Im Blickpunkt

140 Jahre OSMO Der Warendorfer Spezialist für Holz und Farbe geht gut gerüstet in die Zukunft

Etwa 100 Jahre dauert es, bis ein Baum zu voller Qualität herangewachsen ist. Die Erfahrung, die der Holz-Spezialist OSMO in der Verarbeitung des Naturwerkstoffs hat, umfasst weit mehr als diese Zeitspanne_ Die Anfänge des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1878 zurück. Heute, mit 140 Jahren Expertise im Bereich Holz, ist das Unternehmen auch Pionier bei der Entwicklung von Holzanstrichsystemen auf Basis natürlicher Öle und Wachse. Beide Bereiche machen OSMO zum einzigen Hersteller, der selbst bearbeitetes Holz mit Anstrichen aus der eigenen Entwicklung und Produktion veredeln kann. Vom Holzhandel mit Hobelwerk hat sich das Unternehmen zu einem weltweit agierenden Hersteller moderner Holzfertigprodukte entwickelt, das seine Produkte heute in mehr als 60 Länder der Erde liefert. Auch für die Zukunft ist OSMO gut gerüstet, wie der baustoffPARTNER beim Geburtstagsbesuch am Firmensitz in Warendorf erfahren hat.

Von Jan RiekenDer Holz- und Farbensspezialist OSMO setzt auf Investitionen und hat für den Standort – und damit auch das Thema Holz – viel Geld in die Hand genommen. Anschaffungen in der vergangenen Jahren wie eine neue Hobelanlage und eine neue Carving-Maschine zählen ebenso dazu wie das »Geburtstagsgeschenk« zum 140. Jubiläum: Die Schaffung neuer Produktions- und Lagerkapazität mit einer neuen Farbbehandlungsanlage. Für knapp 10 Millionen Euro sind drei neue, aneinander grenzende Hallen entstanden, die auf 12 000 m2 die Kapazität für Lager und Produktion deutlich erhöhen (der baustoffPARTNER hat berichtet_ Ausgabe Dezember 2017, S.36).

Wunderwerk der Ingenieure trifft Holzbearbeiter-Know-how

Mit der konsequenten Weiterentwicklung und dem Ausbau des Unternehmens macht sich der Hersteller fit für die Zukunft_ Ein stark wachsender Trend ist der Wunsch nach der Individualsierung von Produkten. »Wir bieten Fußboden- und Fassadenholz schon ab einem Quadrat­meter im Wunschfarbton an – damit sind wir einzigartig«, sagt Thorsten Mehlin, Geschäftsleitung Vertrieb bei OSMO.
Die neu eingebaute Lackieranlage für Fassaden-Profilbretter war ursprünglich ausgelegt auf eine Kapazität von 70 lfm Profile pro Minute und hat ihre Startphase bereits hinter sich. Momentan ist »Feintuning« angesagt, erläutert Mehlin beim Rundgang. Als Verantwortlicher für den Vertrieb kann er aufatmen, wenn die Anlage im Regelbetrieb läuft: Als kleines Wunderwerk deutscher Ingenieurskunst, gepaart mit dem über lange Zeit erworbenen handwerklichen Know-how des Holzverarbeiters, hat die Anlage im Regelbetrieb dann sogar eine Kapazität von bis zu 130 lfm/min.

Holz und Farbe sowohl für innen als auch für außen

Verbunden mit der gleichzeitig erhöhten Lagerkapazität ergibt sich daraus eine verkürzte Lieferzeit in den drei Produktbereichen Inneholz, Fassadenholz und Gartenholz – und das, obwohl eine alte Lackieranlage abgerissen wird. »Wir schaffen Platz für die nächsten Zukunfts-Projekte«, erläutert Mehlin. Und die Zukunft, das hat OSMO schon früh erkannt, liegt in der Individualisierung. »Dafür schaffen wir Kapazitäten – nicht nur für Fassadenhölzer, die es schon jetzt in mehr als 2 000 Farben gibt, sondern in allen Bereichen«, erklärt Mehlin.
Dass bei OSMO das selbst bearbeitete Holz und die am Standort Münster entwickelten Holzanstrich- und Farbsysteme aus einer Hand kommen, ist ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal. Mit dem Ziel, das beste für Holz zu entwickeln, entstehen Produkte für innen und außen, die vom Handwerker und Verarbeiter ebeso eigesetzt werden wie in der Industrie oder im DIY-Bereich.

Einst Stallabtrennungen, heute Vollsortimenter

Der Name OSMO setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der früheren Firmeninaber Ostermann & Scheiwe sowie den ersten beiden Buchstaben der lateinischen Bezeichnung für Münster zusammen_ Monasterium.
In Münster hatte die einstige Holz- und Baustoffhandlung, die nach ihrer Gründung 1878 zunächst im sauerländischen Neheim angesiedelt war, seit 1900 auch ihren Hauptsitz. Ein dort 1923 neu erbautes und damals hochmodernes Hobelwerk wurde 1940 nach einem Bombenangriff völlig zerstört, aber wieder komplett aufgebaut.

In Münster ist bis heute Produktion und Entwicklung für den Bereich »Farbe« angesiedelt. Dort werden Holzanstriche für innen und außen entwickelt und produziert.
Am Standort in Warendorf, wo OSMO nach der Übernahme durch die Cordes-Holding im Jahr 2002 (s. Unternehmens­info-Kasten) seinen Firmensitz bezogen hat, wird das komplette Sortiment der Sparte »Holz« hergestellt_ Es umfasst alle Produkte wie Leisten, Fassaden, Profile und Bodendielen. Daran angegliedert ist der Bereich »Garten« mit Terrassendielen und dem Sortiment für Zäune und Sichtschutz sowie Paletten-Möbeln.

Vom Hartboden-Sortiment hat OSMO sich in der Konsolidierungsphase nach der Übernahme im Jahr 2002 verabschiedet. Der Produktvielfalt hat das keinen Abbruch getan_ »Heute produzieren wir mehr als 10 000 verschiedene Produkte«, erklärt Vertriebs-Chef ­Mehlin. Mit dem Sortiment von damals hat das freilich eher wenig zu tun_ Zum Portfolio gehörten in der Anfangsphase eher grobe Produkte wie Abtrennungen für Ställe und Innen-Profilbretter, später Produkte wie Roll­ladenstäbe aus Holz.

Atmungsaktive Farben wirken wie Naturkosmetik für Holz

Die Epoche, in der das Unternehmen begann, sich aus dem Kreis der überwiegend regional agierenden Hobel- und Sägewerke herauszuheben, wurde mit der Gründung der Sparte »Color« im Jahr 1964 eingeläutet: Seit mehr als 50 Jahren forscht und fertigt das Unternehmen in Sachen Farb- und Pflegeprodukte. Von Anfang an hat der Hersteller auf atmungsaktive Holzanstriche auf der Basis natürlicher Öle und Wachse gesetzt und damit nicht nur Pionierarbeit geleistet, sondern auch ein Sortiment geschaffen, das überregional vertrieben wurde. Heute sind die Holzanstriche nahezu überall auf der Welt erhältlich.
Als erstes streichbares Wachs hat OSMO im Jahr 1978 Klarwachs auf den Markt gebracht – ein Klassiker, der sich auch heute noch im Sortiment findet. Zwei Jahre später kam mit den Dekorwachsen die erste Generation wachs- und ölbasierter Anstriche. Im Jahr 1983 kam die ölbasierte Holzschutz-Lasur als Langzeitschutz für außen hinzu.

Die Basis der Holzanstrich-­Produkte von OSMO bilden Rohstoffe aus der Natur, die aufwendigen Reinigungs- und Veredelungsprozessen unterworfen werden. Der getrocknete Anstrich erfüllt die Anforderungen der DIN EN 71.3 (geeignet für Kinderspielzeug) und der DIN 53160 (speichel- und schweißecht) und ist somit unbedenklich für Mensch, Tier und Pflanze. Bei der Herstellung werden natürliche pflanzliche Öle (Sonnenblumen-, Soja-, Lein-, Distel­öl) und Hartwachse (Carnauba- und Candelilla­wachs) verarbeitet, die besonders ressourcenschonend gewonnen werden.

Immer weniger Lösemittel für mehr Wohngesundheit

Die anorganischen Pigmente der Osmo-Farben bestehen aus natürlichen Erzen, die vor der Verwendung besonders gereinigt werden, damit sie als physiologisch unbedenkliches, reines Mineralpigment zur Verfügung stehen. Mit der Einmal-Lasur hat ­OSMO 1985 das erste so genannte »High Solid«-Produkt mit einem hohen Festkörper­anteil und nur geringen Lösemittel-Mengen entwickelt. Seit Jahren wird in den hauseigenen Labors am Standort Münster verstärkt daran gearbeitet, komplett ohne Lösemittel und die damit verbundenen flüchtigen organischen Verbindungen (volatile organic compounds, kurz_ VOC) auszukommen. Einige Produkte, die so genannten »Full Solid«-Produkte, sind bereits jetzt lösemittelfrei. Ziel ist es, diese lösemittelfreie Technologie weiter zu entwickeln.

Auch in den Bereich Farbe will OSMO in den kommenden Jahren kräftig investieren. Die nächsten Pläne für das Werk in Münster liegen schon in der Schublade_ Eine neue Tinting-Maschine zum reproduzierbaren Mischen von Farben samt entsprechender Infrastruktur soll ab Herbst entstehen und die Kapazitäten an den Trend der Individualisierung anpassen. Auch hierfür nimmt der Hersteller laut Thorsten Mehlin wieder einen »stark sechsstelligen Euro-Betrag« in die Hand.

Individualisierung auch im Bereich Boden und Fassade

Auch im Bereich Boden bietet OSMO Holz und Farbe aus einer Hand_ Mit im eigenen Haus gefertigten Bodendielen und den dazugehörigen Farben und Ölen aus eigener Produktion stehen dem Hersteller besonders viele Möglichkeiten offen, wenn es darum geht, verschiedene Holzarten mit farbigen und modifizierten Oberflächen zu kombinieren. Das »Creativ-­Dielen«-Sortiment bietet alle Möglichkeiten hinsichtlich Holzart, Oberflächenbeschaffenheit, Farbton und Glanzgrad. »Hier hat der Kunde wirklich freie hand«, sagt Mehlin.

Die »Creativ-Dielen« gibt es in Eiche, Esche, Fichte, Kiefer und Lärche. Jede Holzart lässt sich durch eine Oberflächenbehandlung weiter individualisieren_ geschliffen, gebürstet, gealtert, sägerau oder geschroppt – ähnlich wie handgehobelt. Auch eine Kombination der einzelnen Oberflächenbearbeitungen ist möglich.
Mehr als 30 Farbtöne, von »Koralle« über »Farngrün« bis hin zu »Seidengrau«, machen die Individualisierung des ganz eigenen Holzfußbodens zudem perfekt. Die farbgleichen Fußleisten gibt‘s bei Bedarf gleich dazu. Auch bei den Fassaden bietet OSMO Lösungen aus einer Hand_ Holzbearbeitung, farbliche Gestaltung, Schutz und Pflege sind so aufeinander abgestimmt, dass sich Bauherren und »Holzwerker«, wie die Profi-­Anwender genannt werden, auf das geballte Know-how aus zwei Welten verlassen können. Der Hersteller wird seinem Slogan »in Form und Farbe« auch hier gerecht und unternimmt alles, um nach Möglichkeit jeden individuellen Wunsch zu erfüllen – auch bei der Entwicklung neuer Produkte wie den Fassadensystemen »Verto« und »Pure«. Letzteres wurde jüngst von der HolzLand-Kooperation mit dem »Innovations-Award« ausgezeichnet (siehe Bericht auf Seite 67).

Mehr Fachberater für mehr individuelle Betreuung

Ein derartig differenziertes Sortiment mit all den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben – sowohl bei Standardprodukten wie auch bei Individuallösungen – braucht eine gute Beratung. Das sei einer der Gründe, warum OSMO nicht direkt an Endverbraucher liefere, erklärt Vertriebs-Chef Thorsten Mehlin. Im Vordergrund steht, die persönliche Beratungsleistung zu erhöhen. »Insbesondere für das Handwerk wollen wir mehr tun. Damit wir mehr individuell beraten können, planen wir, unser Fachberater-Team von 9 auf 18 zu verdoppeln«, sagt Mehlin.

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