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Sanierung einer Dachterrasse mit System

Vor einigen Jahren boomten gestelzte Holzterrassen. Die mittlerweile in hohem Maße nicht mehr ansehnlichen Flächen werden immer öfter mit keramischen Belägen saniert. Wie sich dies technisch optimal ausführen lässt, dokumentiert das folgende Beispiel des Stelzlagers »Prostilt« von PROLINE.

Weinheim a. d. Bergstraße ist in der sogenannten Metropolregion Rhein-Neckar ein beliebter Wohnort. Besonders reizvoll sind die Ortsteile, die im vorderen Odenwald liegen und einen herrlichen Blick in die Berg- und Tallandschaften gewähren. Bau-herr Jens O. Holthaus hat hier 2011 mit seiner Familie gebaut und auf der geplanten Dachterrasse eine kesseldruckimprägnierte Kiefer als Terrassendiele verlegen lassen.
Was zu Beginn ein echter Hingucker war, wurde schnell zum Ärgernis für die gesamte Familie. Nach nur einem Sommer kam es partiell zu Ausblühungen des Harzes, das Holz wurde porös und dunkel, die Kinder traten sich oft Splitter in die Füße usw. Kurzum_ Nach nur fünf Jahren Liegezeit entschied der Bauherr_ »Die Terrasse muss weg.«

Sanierung mit aufgestelzter Outdoor-Keramik in XXL
Um die Großzügigkeit der gut 30 m2 umfassenden Fläche zu erhalten, wurde eine Outdoor-Keramik im XXL-Format von Grohn ausgewählt. Die Platten im Format 1 200 x 600 mm der Serie »TALK« sind 20 mm stark und sollten im Kreuzverband verlegt werden. Für die Unterkonstruktion entschied sich der Bauherr aus verschiedenen Gründen für das Stelz- und Plattenlager »Prostilt« von PROLINE.
Die Verlegung von rund 40 kg schweren Platten auf einem abgedichteten Flachdach setzt voraus, dass man insbesondere gegenüber der feuchtigkeitsrelevanten Abdichtung ein Höchstmaß an konstruktiver Sicherheit und Schutz schaffen muss, damit diese erhalten bleibt. Dafür sind vor allem fünf Faktoren wichtig.Erstens: Stelzfuß darf die Abdichtung nicht beschädigen
Die Stelzfüße müssen im unteren Bereich so beschaffen sein, dass sie die Bitumenbahnen auch bei extremer Belastung nicht beschädigen. »Prostilt« sorgt laut Hersteller durch eine extrem große Standfläche (ø 20 cm) sowie ein unter den Stelzfuß zu legendes Gummigranulat-Pad für extreme Sicherheit hin zur Abdichtung im unteren Bereich. Eine integrierte Aluminiumkaschierung verhindert hierbei die Wanderung von Weichmachern von der Bitumenbahn in den Stelzfuß, sodass der Kunststoff des Stelzfußes dauerhaft seine Funktion behält. Darüber hinaus wird durch das dämpfende Pad unten sowie ein zweites Pad, das auf die Oberseite gelegt wird, der Gehkomfort auf der späteren Terrasse merklich angenehmer und weicher.

Zweitens: Abstandshalter zur Attika-Abdichtung
Die Dachterrasse bei Familie Holthaus verfügte über ein komplexes Abdichtungssystem, das im Wandbereich vertikal verlief und so eine Art Wanne ausbildete. Um auch hier Beschädigungen durch eventuell sich bewegende Platten zu vermeiden, hat PROLINE einen speziellen Clip entwickelt, der auch in Weinheim zum Einsatz kam. Im Randbereich der Dachterrasse – dort, wo die Attika-Abdeckung an das Mauerwerk anschließt – wurde der »Prostilt«-Clip mit Abstandshalter und integralem Neoprenpad ausgeführt. Dieser wird einfach auf die Oberseite des Tellers vom Stelzfuß aufgesetzt und von den hier befindlichen Fugenstegen automatisch fixiert. Der Abstandshalter bildet eine konstante, 10 mm starke Fuge zur Wand bzw. zum Dachterrassenabschluss. Hierdurch kann sichergestellt werden, dass auch bei Flächenausdehnungen oder -bewegungen des Obermaterials die Abdichtung der Dachterrasse keinen Schaden nimmt.

Drittens: Rinnenlösung hin zum Fenster bzw. zur Tür
Im Übergangsbereich der Terrassen zum Wohnraum, also dort, wo die Fenstertür verbaut ist, musste nach DIN18040-2 eine Entwässerungsrinne verbaut werden, um bei Starkregen oder Schneeverwehungen das Eindringen von Wasser in den Innenbereich zu vermeiden. Auch hier bietet »Prostilt« eine schöne und vor allem systemische Lösung mit dem Rinnenset aus der gleichen Serie.
Die Rinne wurde mit einer Abstandfliese etwas versetzt vom Fenster installiert. Hierzu wird die Rinne auf dem hälftigen Teller des Stellfußes aufgesetzt und verschraubt. Im Folgenden konnte die passende Anschlussfliese zwischen Rinne und Türrahmen verlegt werden. Die Rinne nebst Rost ist damit durch die identische Aufbauhöhe flächenbündig eingefasst.

Viertens: Entwässerung der Fläche über Bitumenbahn
Nachdem die sensiblen Stellen des Hauses gesichert sind, stellt sich natürlich die Frage, wohin bei dem Objekt das Wasser läuft. In diesem Fall war die Terrasse bauseits bereits mit einem Gefälle ausgerüstet, das das Wasser über Fallrohre direkt in eine Zisterne kanalisierte.
Die Terrasse musste also mit unterschiedlichen Höhen der Stelzlager umgesetzt werden, um den Oberbelag analog des Kundenwunsches eben zu gestalten. Regnet es, wird das Regenwasser durch die Fugen nach unten entwässert und dann abgeleitet.

Fünftens: Unterschiedliche Höhen überwinden
Systembedingt war die Verlegung auf dem abfallenden Dach sehr einfach auszuführen, denn die extrem stabilen »Prostilt«-Stelzlager sind in Höhen von 27 bis 170 mm lieferbar und können dank einer ergonomisch angeordneten Stellschraube mühe- und stufenlos in der Höhe verstellt werden. Die hohe Flexibilität ist laut Hersteller ein Kern der »Prostilt«-Philosophie. Wenn das System einmal verstanden wurde, lässt sich damit sehr einfach und nahezu intuitiv arbeiten.
Gerade bei der Sanierung sowie im städtebaulichen Umfeld sind die Möglichkeiten, mit Stelzlagern keramische Terrassen zu gestalten, enorm umfangreich. Durch das geringe Gewicht des Systems im Vergleich zu herkömmlicher Verlegung mit Splitt oder Bettungsmörtel kann »Prostilt« bei einer Vielzahl von Projekten zum Einsatz kommen. So ist es möglich, Gebäude mit Dachterrassen auszustatten, bei denen dies vorher statisch nicht denkbar schien.
In Weinheim hat das System den Bauherrn komplett überzeugt. »Selbst nach dem Winter mit viel Schnee und Regen sah die Terrasse im Frühjahr wieder aus wie neu. Dadurch, dass die Platten nur aufliegen, aber nicht fest mit dem Untergrund verbunden sind, bleibt uns in Zukunft sogar noch die Möglichkeit, Kabel für die Weihnachtsbeleuchtung oder Ähnliches unsichtbar zu verlegen«, sagt Holthaus. »Wir sind froh, die Holzterrasse entsorgt und mit ›Prostilt‹ eine brillante Lösung für die Verlegung großformatiger Fliesen für unsere Terrasse gefunden zu haben.«

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