Im Blickpunkt

Vom Dachfensterhersteller zum Raumklima-Pionier: Velux und die Vision von Licht, Luft und Lebensqualität

Vor mehr als 75 Jahren hat der Däne Villum Kann-Rasmussen das erste Velux-Dachfenster erfunden. Seine Idee_ Licht, Luft und Lebensqualität unter das Schrägdach zu bringen. Mit der Wahl des Firmennamens hat er seine Vision verdeutlicht_ Aus »Ventilation« (Belüftung) und »Lux« (Licht) machte er Velux. Das erste Modell des Ingenieurs, ein einfaches Klappfenster aus Holz, hatte freilich mit den High-Tech-Produkten des heute weltweit erfolgreichen Konzerns nicht viel zu tun. Umgekehrt sind im Unternehmen von heute die Ideen des Firmengründers greifbar, wie sich zum Beispiel auf der Dach+Holz gezeigt hat_ Der weltweit führende Dachfenster-Hersteller hat am 800 m2 großen Messestand nicht nur neue Produkte und Lösungen präsentiert, sondern wollte Verarbeiter und Bauherren sensibilisieren für das Thema »Tageslicht« und dessen unterschätzte Wirkung auf das menschliche Wohlbefinden.

Von Jan Rieken

»Wir wollen vor allem die Endverbraucher für das Thema ›Tageslicht‹ sensibilieren«, sagt Felix Egger, Geschäftsführer Velux Schweiz und kommissarischer Geschäftsführer von Velux Deutschland. »Heute verbringen die Menschen 90 % ihres Lebens in geschlossenen Räumen – und wir wollen dafür sorgen, dass die positiven Einflüsse von Tageslicht trotzdem erleb- und spürbar sind«, ergänzt er.

Tageslicht erhöht Leistung und reduziert Krankheiten

Wie wichtig Tageslicht für Menschen ist, wird bei Velux nicht nur in der Entwicklungsabteilung thematisiert, sondern auch beim Fachpresse-Event: Das Unternehmen lädt am Vorabend großer Messe-­Eröffnungen die Medienvertreter zu einem Informationsabend in geselligem Rahmen – so auch in Köln im Vorfeld zur Dach+Holz. Hauptredner des Abends_ Der Schlafforscher Dr. Dieter Kunz, der die Anwesenden unterhaltsam und leidenschaftlich darüber informierte, welche Bedeutung Tageslicht auf unser Dasein hat – und welche Folgen auftreten, wenn man zu wenig davon bekommt.
Es sei nachweisbar, dass verbesserte Lichtleistung auch eine verbesserte Leistungsfähigkeit nach sich ziehe, sagte Kunz. Besonders in Schulen und Firmen werde diesem Umstand oft noch zu wenig Bedeutung beigemessen, kritisierte er, warnte aber gleichzeitig vor »Licht-Doping«. Häufiger als zu viel Licht sei allerdings das gegenteilige Phänomen anzutreffen. »500 Lux sind nun mal nur ein Promill davon, wofür wir gebaut sind«, sagte Kunz.

Gleichzeitig erläuterte der Schlafforscher, welche weitreichenden Wirkungen das Tageslicht auf unser Befinden hat_ Neben der Synchronisation der »inneren Uhr« sowie der Steigerung von Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und Gesundheit werde das Risiko schwerer Krankheiten wie Alzheimer und Krebs reduziert. »Auch die Winter-Depression, eine Art Winterschlaf bei Menschen, wird durch ausreichend Tageslicht verhindert«, so der Schlafforscher.

Fensterfläche: Deutschland im Europavergleich weit hinten

Mehr Tageslicht ist auch das Anliegen von Klaus Gollwitzer, seit einem halben Jahr Bereichsleiter Marketing bei Velux Deutschland. Am neuen Velux-Messestand setzt er auf die Erlebbarkeit der Produkte. Im Gespräch mit dem baustoffPARTNER weist er darauf hin, dass Deutschland bei den Bauverordnungen, die von den einzelnen Bundesländern erlassen werden, in Sachen Fensterfläche im europäischen Vergleich weit hinten liegt_ »In Deutschland ist eine prozentuale Fensterfläche von 10 bis 12 % vorgeschrieben – zum Vergleich_ In Frankreich sind es 20 %, und die höchste Quote in Europa hat Belgien!«
Seine Marketing-Strategie verfolgt deshalb unter anderem das Ziel, das Thema »Tageslicht« verstärkt ins Bewusstsein zu rücken: Endverbraucher sollen mit Werbespots im Rahmen einer TV-Kampagne sensibilisiert werden, für Planer und Verarbeiter gibt es eine telefonische »Tageslichtberatung«, die ergänzt wird durch digitale Angebote. So will Velux dafür sorgen, dass auch in Deutschland eine prozentuale Fensterfläche von 15 bis 20 % Normalität wird, »und das nicht nur bei Neubauten, sondern auch beim Sanieren im Bestand«, betont Gollwitzer.


Neue Köpfe für eine ehrgeizige Wachstums-Strategie

Die Ziele der Velux-­Gruppe und die Strategie, mit der diese erreicht werden sollen, werden alle vier Jahre bei der »Velux World Conference« bekannt gegeben – zuletzt im September 2017, als auch der neue Velux-CEO David ­Briggs vorgestellt wurde. Er führt die Velux-Gruppe mit Sitz in Hørsholm seit Jahresbeginn. Er folgt auf Jørgen Tang-Jensen, der in den Ruhestand gegangen ist.
Der 52-jährige Brite Briggs setzt auf eine Wachstumsstrategie, in der sich der bisherige Geschäftsführer von Velux Deutschland, Dr. Sebastian Dresse, nicht wiederfand. Er hat deshalb nach sechs­einhalb Jahren seinen Posten geräumt und das Unternehmen verlassen. Kommissarisch hat Felix Egger übernommen, die Suche nach einem Nachfolger läuft.
 

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