Im Blickpunkt

Schallmauer durchbrochen_ BAU lockte mehr als 250 000 Besucher nach München

»Ab Montag Punkt 9.30 Uhr ging es los. Wir hatten ab der ersten Minute ›volles Haus‹, und so blieb das dann alle Tage, ohne Pause. Eine sensationelle Messe«, freute sich Martina Langnickel von Heinze, Deutschlands führendem Informationsdienstleister im Baubereich.

So oder ähnlich äußerten sich durchweg alle unsere Gesprächspartner in München. Die BAU-Bewertungen waren gespickt mit Superlativen, die Aussteller gaben sich hochzufrieden – Euphorie, Zuversicht und eine prächtige Stimmung war in allen Hallen zu spüren. Besucher und Aussteller waren mit großen Erwartungen angereist. Und die wurden auf der Messe nochmals klar übertroffen.
Hier die Zahlen, die die Veranstalter unmittelbar nach Toreschluss vorlegten_ Die BAU durchbrach in diesem Januar in ihrer 50jährigen Geschichte erstmals die Schallmauer von 250 000 Besuchern. Zu der schon seit langer Zeit völlig ausgebuchten Fachmesse kamen an den sechs Messetagen 251 200 Besucher, das sind über 16 000 mehr als 2013. Es kamen zwar auch mehr Besucher aus Deutschland, der deutliche Zuwachs sei aber den internationalen Gästen zu verdanken, hieß es. Rund 72000 Besucher kamen aus dem Ausland, das entspricht einem Plus von 20 %.

Leitmesse auch außerhalb der EU
»Die BAU hat sich mit den neuen Rekordzahlen jetzt auch eindeutig als Leitmesse außerhalb der EU herauskristallisiert. Das zeigt sich an dem starken Besucherzuwachs aus Ländern wie der Türkei, China oder Saudi-Arabien«, freute sich Messe-Geschäftsführer Dr. Reinhard Pfeiffer. China und Südkorea gehörten zu den Ländern mit den stärksten Anstiegen. China hat sich damit fest in den Top-Ten-Besucherländern der BAU etabliert, ebenso wie Russland. Auch aus Nahost, insbesondere aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten kamen erheblich mehr Besucher als 2013. Nicht zu vergessen_ die Türkei. Mit 3694 Besuchern liegt sie hinter Italien auf Platz vier der besucherstärksten Länder. Traditionell starke EU-Länder wie Österreich, Belgien, die Niederlande, Slowenien, Polen, die Tschechische Republik und Großbritannien legten ebenfalls noch einmal deutlich zu.
Dass irgendwie alle dabei sein wollten, das merkte wohl jeder, der sich seinen Weg durch die 17 Messehallen bahnte. Allgemeiner Tenor der Aussteller_ Die Hallen waren vom ersten Tag an voll. »Die BAU zeigte auch in diesem Jahr eindrucksvoll, wofür sie bekannt ist und worauf sich ihr Ruf gründet«, so Dr. Pfeiffer_ Randvolle Messehallen, spektakuläre Standbauten, professionelle Gespräche an den Messeständen und vor allem_ Besucher aus der ganzen Welt.
Eine Herausforderung auch für die Aussteller aus 42 Ländern. Sie waren gut gerüstet und scheuten wieder keinen Aufwand, um sich an den sechs Messetagen vor dem Fachpublikum in Szene zu setzen. An vielen Ständen wurde das Standpersonal am frühen Morgen auf den zu erwartenden Kundenansturm eingeschworen. Auch wenn die BAU 2015 von ihren Ausstellern vollen Einsatz forderte_ Angesichts immer neuer Rekordzahlen bei den Kontaktdaten war die Laune an den Messeständen blendend.Die Aussteller, obgleich verwöhnt von vergangenen Veranstaltungen, zeigten sich beeindruckt von dem anhaltenden Besucherstrom. Viele berichteten von zweistelligen Zuwächsen bei den Kontakten.
»Jeder Tag war ein Best-Of, besser als bei allen bisherigen Veranstaltungen«, erklärte Martin Möllmann, Direktor bei Dyckerhoff. Ähnlich äußerte sich Michael Wiessner, Vorstand Vertrieb und Marketing von Saint-Gobain Isover_ »Positiv überrascht sind wir von der hohen Besucherfrequenz vom ersten Messetag an. Wir hoffen, möglichst viel von der Euphorie, die wir auf der diesjährigen BAU gespürt haben, ins Tagesgeschäft mitnehmen zu können.« Auch Sopro-Geschäftsführer Andreas Wilbrand berichtete von einem großen Besucherandrang ab der ersten Minute, obwohl das Unternehmen von der A-Halle auf die B-Seite gewechselt hatte. Für Thomas Lauritzen von Schüco ist die BAU »für die Baubranche mittlerweile das, was die IAA für die Automobilindustrie ist. Die internationale Ausrichtung der BAU ist einzigartig.«
Ein Grund für die Faszination BAU war auch diesmal wieder das Aufgebot an Stararchitekten, beispielsweise im Forum C2_ Nacheinander sprachen dort Wolf D. Prix (COOP Himmelbau, Wien), Kenneth A. Lewis (Skidmore, Owings and Merill LLP, New York) Christoph Ingenhoven (ingenhoven architects, Düsseldorf) und Alfredo Brillembourg (Urban-Think-Tank, Zürich). Top-Referenten, gratis, authentisch, hautnah zum Anfassen mitten im Messetrubel.
Das »eine große Thema« gab es diesmal nicht. Im Vordergrund standen Produkt- und Systemlösungen zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz, Umwelt und Ressourcen schonende Materialien und Technologien sowie im Bereich BAU IT das Top-Thema »Building Information Modeling« (BIM). Abseits technologisch-funktionaler Themen ging es vor allem darum, wie man das Wohnen, Leben und Arbeiten in der Stadt der Zukunft gestaltet. Auch der Wohnkomfort war ein Thema.

»Sparst Du noch oder baust Du schon?«
Eröffnet wurde die Messe von Dr. Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Als Umwelt- und Bauministerin betrachte sie es als ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, »dass die Wohnkosten bezahlbar bleiben und gleichzeitig der erforderliche Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird«, erklärte die Ministerin, die sich viel Zeit für einen Messerundgang nahm und anschließend die BMUB-Konferenz unter dem Titel »Sparst Du noch oder baust Du schon« eröffnete.
Offenbar ist das Thema Bauen wieder in der Politik angekommen, denn nie zuvor war die politische Prominenz so stark auf der BAU vertreten wie in diesem Jahr.
Hendricks sieht die Baubranche eng mit der Energiewende verbunden. Ansprüche an das Bauen und die Anforderungen des Klima- und Umweltschutzes seien nur scheinbar unversöhnliche Gegensätze. Planer und Architekten, Bauunternehmer und Baustoffproduzenten hätten sich längst auf die Notwendigkeit energiesparender Gebäude eingestellt, sagte Hendricks.

Nach oben
facebook twitter rss