Quo Vadis Solarindustrie?

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Sei es die Konkurrenz aus China oder ein Mangel an Fördergeldern – die Situation der Solarindustrie in Deutschland macht immer neue Schlagzeilen. Vor diesem Hintergrund hat uns die Meinung unserer Leser interessiert. Wir haben nachgefragt: Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, was sind die Trends und wie schätzen Sie die generelle Lage ein? Die Antworten zeugen von vielfältigen Herausforderungen und großem Optimismus.

80 % der befragten blicken mit zuversicht in die zukunft der branche.

Ob Newsletter, Social Media oder persönliche Gespräche bei der Dach+Holz International: Für ein aktuelles Stimmungsbild haben wir die unterschiedlichsten Kanäle genutzt, um herauszufinden, wie Branchenkenner die Situation einschätzen. Geantwortet haben uns Händler und Hersteller von Solartechnik ebenso wie Verarbeiter und Endkunden. Sie alle haben einen unterschiedlichen Blickwinkel auf die Solarindustrie und sind sich doch in einer Hinsicht einig: Die Hürden, denen die Branche gegenübersteht, sind komplex.

Christian Bremer Photovoltaik-Spezialist bei Nelskamp

»Wir merken immer wieder, dass es sowohl bei Architekten als auch bei Handwerkern häufig noch eine gewisse Hemmschwelle gegenüber den neuen Komplettdach- oder Indach-Photovoltaik-Lösungen gibt. Mit Aufklärung und Schulungen wollen wir das ändern, denn wir sind von gebäudeintegrierten Lösungen überzeugt und denken, dass das langfristig die Photovoltaik-Zukunft sein wird. «

Ob Newsletter, Social Media oder persönliche Gespräche bei der Dach+Holz International: Für ein aktuelles Stimmungsbild haben wir die unterschiedlichsten Kanäle genutzt, um herauszufinden, wie Branchenkenner die Situation einschätzen. Geantwortet haben uns Händler und Hersteller von Solartechnik ebenso wie Verarbeiter und Endkunden. Sie alle haben einen unterschiedlichen Blickwinkel auf die Solarindustrie und sind sich doch in einer Hinsicht einig: Die Hürden, denen die Branche gegenübersteht, sind komplex.

Ein wesentlicher Punkt, der in den von uns gesammelten Rückmeldungen immer wieder zur Sprache kam, ist die aktuelle politische Situation. Die derzeitige Unterstützung wird als unzureichend empfunden; der Ruf nach finanziellen Förderungen ist entsprechend laut. Eng verknüpft damit sind nach Meinung unserer Umfrageteilnehmer auch technische und bürokratische Hindernisse, die die Einspeisung von Solarenergie ins Stromnetz erschweren.

Francis Shortt Marketingmanager Ennogie

»Die Materialknappheit und der Fachkräftemangel in der Baubranche sind eine absolute Photovoltaik-Bremse. Auch die komplexe Förderlandschaft trägt negativ zur Thematik bei. Dennoch sind wir bei Ennogie überzeugt, dass Photovoltaik in den nächsten Jahren wieder deutlich an Fahrt gewinnt. Besonders bei Sanierung und Neubau werden hier sicherlich dachintegrierte Systeme künftig die erste Wahl sein. Natürlich sind sie teurer als Aufddach-Lösungen, aber die Optik und der höhere Ertrag relativieren die Anschaffungskosten.«

Komplexe und zeitaufwendige Verfahren hätten die Realisierung von Solarprojekten deutlich verlangsamt, hieß es in persönlichen Gesprächen. Weiter verschärft würde die Situation durch einen Mangel an qualifiziertem Personal, das die Installation und Wartung übernimmt. Dass genau dieses aber dringend benötigt wird, ist von Expertenseite unbestritten, »schließlich lässt sich der steigende Bedarf an erneuerbaren Energiequellen nicht wegdiskutieren«, wie ein Aussteller auf der Messe Dach+Holz betont. Zudem mangele es nach Meinung eines weiteren Umfrageteilnehmers nicht nur an Fachwissen, sondern in einigen Fällen auch an der grundsätzlichen Bereitschaft, sich aktiv mit den neuen Technologien auseinanderzusetzen. In Kombination mit dem Faktor Materialknappheit führe das dazu, dass Unternehmen zunehmend Probleme hätten, ihre Projekte effizient und kosteneffektiv zu realisieren.

Apropos kosteneffektiv: Auch die Preisentwicklung sowie die damit einhergehende Unsicherheit bei Investitionen wurde in unserer Umfrage als eine wesentliche Herausforderung identifiziert. Fluktuierende Preise erschwerten es sowohl Unternehmen als auch Privathaushalten, in Solartechnologie zu investieren, merkten gleich mehrere Befragte an.

Manfred Schöll CEO/BIPV-Project Manager Galaxy Energy

»Die negativen Pandemie-Auswirkungen sind leider immer noch spürbar und hemmen die Photovoltaik-Branche deutlich. Auch die Kaufkraft hat seit 2020 nachgelassen. Zweites Problem ist der Mangel an Monteuren und Fachkräften. Wir sind aber sehr optimistisch, dass sich das in den kommenden Jahren bessert. Denn für die Energiewende und bei den steigenden Strompreisen ist  die Photovoltaik-Technologie von großer Bedeutung.«

Ist all das nun Grund genug, den Kopf in den Sand zu stecken? Nicht im Geringsten, finden unsere Umfrageteilnehmer. Wir hatten darum gebeten, die aktuelle Situation der Solarbranche in Deutschland auf einer Skala von eins bis zehn zu bewerten und das Ergebnis spricht für sich:  80 Prozent zeigen starke Zuversicht und sehen das Wachstumspotenzial des Sektors.

Bleibt die Frage, mit welchen Produktentwicklungen und Lösungen die Branche in eine stabilere Zukunft aufbrechen will.  Eine Schlüsselerkenntnis aus unserer Umfrage ist, dass Komplett-Dach-Lösungen zunehmend bevorzugt werden. Zum einen aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Effizienz und Leistungsfähigkeit, zum anderen aber auch aus optischen Gründen. Die Integration von Solarpanelen direkt in die Dachstruktur stellt laut unserer kleinen Erhebung eine sinnvolle Möglichkeit dar, Funktion und Design zu vereinen. Solaranlagen werden vor diesem Hintergrund zunehmend als integraler Bestandteil des Gebäudedesigns wahrgenommen.


Allerdings: Der Trend hat seinen Preis, weswegen die meisten Befragten prognostizieren, dass klassische Aufdach-Lösungen noch lange ihren Reiz haben werden. Immerhin sei die Kosten-Nutzen-Rechnung schon immer ein zentraler Aspekt bei der Auswahl von Solarsystemen gewesen »und gerade bei Bestandsgebäuden ist der konventionelle Weg oft der praktikablere«, wie ein Umfrageteilnehmer betont.

Der Weg in die Zukunft ist dennoch klar: Die Branche investiert in technisch fortschrittliche Lösungen, die sowohl in funktionaler als auch in ästhetischer Hinsicht überzeugen, um die Hürden der Gegenwart baldmöglichst hinter sich zu lassen.

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