Steinwolle-Dämmstoffe tragen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zur Energieeinsparung bei. Gleichzeitig ist ihre Herstellung besonders energieintensiv – vor allem der Schmelzprozess der mineralischen Rohstoffe. Dies erfolgt traditionell in koksbetriebenen Kupolöfen, die hohe CO2-Emissionen verursachen und nur begrenzte Flexibilität in der Prozesssteuerung ermöglichen. Eine interne Analyse der Produktionsabläufe bei Paroc zeigte, dass der Schmelzprozess die Hauptquelle der Emissionen darstellt. Auf Basis dieser Erkenntnis hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren eine umfassende technologische Strategie entwickelt, um die Emissionsintensität der Produktion zu reduzieren.
Elektrisches Schmelzen als Schlüssel zur Emissionsreduktion
Die Einführung und Skalierung elektrischer Schmelzöfen stellt den wohl tiefgreifendsten Schritt der Produktionsumstellung dar. Im Gegensatz zu Kupolöfen basiert das elektrische Schmelzen nicht auf fossilen Brennstoffen, sondern auf Stromzufuhr und ermöglicht somit einen vollständig anderen energetischen Ansatz. Besonders deutlich wird der Vorteil, wenn der Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Unter diesen Bedingungen lassen sich die CO2-Emissionen des Schmelzprozesses um bis zu 80 Prozent reduzieren. Paroc betreibt derzeit drei elektrische Schmelzöfen – eine Anlage in Finnland und zwei in Polen. Sie sind in den laufenden Produktionsbetrieb integriert und bilden die Basis für eine weitreichende Transformation der Steinwolleherstellung. Ergänzend wird in Schweden derzeit die neue »Natura Line« errichtet – eine Produktionslinie, die vollständig auf diese CO2-arme Schmelztechnologie ausgelegt ist und damit die Fortsetzung der strategischen Elektrifizierung markiert.
Der technologische Wandel ist jedoch nur ein Teil der Emissionsreduktion. Ebenso entscheidend ist die Energiequelle selbst, mit der die elektrischen Öfen betrieben werden. Während Finnland und Schweden bereits seit Jahren Strom aus erneuerbaren Energien beziehen, war dies in Polen zunächst nicht der Fall. Aber seit Anfang 2022 erfolgt die Versorgung der beiden polnischen Elektroschmelzanlagen vollständig mit Strom aus Windenergie. Allein durch diese Umstellung konnten die Emissionen der europäischen Paroc-Steinwolleproduktion um etwa 30 Prozent reduziert werden.
Messbare Effekte auf Produktebene
Die technologischen Maßnahmen zeigen sich nicht nur in der Prozessbilanz, sondern auch deutlich im Produktprofil. Die neue Umweltproduktdeklaration (EPD NEPD-4337-3565-EN) belegt, dass die Dachdämmstoffe »Paroc Tectum 037«, »Paroc Robust 038« und »Paroc Premo 90« ihren Gesamt-CO2-Fußabdruck über den Lebenszyklus (A1–C4) um 78 Prozent reduzieren konnten. Diese Werte basieren auf standardisierten, extern verifizierten Berechnungsverfahren und unterstreichen den direkten Zusammenhang zwischen elektrischer Schmelztechnologie, erneuerbaren Energiequellen und den Auswirkungen auf das Endprodukt. Bemerkenswert ist zudem, dass diese Emissionsreduktionen nicht auf Kosten der Produktleistung erfolgen. Die Dämmstoffe verfügen weiterhin über ihre gewohnt hohe Brandsicherheit, Langlebigkeit und Formstabilität. In einigen Fällen konnten die technischen Eigenschaften sogar weiter verbessert werden – so wurde beispielsweise die Druckfestigkeit von »Paroc Premo 90« auf größer oder gleich 90 kPa erhöht. Der Ansatz von Paroc ist klar formuliert: Innovationen werden nur dort umgesetzt, wo sie einen echten Mehrwert liefern. Qualität ist und bleibt nach Unternehmensangaben der zentrale Wettbewerbsfaktor von Paroc. Jede Prozessoptimierung muss daher sowohl zur Emissionsreduktion als auch zur Sicherstellung der gewohnt hohen technischen Leistungsfähigkeit beitragen.