Fassade

Natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte in der Fassade

Integrierte Rauch- und Wärmeabzugsgeräte (NRWG) stehen bei Architekten hoch im Kurs_ Sie passen sich optimal in die vorhandene Architektur ein und überzeugen als Gesamteinheit geprüfter Elemente mit höchster Planungs- und Ausführungssicherheit. Immer wieder ist bei der Planung eines NRWGs von Unsicherheiten zu hören. Dabei ist diese sehr viel einfacher, als von so manchem angenommen.

Ein natürliches Rauch- und Wärmeabzugssystem ist eine geprüfte Einheit, bestehend aus einem Öffnungselement und einem elektromotorischen Antrieb. Die Zusammensetzung und Anforderungen an NRWGs werden in der europäischen Norm DIN EN 12101-2 geregelt, nach der dieses Komplettsystem geprüft und entsprechend klassifiziert wird. Eine Vielzahl von Systemlösungen auf dem Markt sichern vielfältige und anspruchsvolle Einsatzmöglichkeiten in vertikalen Fassaden.

NRWGs im Entrauchungsfall


Ein natürliches Rauch- und Wärmeabzugsgerät hat im Wesentlichen die Aufgabe, durch eine aerodynamisch genau vermessene Fläche eine Entrauchung sicherzustellen. Fenster sind im Brandfall schnellstmöglich zu öffnen und sicher offen zu halten, um heiße und giftige Brandgase effektiv und zuverlässig entweichen zu lassen. Hierbei kommt es auf eine ausreichend hohe Geschwindigkeit an_ In 60 Sekunden muss die maximale Öffnung erreicht sein.
Welche Vorteile bieten NRWGs im täglichen Leben? Insbesondere moderne Gebäude verfügen über eine hervorragende Wärmedämmung und somit über einen großen Nachteil_ Im Sommer erwärmt sich der Baukörper, ohne sich von alleine wieder entwärmen zu können. Eingebunden in Lüftungs- und Nachtauskühlungskonzepte, können hier NRGWs Abhilfe schaffen. Durch Anbindung an die Gebäudeautomation sorgen sie nicht nur für den Rauch- und Wärmeabzug, sondern auch für energiesparende Be- und Entlüftung sowie Auskühlung des Gebäudes in der Nacht. Letzteres ist eine besonders wirkungsvolle und umweltfreundliche Methode, um die klimatischen Bedingungen in einem Raum zu verbessern und Kühllasten im Sommer zu reduzieren. Bei der Auswahl eines Gerätes, das auch für die tägliche natürliche Lüftung eingesetzt werden soll, ist unbedingt auf einen leisen bzw. geräuscharmen Betrieb zu achten, wenn der Antrieb im Lüftungsmodus läuft.

Leistungsklassen eines NRWGs

Die DIN EN 12101-2 legt verschiedene Leistungsklassen fest, beispielsweise für Schnee- und Windlasten. In Deutschland gibt es keine gesetzlichen Mindestanforderungen an NRWGs. Doch haben Architekten und Planer darauf zu achten, dass die Leistungsklassen an die jeweiligen Umgebungsumstände des Objektes angepasst sind_ In Regionen mit gewohnt hoher Schnee- und Windlast müssen entsprechend höhere Leistungswerte eingehalten und rechtsverbindlich unterschrieben werden als in Regionen mit weniger extremen Wetterlagen. Schon bei der Planung ist daher unbedingt darauf zu achten, dass bei der Auswahl der Anbieter des NRWGs die notwendigen

Leistungsmerkmale erklärt werden können.


Was hat der Planer zu beachten? Im Vergleich zu der alten Bauproduktenrichtlinie muss ein Hersteller nach der neuen Bauproduktenverordnung nur zu mindestens einem wesentlichen Merkmal einen Leistungswert angeben. Zu allen anderen wesentlichen Merkmalen darf der Hersteller die Angabe »n.p.d« (no performance determined) angeben. Dem Hersteller ist nicht vorgeschrieben, zu welchem wesentlichen Merkmal er eine Angabe zu machen hat. Tatsächlich bergen unvollständige Angaben für Planer und Verarbeiter aber ein gewisses Risiko in sich_ Nur vollständig ausgefüllte

Leistungserklärungen ermöglichen ihnen, die klimatischen und funktionalen Anforderungen, die an das NRWG gestellt werden, zu vergleichen. Fehlen diese wichtigen Angaben, ist aus technischer Sicht ein solches in den Verkehr gebrachtes und in ein Bauwerk installiertes Gerät sehr wahrscheinlich nicht von ausreichend hoher Qualität: Die wesentlichen Prüfungen, wie z. B. die Wärmebeständigkeitsprüfung (300°/30 min.), die Aerodynamik (a in m2) und die Angaben über die klimatischen Einsatzbedingungen (z. B. Windlast, Schneelast, tiefe Temperaturen) wurden im diesem Falle dann eventuell nicht durchgeführt. Auch die Dauerfunktionstüchtigkeit (z. B. Reliability Re) oder die Verwendung des NRWGs zur täglichen Be- und Entlüftung ist bei einem solchen NRWG gegebenenfalls nicht nachgewiesen.

Sicherheit geht vor


Um ganz sicher zu gehen, sollten unbedingt für jede einzelne Leistungsklasse durchgängig und vollständig nachgewiesene Werte vorliegen – und die Verwendung der Option »n.p.d.« ist hier nicht akzeptabel. Der Planer sollte von daher bereits bei der Auswahl eines NRWGs auf die vollständig ausgefüllte Leistungserklärung bestehen, da bei der Verwendung von Produkten mit nur teilweise ausgefüllter Leistungserklärung für ihn erhebliche Planungs- und Anwendungsrisiken entstehen.

Lösungen für Großbauprojekte

Bei der Planung eines NRWGs ist immer auf den Kabelweg zu achten_ Je länger der Kabelweg von der Stromversorgung zu den Antrieben ist, desto eher empfehlen sich 230 V Lösungen. Die dann mögliche Verwendung von Standard-Kabelquerschnitten senkt die Installationskosten und damit die Projektkosten insgesamt erheblich. Bei Flughäfen oder Bahnhöfen beispielsweise sollten für eine Sicherstellung der Stromversorgung NRWGs mit 230 V eingesetzt werden.

Integrierte Lösungen für die anspruchsvolle Architektur


Die nach DIN EN 12101-2 geprüften NRWGs sind auch mit verdeckt liegender Antriebstechnik auf dem Markt erhältlich: in unterschiedlichen Ausführungen und für verschiedene Profilsysteme. Diese unterscheiden sich nicht in ihrer Wirkungsweise von den aufgesetzten Lösungen, sondern lediglich darin, dass die elektromotorischen Antriebe in die Fensterprofile integriert werden. Besonders Architekten bevorzugen diese Ausführungsform, da die Technik in den Hintergrund rückt und damit mehr Raum für hohe Designansprüche gibt. Durch ein breites Spektrum an Natürlichen Rauch- und Wärmeabzugsgeräten auf dem Markt, die im vollen Umfang nach der DIN EN 12101-2 geprüft wurden, können Fachplaner und Verarbeiter für jedes Gebäude und jede Konstruktionsweise den vorbeugenden Brandschutz individuell umsetzen und dabei technische, energetische und gestalterische Belange berücksichtigen. Diese schützen Menschenleben wie auch die wertvolle Gebäudesubstanz – unter Berücksichtigung aller architektonischen Anforderungen.

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