchenspezifischen Themen (u.a. Digitalisierung,Gebäudetyp E, serielles Bauen, aktuelle Wirtschaftsdaten) konnten auch namhafte Referenten aus anderen Bereichen gewonnen werden – zu den Highlights zählten die Vorträge von Extrembergsteigerin Heike Hengge, die das Publikum mit auf den Mount Everest nahm, sowie der Zukunftsforscherin Dr. Florence Gaub vom Nato-Verteidigungskolleg mit ihrer Analyse zur aktuellen politischen Weltlage.
Die aktuelle Situation bei Baumit erläuterte die Geschäftsführung zu Beginn der Veranstaltung: 2025 musste der Konzern, zu dem neben Baumit noch Sakret (Trockenbaustoffe) und Diessner (Farben/Lacke) gehören, einen Umsatzrückgang von 5,3 Prozent auf 339 Mio. Euro verzeichnen. Als »marktbedingt wenig zufriedenstellend« bewertete Geschäftsführer Helmut Batscheider das Ergebnis und betonte, dass die aktuelle Wirtschaftslage viel Geduld erfordere. Der Rückgang wurde nach Aussage von Finanzgeschäftsführer Robert Fritzsche in Teilen durch die Fokussierung auf drei Schwerpunkte kompensiert. So sei man mit Produkten für Neubau und Sanierung in beiden Bereichen beheimatet. Zudem würden Multi-Produkte mit einem vielseitigen Einsatzgebiet stark nachgefragt. Auch habe man bei ergebnisschwächeren Produktfeldern das Engagement verringert.
Baumit mit seinem Kerngeschäft Fassade musste 2025 ein Minus von 7 Prozent auf 252 Mio. Euro hinnehmen, Sakret erwirtschaftete 57 Mio. Euro (-2,3 Prozent) und Diessner 30 Mio. Euro (+2,4 Prozent). Trotzdem konnte Baumit in Deutschland die Position unter den Top 3 in seinem Marktsegment behaupten, in Europa ist man sogar Marktführer. Positiv stimmt Helmut Batscheider der Aufschwung bei den Baugenehmigungen im Wohnungsbau, die Zunahme bei der Vergabe von Immobilienkrediten sowie die Bereitstellung neuer Fördermittel durch die Bundesregierung. 2026 sei deshalb mit einer Konsolidierung zu rechnen. »In Summe müssen wir uns in 2026 in Stellung bringen, um gut in einen erstarkenden Markt 2027 einsteigen zu können«, so Helmut Batscheider. Finanzgeschäftsführer Robert Fritzsche, dem im abgelaufenen Jahr insbesondere der hohen Kostendruck im Bereich Logistik zu schaffen machte, rechnet für das laufende Jahr mit einem insgesamt wieder steigenden Gesamtumsatz von 366 Mio. Euro. (Baumit: 278 Mio. Euro, Sakret: 56 Mio. Euro, Diessner: 32 Mio. Euro). Außerdem plant das Unternehmen für das laufende Jahr mit Gesamtinvestitionen von 14 Mio. Euro.
Neue Geschäftsfelder im Blick
Zuwächse erwartet sich Baumit insbesondere im Bereich Sanierungen. Aber auch mit neuen Geschäftsfeldern will der Allgäuer Baustoffhersteller zusätzliches Wachstum generieren. Hier setzt man u. a. auf das Thema serielles Bauen. Unter der Marke »Seriolution« soll zusammen mit den Konzerntöchtern Murexin (Bauchemie) und Austrotherm (Dämmstoffe) ein Kompetenznetzwerk aufgebaut werden, das standardisierte Produktpakete für modulare Bauprojekte anbieten kann. Auf diese Weise reagiert Baumit auf den wachsenden Fachkräftemangel sowie die
Notwendigkeit, schneller dringend benötigten
Wohnraum zu schaffen. Unter der Marke »Duriment« will Baumit sein Know-how für die Betoninstandsetzung bündeln, um sich für größere Infrastrukturprojekte in Stellung zu bringen. Hintergrund: Mit dem wachsenden Bedarf an Instandhaltung und Erneuerung von Infrastrukturprojekten rückt die Sanierung von Betonbauwerken wie Tunnel und Brücken immer stärker in den Fokus.
Daneben hat Baumit auch neue Produkte sowie Produktkategorien für 2026 entwickelt. Zu nennen sind etwa das neue Fliesen- und Bodensortiment »Baumacol« – es vereinigt die Bereiche Grundierung, Estrich, Niveliermassen, Unterputze, Abdichtungen, Kleber und Fugenmörtel in einem Gesamtkonzept. Daneben legt Baumit besonderen Wert auf seine Kernkompetenz im Bereich Fassade. Hier bietet Baumit ein vollständiges Portfolio an WDVS für Neubau und Sanierung. Neben klassischen Systemen mit verschiedenen Dämmstofftypen werden Lösungen für eine Vielzahl von speziellen Einsatzfällen angeboten: schnellstmögliche Bauaustrocknung, geringe Aufbauhöhe, keramische Beläge, hoher Aufprallschutz bis 110 Joule, nachträgliche Isolierung des Sockels und weitere. Für nichtbrennbare Fassaden können nun auch viele pastöse Oberputze eingesetzt werden.
Für den Innenbereich hat Baumit sein Sortiment um die zement- und gipsfreien Spachtelmassen »FinoExcellence« und »FinoVario« erweitert. Erstere ist als Flächenspachtel für hohe Oberflächenanforderungen konzipiert. Letztere wurde für Fugenspachtelarbeiten ausgelegt und erlaubt durch variable Wasserzugabe eine Anpassung der Konsistenz.
Die Sortimentsveränderungen schlagen sich auch in einer neuen Vertriebsstruktur nieder. Dirk Gutowski, bisher Geschäftsbereichsleitung Süd, ist künftig als Gesamtbereichsleiter Flächenvertrieb verantwortlich für den Fachhandel, Fachhandwerker und Architekten. Boris Pauly, zuletzt Geschäftsbereichsleiter Nord, übernimmt als Gesamtbereichsleiter Segmentvertrieb die Themen modulares/serielles Bauen, Betoninstandsetzung, Industrieverkauf und Export.
Wechsel in der Geschäftsführung
Zwei Wochen nach dem Baufachkongress wurde bekannt, dass Geschäftsführer Helmut Batscheider, verantwortlich für die Bereiche Vertrieb, Produkttechnik, Marketing und Logistik,das Unternehmen zum 2. Februar verlassen hat. Für Batscheider übernahm Georg Bursik (Area Manager für Deutschland sowie kaufmännischer Geschäftsführer Baumit Österreich) die Geschäftsführung der Baumit Deutschland. Gemeinsam mit Robert Fritzsche (Geschäftsführer der Baumit Deutschland) wird er die Geschäfte des Unternehmens sowie der Tochtergesellschaften Diessner und Sakret weiterführen. Baumit dankt Helmut Batscheider für seine langjährige erfolgreiche Tätigkeit im Unternehmen und seinen persönlichen Einsatz. Helmut Batscheider war seit seiner Ausbildung bei Baumit über 20 Jahren für das Unternehmen tätig.