ZinCo: Ein Clubhaus als Eldorado für Flora und Fauna

Das in die Jahre gekommene Bitumendach des Clubhauses des Karlsruher Eislauf- und Tennisvereins e. V. (KETV) musste saniert werden. Dabei fiel die Wahl auf eine Dachbegrünung von Zinco – so entstand das erste Biodiversitäts-Gründach in Karlsruhe.

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Auf der Suche nach einer Sanierungslösung für die rund 235 m² große Dachfläche war schnell eine Dachbegrünung in der Planung, weil diese neben einer schönen Optik weitere Pluspunkte bietet: Verlängerung der Dachlebensdauer durch Schutz der Bausubstanz, Wärmedämmung, Schallschutz, Bindung von Feinstaub und Schadstoffen etc. Hinzu kommt der ökologische Nutzen, zumal durch die Kooperation mit Zinco das erste Biodiversitäts-Gründach in Karlsruhe entstanden ist, das immensen Artenreichtum von Flora und Fauna bietet.

Das um 1950 erbaute einstöckige Clubhaus-Gebäude besticht durch seine halbseitig runde Form und seine bodentiefe Fensterfront. Optisch weniger attraktiv war sein frei bewittertes Bitumendach. Dafür beherbergte dieses einige Solarthermie-Module, die warmes Wasser lieferten. Diese Module sollten auch in der Begrünung wieder ihren Platz bekommen. Das stand nach der ersten Abstimmung des KETV-Vorstandes Wolfgang Senn mit dem Dachbegrünungshersteller Zinco genauso fest wie die Tatsache, dass es statt einer klassischen Extensivbegrünung zukunftsweisend ein Biodiversitäts-Gründach werden soll. Für die Begrünung konnte der KETV Zuschüsse bei der Stadt sowie dem Badischen Sportbund beantragen.

Ein Biodiversitäts-Gründach bringt zwar etwas mehr Gewicht mit sich, aber das ­Clubhaus-Dach war nach der statischen Prüfung gut dafür geeignet. Aufgrund des vorgefundenen Zustandes des Altdaches konnte dieses von der beauftragten Firma Bauschutz aus Malsch als Grundlage für den neuen Aufbau dienen. Nach Abbau der Solarthermie-Module erhielt das 0°-Dach als erstes eine Zusatzdämmung und darauf folgend eine hochwertige wurzelfeste Kunststoffab­dichtung. Übrigens wirkt auch die Begrünung wie eine zusätzliche Dämmung, was den Heizbedarf im Winter reduziert und einen Kühleffekt im Sommer bewirkt.


Lavendelheide und Steinrosenflur als Systemerde

Für das Biodiversitätsdach beauftragte der KETV den Garten- und Landschaftsbaubetrieb Hohenschläger aus Mühlacker, einen versierten Spezialisten für begrünte Dachlandschaften. Im Frühjahr 2021 starteten die Ausführungsarbeiten dann auf Basis der wurzelfesten Abdichtung mit der Schutz- und Speichermatte »SSM 45«. Darauf folgte das Drän- und Wasserspeicher­element »Floradrain FD 25« als Kernstück im Zinco-Systemaufbau. Dieses speichert Regenwasser in seinen oberseitigen Mulden und führt Überschusswasser auf der Unterseite sicher den Dachabläufen zu. Zur Abdeckung der Dränschicht folgte der Systemfilter »SF«, sodass keine Feinteile aus der darüberliegenden Substratschicht eindringen können.

Nun ging es an die Aufbringung des Substrats mittels Kran und die Modellierung der Dachlandschaft. Der Gestaltungsplan sah unterschiedliche Pflanzbereiche mit Substrathöhen von 10 bis 30 cm vor. Gerade diese Anhügelungen, in denen die System­erde »Lavendelheide« mit höherem humosem Anteil aufgebracht wurde, lassen mehr Pflanzenvielfalt auf dem Dach zu. Bei der Auswahl der Pflanzen für ein Biodiversitätsdach orientiert man sich grundsätzlich an ihrer Bedeutung als Futterpflanze für Insekten und Vögel.

Insgesamt wurden im Bereich dieser Anhügelungen mehr als ein Dutzend verschiedene Pflanzenarten in Form von Kleinballenpflanzen ausgebracht, z. B. echter Lavendel, zartes Federgras, Goldhaar-Aster und Kaukasus-Storchschnabel. Außerhalb der Anhügelungen kam die eher mineralische System­erde »Steinrosenflur« in einer Schütthöhe von 10 cm zum Einsatz. Hier säte man die spezielle Zinco-Samenmischung »Bienenweide« aus. Darin sind über 35 nektarreiche und zeitversetzt blühende Pflanzenarten enthalten. Für die dauerhafte Etablierung der Pflanzen ist der Wasser-Lufthaushalt entscheidend, den die Funktionsschichten des Zinco-Systemaufbaus gewährleisten. So ist für die gewählte Bepflanzung der natürliche Niederschlag ausreichend und keine Zusatzbewässerung nötig, abgesehen von der Anwachsphase.

Verschiedene Biodiversitäts-Module als Ergänzung

Eine breite Palette an Biodiversitäts-Modulen ergänzt die Bepflanzung, damit Insekten, Schmetterlinge und Vögel nicht nur Futter finden, sondern auch artgerechte Nistplätze und Rückzugsbereiche. Deswegen wurden mehrere vegetationsfreie Flächen wie Sandlinsen, Grobkiesbeete, Steinanhäufungen und Tot­holz realisiert. Zu einem Biodiversitätsdach gehört zudem eine kleine Wasserfläche, die als Vogel- und Insektentränke dient. Zu guter Letzt sind zwei Nisthilfen für Insekten installiert.

Idealerweise ließen sich in den Zinco-Systemaufbau bautechnisch gleich die Absturzsicherung und die vormalige Solar­thermie-Anlage integrieren. Für die Absturzsicherung wurden insgesamt fünf Fallnet SR-Einrichtungen mit festem Einzelanschlagpunkt auf dem Dach verteilt. Diese sind auf der Dränschicht positioniert und werden von der Substratauflast lagesicher gehalten. Ebenfalls nach dem Auflastprinzip sind die Aufständerungen für die Solaranlage verankert. Für die Fläche von 14 m² kamen sieben Solarbasis-Platten »SB 200« in den Systemaufbau und auf jeder Platte ist ein Solargrundrahmen »SGR« montiert. Die Solargrundrahmen sind untereinander mit Windverbänden stabilisiert und tragen die Solarthermie-Module. Außerdem hat der KETV noch ein zweites Juwel in Form eines Biodiversitätsdaches vorzuzeigen, nämlich das nur 14 m² große Müllhäuschen-Garagendach. Auch hier gibt es einen Streifen mit Substratanhügelung und artenreicher Bepflanzung nebst Totholz und Insekten-Nistplätzen.   J

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