Der Arbeitstag von Elias D. beginnt früh und ist abwechslungsreich. Um sechs Uhr startet seine Schicht bei einem großen deutschen Fensterhersteller. Ob Zuschnitt, Klebetisch oder Verglasung: Erst kurz vor Beginn steht fest, wo der 15-Jährige eingesetzt wird. Elias ist im ersten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker und baut Aluminiumfenster zusammen.Besonders gern arbeitet Elias am Klebetisch. Hier werden die Fensterrahmen aus Aluminiumprofilen zusammengesetzt. Dabei ist handwerkliches Geschick gefragt, denn die Einzelteile müssen genagelt, verklebt und passgenau zusammengefügt werden. Es kommt auf den Millimeter an: »Wenn man mit dem Hammer danebenhaut oder die Profile unsauber zusammensetzt, sieht man das sofort«, erklärt der Auszubildende.Auch den Zuschnitt der Aluminiumprofile lernt Elias kennen. Sechs Meter lange Stangen müssen auf die richtige Länge gebracht werden. Dabei hilft ihm eine computergesteuerte Säge. Später folgen weitere Arbeitsschritte wie das Einziehen von Dichtungen, der Einbau von Schlössern und Getrieben oder die Komplettierung von Haustüren. Auch dafür ist handwerkliches Können gefragt, auf das Elias stolz ist: »Es ist faszinierend, aus so langen Profilen ein Fenster mit allem Drum und Dran herzustellen. Wer kann das schon mit 15 Jahren?«Auch Jaden W. schätzt die handwerkliche Komponente seiner Arbeit. Der 19-Jährige ist ebenfalls im ersten Lehrjahr, allerdings in der Ausbildung zum Fertigungsmechaniker. Hier liegt der Schwerpunkt auf Kunststofffenstern. Entgegen der landläufigen Meinung ist die Arbeit mit dem Material anspruchsvoll: »Der Kunststoff darf keine Stöße erhalten und der Rahmen muss die richtige Temperatur haben, sonst reißt er oder verzieht sich«, erklärt Jaden.Weil der Kunststoff so leicht ist, gehört es zu seinem Job, Stahlverstärkungen in die Profile einzuführen und sie richtig zu positionieren. Besonders interessant findet er den Einbau des Fenstergetriebes. Dabei handelt es sich um die unsichtbare Mechanik im Inneren des Fensterflügels, die dafür sorgt, dass er sauber öffnet und schließt. Auch hier unterstützt der Computer. Der Bildschirm zeigt an, welche Beschläge mit welchen Maßen benötigt werden. »Man muss aus 32 verschiedenen Bauteilen die richtigen heraussuchen und sauber zusammensetzen«, erklärt der angehende Mechaniker. Fragt man ihn, worauf er stolz ist bei seiner Arbeit, nennt Jaden verloren geglaubte Tugenden: »Ich komme gut auf meine Stückzahl, der Chef lobt mich für meinen Fleiß. Und ich war noch keinen einzigen Tag krank!«
Entscheidung fürs Handwerk
Beide Auszubildende haben sich bewusst für einen handwerklichen Beruf entschieden. Praktika halfen bei der Orientierung und letztlich auch bei der Wahl des Unternehmens. Jaden sagt: »Ich habe vorher einen sozialen Beruf ausprobiert, aber am Ende wollte ich etwas mit den Händen machen. Im Fensterbau sieht man am Ende des Tages, was man geschafft hat. Das gibt ein befriedigendes Gefühl.« Wichtig ist den beiden Auszubildenden auch die Anerkennung, die sie im Betrieb erhalten. Sie wollen nicht »verheizt«, sondern angeleitet, unterstützt und gefördert werden. Und diese Förderung erhalten sie. Denn mit dem Abschluss ist die Ausbildung nicht vorbei. In einem elektrotechnischen Lehrgang beschäftigen sich die Auszubildenden intensiv mit der Digitalisierung der Fenster- und Türenwelt: Sie lernen, Türschlösser fürs Smart Home und elektrisch angetriebene Fenster zu montieren. Auch der beliebte Staplerführerschein kann erworben werden, und wer perspektivisch mehr Verantwortung übernehmen möchte, hat zudem die Möglichkeit, den Meister machen. Die Ausbildung zum Fertigungsmechaniker dauert drei Jahre, die zum Konstruktionsmechaniker dreieinhalb Jahre. In der Praxis haben die beiden Ausbildungsgänge viel gemeinsam, beim Konstruktionsmechaniker liegt der Schwerpunkt jedoch auf der Metallverarbeitung. Nach der Ausbildung liegt das mittlere Gehalt für Fertigungsmechaniker laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit bei knapp 3 800 Euro, für Konstruktionsmechaniker bei knapp 3 600 Euro.