Zinco GmbH Biodiversität und Solarstrom auf dem Dach

Das neue Gebäude der Bibliothek und der Bürgerdienste der Stadt Jena erfreut sich großer Beliebtheit. Die 2 400 m² umfassenden Dachflächen bieten gleich mehrfachen Nutzen: als artenreich gestaltete Gründächer mit kleinen Terrassenbereichen und als Flächen zur solaren Energiegewinnung. Möglich macht diese Kombination von Solar und Grün der Zinco-Systemaufbau »SolarVert«, der hier auch eine effiziente Bewässerung sowie eine passgenaue Absturzsicherung umfasst.

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: Zinco

Der Neubau für Bibliothek und Bürgerdienste prägt das Stadtbild von Jena. »Wesentliches Ziel war, einen lebendigen Ort für die Bevölkerung zu schaffen, wie ein zusätzliches Wohnzimmer für Begegnung und Austausch. Mehr als 400 000 Menschen jährlich nutzen das Gebäude und sorgen für eine Belebung, die auch auf umliegende Cafés und Einzelhandelsgeschäfte ausstrahlt«, sagt Jenas Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche. Den Architekten des pbr Planungsbüros Rohling gelang es, den Neubau in die begrenzten Freiflächen zwischen Karmelitenkloster, Theaterplatz und Wohngebäuden einzufügen.

Basis für den Dachaufbau

Der Dachdeckerbetrieb Jochen Kürbs aus Apolda führte nicht nur die Abdichtungsarbeiten auf dem zwei Prozent geneigten Stahlbetondach aus, sondern auch die kompletten Dachbegrünungsarbeiten einschließlich der Solaraufständerungen.

Auf Grundlage einer wurzelfesten bituminösen Abdichtung startete der Zinco-Systemaufbau mit der Schutz- und Speichermatte »SSM 45«. Als durchgängige Basis auf allen Gebäudeflächen folgte das Drän- und Wasserspeicherelement »Floradrain FD 25«. Dieses speichert Regenwasser in seinen oberseitigen Mulden und führt Überschusswasser auf der Unterseite sicher den Dachabläufen zu. Auf dieser Basis konnten Grünflächen, Belagsflächen sowie die Solar- und Geländerbasisplatten für die durchdringungsfreie Verankerung der Photovoltaikanlagen und der Absturzsicherungsmaßnahmen auf den Dachflächen umgesetzt werden. Von den 2 400 m² Gesamtdachfläche sind rund 1 800 m² begrünt und in Teilen mit Solarflächen kombiniert. Weitere 600 m² sind als Gehbelags- und Terrassenflächen gestaltet.


Die Dachbegrünungen sind sowohl von den Innenräumen als auch von umliegenden Gebäuden einsehbar. Deshalb war ein artenreiches und blühendes Erscheinungsbild gewünscht. Dafür eignete sich die Pflanzengemeinschaft »Steinrosenflur« mit rund einem Dutzend verschiedener Sedum- und Staudenarten wie Nelken und Blauschwingel. Ergänzend kam die Pflanzengemeinschaft »Bienenweide« zum Einsatz, eine Mischung aus 35 nektarreichen und zeitversetzt blühenden Futterpflanzen für Bienen und andere Insekten. Damit die Pflanzen auch im Sommer grün bleiben und blühen, wurde eine effiziente Unterflurbewässerung installiert.

Für die Unterflurbewässerung folgte auf die vollflächige Dränschicht das spezielle »Aquafleece AF 300«, auf dem Tropfschläuche in Abständen von etwa 50 cm verlegt wurden. Das zweischichtige »Aquafleece« ist aufgrund seines unterseitigen Gewebes in der Lage, Wasser zunächst in der Fläche zu verteilen und erst dann durchtropfen zu lassen, wenn das oberseitige, hochkapillar wirksame Vlies vollflächig wassergesättigt ist. Diese Art der Unterflurbewässerung zeichnet sich im Vergleich zu einer herkömmlichen Zusatzbewässerung durch einen deutlich geringeren Wasserverbrauch aus, da das Wasser direkt im Wurzelraum und ohne Verdunstungsverluste zur Verfügung steht. Zur Speisung des Bewässerungssystems wird Regenwasser in einer 25 000-l-Zisterne gesammelt, die sich im Bereich eines Innenhofs befindet. Im Systemaufbau folgte die Systemerde »Steinrosenflur« in einer Schütthöhe von 6 bis 10 cm sowie die Ausbringung der Pflanzenvielfalt in Form von Flachballenpflanzen und teilweise als Sprossenaussaat.

Integration der Solaranlagen

Da es sich um einen Neubau handelt, konnte die Statik auf die verschiedenen Nutzungswünsche ausgelegt werden. Zum Gewicht des Begrünungssystems im wassergesättigten Zustand kommen die Eigenlasten der Photovoltaikmodule sowie etwaige Schneelasten hinzu.

Auf den Gebäudedachflächen über dem dritten und vierten Obergeschoss ist die Extensivbegrünung mit Solaranlagen kombiniert. Im Systemaufbau »SolarVert« wurden die Solarbasisplatten »SB 200« auf der abgedeckten Dränschicht positioniert. Sie nehmen insgesamt 86 Photovoltaikmodule auf. Die 1 m × 2 m großen Solarbasisplatten verfügen über unterseitige Konter- und Aussteifungsprofile und ermöglichen die Verschraubung der Solargrundrahmen »SGR 25«. Diese Rahmen haben einen Neigungswinkel von 25° und sind in den Randbereichen untereinander mit sogenannten Windverbänden stabilisiert. Es folgten 6 bis 10 cm Systemerde »Steinrosenflur«. Für die Berechnung der erforderlichen Substratauflast ist das Gewicht im Trockenzustand maßgebend. Diese auflastgehaltene Bauweise dient der Druckverteilung und vermeidet Dachdurchdringungen. Da die Bepflanzung für eine vergleichsweise geringere Umgebungstemperatur sorgt, steigert diese den Leistungsgrad der Photovoltaikanlagen. Auf den Dächern der Bibliothek und der Bürgerdienste Jena werden rund 30 kWp Strom erzeugt und für den Eigenbedarf genutzt.

Dachterrassen und Wege

Auf den Dächern wurden Wartungs- und Fluchtwege angelegt. Hier wie auch unter den Terrassenbelagsflächen sind die »Floradrain«-Elemente mit den Diffusionsöffnungen nach unten verlegt, damit in den Mulden kein Wasser stehen bleibt.  

Ob dauerhaft oder gelegentlich genutzte Belagsflächen: Die verschiedenen eingesetzten Absturzsicherungslösungen von Zinco funktionieren nach dem Auflastprinzip und kommen ohne Dachdurchdringungen aus. Gemäß der Einplanung durch die Zinco-Anwendungstechnik wurden auf den dauerhaft nutzbaren Teilflächen der Bibliothek und der Bürgerdienste Jena insgesamt knapp 100 lfm Geländer installiert. Die Geländer sind auf den Geländerbasisplatten »GB« verschraubt. Diese sind wie die Solarbasisplatten 1 m × 2 m groß und werden durch die Substratauflast im Begrünungsaufbau lagesicher gehalten.

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