Stabila Messgeräte Gustav Ullrich GmbH Pfälzer Messtechnik für die ganze Welt

Lesedauer: min | Bildquelle: Stabila
Von: Peter Lang

Denkt man an Messwerkzeuge, fällt einem sofort der Name Stabila ein. Mit einem Patent auf das Feststellgelenk des Zollstocks fing im Jahr 1886 alles an, drei Jahre später erfolgte die Unternehmensgründung. Anlässlich des 135-jährigen Jubiläums des Werkzeugeherstellers aus dem pfälzischen Annweiler sprach der baustoffPARTNER mit Geschäftsführer Ulrich Dähne und Vertriebs- und Marketingleiter Holger Binder über die DNA von Stabila, Investitionen am Standort Annweiler  sowie eine spezielle Wasserwaage zum Jubiläum.  

Nur etwa zwei Prozent aller Unternehmen werden über 100 Jahre alt. Wie schafft man es dann, bereits 135 Jahre auf dem Markt zu bestehen und zu den wichtigsten Messwerkzeugeherstellern weltweit zu gehören? Ulrich Dähne, Geschäftsführer von Stabila, nennt  drei wesentliche Unternehmenswerte als Grund: »Von Anfang an und bis heute bilden das große Qualitätsbewusstsein, das tiefe Verständnis der Anwendung unserer Produkte in den unterschiedlichsten Messsituationen am Bau sowie eine hohe Innovationskraft die DNA unseres Unternehmens.« Dazu komme ein sehr hohes Verantwortungsbewusstsein als fairer Partner der Beschäftigten und Geschäftspartner von Stabila sowie  als nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen aus dem Mittelstand.

Der Ursprung und bis heute der Stammsitz von Stabila liegt in der pfälzischen Kleinstadt Annweiler. Hier gründete Gustav Ullrich 1889 die »Meterfabrik«. Bereits drei Jahre zuvor hatten Anton und Franz Ullrich, der Onkel und Vater des Firmengründers, gemeinsam das Patent auf das Feststellgelenk des Zollstocks erworben und damit die Basis für das Unternehmen geschaffen. Neben Zollstöcken wurden von Anfang an auch Wasserwaagen und Rollbandmaße gefertigt – bis heute sind die drei Produktgruppen wesentlicher Bestandteil des

Stabila-Portfolios. »Anfang der 1990er-Jahre kamen dann Bau-Laser sowie die elektronische Messtechnik dazu«, erläutert Ulrich Dähne. Die Innovationskraft des Unternehmens zeigt sich auch an zwei weiteren bahnbrechenden Patenten: 1952 erwirbt Stabila das Patent für die Acrylglas-Libelle und nimmt als erste deutsche Messwerkzeugfabrik die Fertigung von Leichtmetall-Wasserwaagen auf. 1979 folgt ein weiteres Patent für das bis heute unerreichte Einbausystem, mit dem die Libelle dauerhaft und hochpräzise mit dem Wasserwaagen-Profil vergossen wird. 

Wasserwaagen wie hier »Type R 300« gehören seit jeher zum Kerngeschäft von Stabila.

Elektronische Wasserwaagen stark nachgefragt

Stabilas Fokus liegt auf Kunden, in erster Linie professionelle Handwerker und Baunternehmen, die höchste Ansprüche an die Qualität und Präzision der Produkte stellen, wie Vertriebs- und Marketingleiter Holger Binder betont: »Unser größtes Nutzenversprechen besteht darin, dass Anwender ihre Projekte mit unseren Messgeräten schneller, genauer und sicherer erledigen, Zeit und Kosten sparen sowie lästige Nacharbeiten vermeiden.« Aktuell setzt sich das Stabila-Sortiment aus Wasserwaagen, elektronischen Messwerkzeugen, Bau-Lasern (Nivelliergeräte und Entfernungsmesser) sowie Bandmaßen und Maßstäben zusammen. Stabila konzentriert sich derzeit verstärkt auf die Weiterentwicklung seiner digitalen Messwerkzeuge inklusive der Bau-Laser, wie Holger Binder verrät: »Die Marktresonanz auf unsere gerade eingeführte neueste Generation elektronischer Wasserwaagen ›TECH 196 DL‹ ist enorm. Wir arbeiten aber auch stets daran, unsere bei Millionen von Handwerkern weltweit beliebten Wasserwaagen weiter zu verfeinern und noch anwendungsfreundlicher zu machen.«

Zum 135-jährigen Jubiläum hat sich das Unternehmen deswegen etwas Besonderes einfallen lassen: Im März kam eine limitierte Jubiläumsedition der digitalen Wasserwaage »TECH 196 Dark Shadow« heraus – und zwar in edlem Anthrazitgrau-matt. »Ein vielseitig einsetzbares Werkzeug zu einem sehr attraktiven Preis und ein wahrer Blickfang«, sagt Holger Binder und kündigt weitere Überraschungen im Jahresverlauf an.

15 Millionen-Investition in Logistikzentrum

Wirtschaftlich hat sich Stabila in letzter Zeit prächtig entwickelt, wie Ulrich Dähne verdeutlicht: »Die letzten Jahre waren von einer hohen Dynamik und starkem Wachstum geprägt. Wir haben zahlreiche neue Produkte auf den Markt gebracht, neue Märkte erschlossen und dadurch unseren Umsatz verdoppelt. Heute fertigen wir rund 2,5 Mio. Wasserwaagen und 11 Mio. Zollstöcke im Jahr. Das hat finanzielle Freiräume geschaffen, um die Zukunft des Unternehmens zu gestalten.« Konkret habe man allein am Standort Annweiler 30 Mio. Euro investiert, dazu kommen weitere

Bau-Laser gehören seit den 1990er-Jahren zum Portfolio von Stabila. Im Bild der Multilinien-Laser »LAX 600 G« für präzise Layout-Arbeiten im Innenausbau.

15 Mio. Euro für ein neues Logistikzentrum im Gewerbegebiet Wilgartswiesen-Hauenstein, das im zweiten Quartal an den Start gehen wird. »Das ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte von Stabila und bringt uns logistisch auf ein ganz anderes Level«, hebt Holger Binder die Bedeutung des Neubaus hervor. Mit dem neuen Logistikzentrum sieht sich Stabila für die kommenden Jahre bestens gerüstet, die Prognose von Geschäftsführer Ulrich Dähne unterstreicht dies: »Nachdem wir 2023 in einem wirtschaftlich sehr herausfordernden Umfeld unseren Umsatz halten konnten, wollen wir in den kommenden Jahren unsere Wachstumsagenda fortsetzen. Konkret bedeutet das für dieses Jahr eine Steigerung im mittleren bis oberen einstelligen Bereich. Die letzte Umsatzverdoppelung hat neun Jahre gedauert, mal sehen, wie lange wir für die nächste brauchen.«

Die aktuelle Wirtschaftslage lässt

Stabila allerdings auch nicht unberührt, insbesondere die steigenden Kosten. Während Ulrich Dähne glaubt, dass bei den Materialkosten die größten Steigerungen hinter uns liegen, hält die Dynamik bei den Lohnkosten ungebremst an. »Soweit es geht, steuern wir diesen Verteuerungen durch Produktivitätsmaßnahmen entgegen. Leider gelingt uns das aber nicht immer und vollständig, sodass wir dann gezwungen sind, einen Teil der Kostensteigerungen an den Markt weiterzugeben. Die meisten unserer Kunden haben dafür Verständnis, gutes Werkzeug hat halt seinen Preis.«

Den Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen mittlerweile im Ausland. Der Exportanteil liegt bei 70 Prozent, im wichtigsten Vertriebskanal Bau sogar bei über 80 Prozent. Zu den wichtigsten Märkten zählen neben Deuschland die USA und Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Südkorea, Italien, Frankreich und die Benelux-Staaten. Stark wachsend ist auch das zweite Standbein »Werbemittel« – hier handelt es sich hauptsächlich um bedruckte Holz-Gliedermaßstäbe. In diesem Segment konzentriert sich Stabila vor allem auf Deutschland und wenige Auslandsmärkte.

Den Umsatz von Stabila in neun Jahren verdoppelt: Geschäftsführer Ulrich Dähne (re.) und Vertriebs- und Marketingleiter Holger Binder.

Alle Wasserwaagen in der Pfalz gefertigt

Trotz der starken Internationalisierung produziert Stabila seit 135 Jahren am Stammsitz in Annweiler. Dort werden sämtliche Wasserwaagen, ob analoge oder digitale, sowie die hochwertigsten und robustesten Bau-Laser gefertigt. Erst 2020 wurde die dortige Produktionsfläche um 1 400 m² erweitert. Daneben verfügt Stabila über ein Werk für Zollstöcke in der Nähe von Brünn (Tschechien) sowie eine Produktionsstätte in der Nähe von Nanjing (VR China), in der Linien- und Rotationslaser hergestellt werden.


Wie eingangs erwähnt, zählt für das mittelständische Unternehmen nachhaltiges Wirtschaften zu den wichtigsten Unternehmenswerten.Dies unterstreicht Geschäftsführer Ulrich Dähne und konkretisiert den Nachhaltigkeitsansatz von Stabila folgendermaßen: »Nachhaltigkeit war schon immer essentieller Bestandteil unseres Denkens und Handelns und fängt für uns bei den Produkten an: Diese zeichnen sich durch eine extreme Robustheit und Langlebigkeit aus, unsere Wasserwaagen beispielsweise werden von unseren Kunden oft über Jahrzehnte verwendet, ohne dass sie ihre Funktion und Genauigkeit verlieren. Unsere Laser und elektronischen Wasserwaagen können zudem alle repariert werden, sollte das doch einmal notwendig sein. Auch bei der Herstellung achten wir sehr auf Nachhaltigkeit: Wir sind beispielsweise der einzige Hersteller, der alle Zollstöcke nur aus 100 Prozent nachhaltig zertifiziertem Holz mit PEFC-Siegel fertigt. Zudem senken wir ständig durch zahlreiche Maßnahmen unseren Energieeinsatz, unser neues Logistikzentrum wird sogar klimaneutral sein.«

Das Feld für eine weiterhin postive Entwicklung ist also bestellt – den nächsten 135 Jahren Messtechnik aus der Pfalz steht somit nichts im Wege. Sicher werde es in Zukunft neue Produktkategorien geben, meint Ulrich Dähne, vermutlich aber auch in 135 Jahren noch Wasserwaagen, Zollstöcke und Bandmaße.

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