Das Dach

Unabhängig mit Dämmung und Fotovoltaik

In Kelsterbach, unweit des Frankfurter Flughafens, entstand 2014 ein Apartmenthaus der Superlative. Das Gebäude ist mit den 62 Wohneinheiten das zurzeit größte Passivhaus in monolithischer Bauweise. Mit Attikaelementen und hoch wärmedämmenden Flachdächern leistete der Dämmstoffhersteller puren einen erwähnenswerten Beitrag zum gelungenen Objekt.

Die Mieter werden sich wundern. Die Wohnungen besitzen keine klassische Heizung, sondern elektronisch geregelte Elektro-Direktheizkörper, eine hoch effiziente kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung und immer warmes Wasser im Tagesspeicher. Eine Kaltmiete gibt es in diesem Wohnhaus nicht. Die selbstversorgenden Bauherren haben beschlossen, dass es nur eine Warmmiete gibt. So spart man sich sogar die ungeliebte Heizungsabrechnung.
Damit das alles so funktioniert, griff Planer Erwin Charwat konsequent auf neueste verfügbare Technik zurück. Doch der Baupreis von unter 1800 €/m² belegt eindrucksvoll, dass hier ein Realist am Werke war. Das Rezept klingt eigentlich einfach_ Dreifachverglasung der Fenster, 49 cm dickes Ziegelmauerwerk (Juwö), Attika- und Flachdachdämmung von puren und solide Dämmdicken in Keller und Dach. Die U-Werte der Wände liegen bei 0,14  W/m²K, der Flachdächer bei 0,1 W/m²K.
DerPrimärenergiebedarf beläuft sich auf lediglich 7,5 kWh/m²a (zum Vergleich_ KfW-EH 40 ≤ 25 kWh/m²a). In einem Jahr wird man wissen, ob die auf dem Dach montierte 100 kWp-Fotovoltaikanlage und die Steuerung der Ströme aus diesem Objekt vielleicht sogar ein Plusenergiehaus (Effizienzhaus plus) machen.
Die Wohnungen benötigen so gut wie keine Heizung. Der größte berechnete Energieverbraucher ist mit prognostizierten 67 % der Lüftungswärmebedarf. Deshalb wurden von den Haustechnikern hoch effiziente Wohnungslüftungssysteme mit über 90-prozentiger Wärmerückgewinnung gewählt. 12,8 % der Energie gehen durch die Fenster und 8,7 % durch die Wände verloren. Das große Dach ist mit insgesamt nur 3,9 % am Energieverbrauch beteiligt. Dazu haben entscheidend auch die modernen Attikalösungen von puren beigetragen.Wärmebrücken vermeiden
Monolithische Mauerwerke, sind sie auch noch so dick und dämmend, offenbaren systembedingt Schwächen an Durchbrüchen aller Art. Mit partiellem Einsatz von Zusatzdämmungen lässt sich die Schwäche jedoch ausgleichen. Im Attikabereich erzeugt beispielsweise die oberste Betondecke, die das dämmende Mauerwerk komplett durchdringt, eine erhebliche Wärmebrücke. Hier setzte Planer Charwat auf das Attikaelement von puren. Es dient als dämmendes Verbindungselement zwischen der sehr guten Dämmung des Flachdaches und der Zusatzdämmung der Wand.
Bei hoch wärmegedämmten Gebäuden fällt dieses Detail als geometrische, konstruktive und materialbedingte Wärmebrücke gleich dreifach ins Gewicht. Wärmebrücken fließen im Normalfall mit einem Psi-Wert in die Wärmeberechnung eines Gebäudes ein. Ein Psi-Wert von 0,3 besagt beispielsweise, dass der Wärmeschutz eines Bauteiles um den Differenzbetrag 0,3 W/mK schlechter ist als das ungestörte Bauteil. Das Attikaelement von puren weist dagegen im besten Fall mit minus (-) 0,01 einen negativen Psi-Wert auf. Das bedeutet, dass ein mit dem Attikaelement gedämmtes Gebäudedetail bessere Dämmeigenschaften aufweisen kann, als die angrenzenden ungestörten Dämmlagen des Flachdaches und der Fassadendämmung.Alle Flachdächer des Wohnhauses sind mit bis zu 290 mm dicken PUR/PIR Gefälledämmungen mit einem Lambda von 0,026 W/mK hoch isolierend ausgeführt. Die Platten wurden auf einer bituminösen Dampfsperre verlegt und abschließend zweilagig mit bituminösen Dachbahnen abgedichtet. PUR/PIR-Dämmstoffe können kurzzeitig Temperaturbelastungen bis zu 250° C vertragen, und so dürfen die Bitumenbahnen problemlos mit dem Gasbrenner auf die Dämmstoffe geklebt werden. Die bituminöse Abdichtung ist auf die Attikaelemente hochgeführt und dort auf die mit einem bituminösen Haftanstrich behandelten Attikaelemente geklebt.
Der Bau eines Apartmenthauses, das sich selbst versorgt, fordert vom Planer und Haustechniker neue Lösungen. Die Energie aus der eigenen Fotovoltaikanlage muss vom Dach sicher in die Steuerzentrale im Keller geführt und in die Wohnungen weitergeleitet werden. Dazu entwickelte der Planer Erwin Charwat brandsichere vertikale Kanäle in den Treppenfluren und gut zugängliche Kanäle in der Außenfassade. Bäder und Technikräume liegen zusammengefasst an diesen vertikalen Versorgungssträngen, sodass Strom und Medien als auch die Wasserversorgung und Abflussleitungen brandsicher, zentral und gut zugänglich organisiert sind.

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