Das Fenster Die Türe

»Schnittstelle Baustelle fokus«: Wand und Dach entstanden in der Halle auf der Bühne live

Der schlagregen- und winddichte Anschluss einer holzfasergedämmten Fassade an ein Flachdach birgt Tücken, die versierte Bauhandwerker kennen müssen, um die verbundene Holzkonstruktion sicher auszuführen. Das gilt umso mehr, wenn das Flachdach als Terrasse dienen und die Türschwelle barrierefrei sein soll. In einer spektakulären Fortbildung im Schulungszentrum Blaubeuren haben rund 180 Praktiker wertvolle Tipps für die anspruchsvolle Ausführung bekommen und Bekanntschaft gemacht mit dem »Gewerkeloch« (s. »3 Fragen an...«). Das gewerkeübergreifende Referenten-Team von INTHERMO, pro clima, Wolfin Bautechnik und Alumat demonstrierte an einem Seminartag Lösungen, die nach dem aktuellen Stand der Technik umgesetzt werden können. Präsentiert wurde die Veranstaltung vom baustoffPARTNER

Von Jan Rieken

Die Holzbau-Konstruktion entstand im 1_1-Maßstab auf einer fahrbaren Bühne, wie sie einst auch von William Shakespeare eingesetzt wurde. Vorteil_ Die Zuschauer können das Geschehen an mehreren Plätzen gleichzeitig miterleben. Unterstützt wurden die Bauprofis von Referenten und drei Multimedia-Großbildleinwänden:
Während auf der Bühne Bauelemente im Originalmaßstab entstanden und perfektioniert wurden, konnte jeder Zuschauer in der Halle jeden Handgriff wie unter der Lupe bis ins Kleinste mitverfolgen. Auch Vortragsfolien und technische Detailzeichnungen wurden zeitgleich an die Wand projiziert.

»Barrierefreies Bauen wird immer mehr gefordert. Aber die fachgerechte Ausführung bei einem stufenlosen Zugang zu einer Dachterrasse hat so seine Schwierigkeiten«, sagt Bauingenieur Michael Förster, der bei pro clima die Anwendungstechnik leitet. Als Referent bei Schnittstelle Baustelle erklärte er die normativen Richtlinien und die bauphysikalischen Zusammenhänge: »Die meisten Teilnehmer sind zu unserer Veranstaltung angereist, weil sie eine rechtssichere Lösung nach dem aktuellen Stand der Technik kennenlernen wollten.«
Das Schnittstelle-Baustelle-Referententeam arbeitete live während der Veranstaltung an einer realen Situation. Jedes Gewerk zeigte die besonders schwierigen Stellen, denen Beachtung geschenkt werden sollte. So lernten die 180 Teilnehmer die Gesamtsituation eines ebenen, absatzlosen Türaustritts kennen. Die Referenten – Ingenieure, Zimmerer und Dachdecker – demonstrierten eine technisch einwandfreie Komplettlösung. Diese können die Teilnehmer direkt in ihren Baualltag übernehmen.

Wo die Grenzen der gewerkeübergreifenden Ausführung verlaufen, verdeutlichte ein Dipl.-Ing. Jürgen Waßermann anhand des »Gewerkelochs« bei Kunststofffenstern (s. »3 Fragen an...«).

 

 3 Fragen an...
Dipl.-Ing. Jürgen Waßermann, Leiter Technik bei der INTHERMO GmbH

Herr Waßermann, Sie fordern eine zweite wasserführende Dichtebene unter der Fensterbank als Muss für schadensfreie Fensteranschlüsse. Warum?
Kunststofffenster weisen als Schwachstelle das »Gewerkeloch« (siehe Bild) auf. Das wird in den gängigen deutschen Richtlinien leider bisher nicht ausreichend behandelt bzw. noch nicht einmal als Problem erkannt. Doch gerade über diese Schwachstellen können erhebliche Wassermengen in die Holzkonstruktion eindringen.

Was ist also zu tun?

Generell gilt für den Fensteranschluss, dass ein Eindringen von Wasser in die Konstruktion verhindert bzw. eingedrungenes Wasser kontrolliert wieder nach außen abgeführt werden muss. Dies kann nicht alleine durch das Fenster gewährleistet werden, auch sämtliche Anschlüsse wie Fensterbank, Bordprofile, Rollladenführungsschienen und WDV-Systeme müssen diese Anforderung gleichfalls erfüllen.

Sind diese Anforderungen dokumentiert?

Das Gewerkeloch findet im RAL-Leitfaden keine explizite Erwähnung, obwohl die Problematik seit geraumer Zeit bekannt ist! Der Leitfaden lässt zu, auf eine zweite Dichtungsebene zu verzichten. Man muss sich dann aber bewusst sein, dass jegliche Undichtigkeit im bewitterten Bereich zu einem Wassereintritt ins Dämmsystem und die Wandkonstruktion führen kann. Allein schon wegen der Möglichkeit von Einbaufehlern ist die Ausführung einer zweiten wasserführenden Ebene unterhalb der Fensterbank geboten – zumal der hierfür zu veranschlagende Kosten- und Zeitaufwand im Vergleich zum Schadenspotenzial bei Holzbaukonstruktionen vergleichsweise gering ist.

Alle Vorträge und weiteres Informationsmaterial gibt es hier zum kostenlosen Download_
https://www.schnittstelle-baustelle.de/downloads-2017

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