Ravago Building Solutions Germany GmbH Ein Dämmstoff, der hält, was er verspricht

Lesedauer: min | Bildquelle: Ravago Building Solutions
Von: Peter Lang

Als Teil der weltweit tätigen Ravago-Gruppe ist Ravago Building Solutions in der DACH-Region auf die Herstellung und den Vertrieb von XPS-Dämmstoffen spezialisiert. Im Interview mit dem baustoffPARTNER am Produktionsstandort Rheinmünster spricht Vertriebsleiter Jan Grothe über das spezielle Vertriebskonzept auf dem deutschen Markt, die Vorteile von Umkehrdächern mit XPS sowie die steigenden Anforderungen an den Baustoff.

Die Ursprünge von Ravago liegen in Belgien, wo Gründer und Namensgeber Raf van Gorp im Jahr 1961 die Firma als lokales Recyclingunternehmen – u.a. für petrochemische Abfälle – gründete. Heute ist das sich nach wie vor in Familienbesitz befindende Unternehmen weltweit tätig – in den Bereichen Recycling sowie im Vertrieb von Polymeren und Baustoffen. Mit der Herstellung von XPS-Dämmstoffen begann Ravago im Jahr 2012 in Balaton in Ungarn, wie Jan Grothe, Vertriebsleiter von Ravago Building Solutions, erläutert. Ende 2018 verkaufte Dow die Baustoff-Sparte seines Europageschäfts inklusive Produktionsanlagen an Ravago.

Fast das gesamte Dow-Vertriebsteam wechselte zu Ravago«, erinnert sich Jan Grothe, was einen praktisch reibungslosen Übergang des XPS-Geschäfts ermöglichte. »Kurz darauf haben wir die unterschiedlichen Produkte unter dem neuen Markennamen ›Ravatherm‹ vereint.« Mit mittlerweile zehn Produktionsstätten in Europa gehört Ravago zu den größten Anbietern von XPS-Dämmsystemen. Die deutschen Werke befinden sich in Schkopau (Sachsen-Anhalt) sowie im badischen Rheinmünster. Die Anlage in Rheinmünster an der deutsch-französischen Grenze blickt als erste XPS-Anlagen in Europa auf rund 60 Jahre Erfahrung bei der Produktion von XPS zurück.

Projektorientiertes und selektives Vertriebskonzept

Mit dem deutschen Vertriebsteam setzt Jan Grothe, der seit 1999 im XPS-Markt arbeitet, auf ein vom Wettbewerb differenziertes Vertriebskonzept. »Wir sind sehr projektlastig«, so Grothe. Das Vertriebsteam setzt sich aus Verkaufsmitarbeitern zusammen, die die klassische Handelsbetreuung machen, aber auch aus Anwendungstechnikern für die technische Beratung, die sehr nah am Planer und am Verarbeiter sind. »Unsere Produkte verkaufen wir über ein ›Stützpunkthändler-Konzept‹ - wir setzten auf ein gewachsenes Vertriebsnetz mit Handelspartner, die unsere Produkte gut kennen und auch in ihrem Lager vorrätig haben« Mit diesen Partnern werden dann auch die im Vorfeld akquirierten Projekte umgesetzt. Dabei handelt es sich in erster Linie um Neubauprojekte in Massivbauweise – vom Wohnungsbau über Hotels bis hin zu Krankenhäusern und Schulen. Der Sanierungsbereich spielt dagegen bei Ravago kaum eine Rolle.

Ein unverwüstlicher Werkstoff – nicht nur für Umkehrdächer

Ravago Building Solutions fertigt seine »Ravatherm«-Produkte in unterschiedlichen Druckfestigkeitsstufen an - das Material zeichnet sich insbesondere durch sein hohe Belastbarkeit, seine ausgezeichnete Dämmleistung, die Feuchtigkeitsunempfindlichkeit und seine lange Lebensdauer aus. Die hellblauen »Ravatherm«-Dämmplatten sind je nach Anwendung in den Druckfestigkeitsklassen 300, 500 oder 700kPa erhältlich. Mit »Ravatherm XPS X« hat Ravago zudem eine Dämmplatte im Sortiment, Die aufgrund von Wärmestrahlung reflektierenden Kohlestoffpartikel eine nochmals verbesserte Dämmleistung besitzt.

Ein aktuelles Beispiel ist das »Moringa«-Gebäude in der Hamburger HafenCity, bei dem ein extensiv begrüntes Umkehrdach mit »Ravatherm XPS X 300 SL«-Dämmplatten errichtet wurde. Das Thema Umkehrdach wird bei Ravago seit Jahren vorangetrieben, weil es laut Jan Grothe für den Bauablauf und die Baunutzung viele Vorteile hat. Im Unterschied zum konventionellen Dach wird beim Umkehrdach die Dämmung oberhalb der Dachabdichtung installiert. Die XPS Platten können dabei sowohl einlagig als auch zweilagig auf der Dachabdichtung verlegt werden. Dadurch wird die Abdichtung vor extremer mechanischer und thermischer Beanspruchung geschützt. Weiterer Vorteil: Dank der Druckfestigkeit der XPS-Dämmung lassen sich auf dem Flachdach alle denkbaren Aufbauten – vom Gründach über das Retentionsdach bis hin zu PV-Anlagen – realisieren. »So lange die Dachkonstruktion das trägt, der Dämmstoff trägt es auf jeden Fall«, betont Jan Grothe. Gerade in Ballungsräumen ist das Umkehrdach immer öfter anzutreffen. »Etwa in Hamburg hat das Umkehrdach einen extrem hohen Anteil, weil die auf Flachdächer ausgerichtete Bauweise dafür prädestiniert ist. Die Menschen möchten das Dach nutzen und sich auf den begrünten Flächen aufhalten«, sagt der gebürtige Hamburger Jan Grothe.

Dass die »Ravatherm«-Dämmplatten ihre Leistungsfähigkeit auch im langjährigen Einsatz behalten, belegen Untersuchungen an bestehenden Umkehrdächern: Bei dem Bürokomplex »The Oval« in Düsseldorf hat das Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) nach mehrjährigem Einsatz mehrere »Ravatherm XPS«-Dämmstoffplatten aus einem begrünten Umkehrdach entnommen und in den Prüfeinrichtungen des FIW in München untersucht: Nach Jahren im Einsatz war in den Platten nur extrem wenig Feuchtigkeit nachzuweisen. Die Wärmeleitfähigkeit lag weit unter den Bemessungswerten gemäß allgemeiner Bauartgenehmigung – d.h. der gemessene Lambda-Wert war deutlich besser, als der bei der Planung ursprünglich angesetzte Wert. Auch die Druckfestigkeit der Platten war mit über 300kPa unverändert hoch. Auch die wasserableitende Trennlage »Ravatherm XPS MK« zeigte sich in einwandfreiem Zustand und war weiterhin voll funktionsfähig.

Ohne den Werkstoff XPS geht es nicht

Trotz seiner unbestrittenen Qualitäten ist der Werkstoff XPS wie andere Kunststoffe immer wieder neuen regulatorischen Anforderungen von Seiten der EU oder der Bundesregierung ausgesetzt. Dies liegt insbesondere daran, dass bestimmte Stoffe aus ökologischen Gründen durch andere ersetzt werden mussten. »Aber im Grunde ist das Produkt kontinuierlich verbessert worden in puncto Energieeinsparung, sprich der Lamda-Wert wurde ständig optimiert«, betont Jan Grothe. Als Mitglied im Verband FPX (Fachvereinigung Extruderschaum), dessen stellvertretender Vorsitzender Jan Grothe seit 2026 ist, arbeitet Ravago auch an einer besseren Sichtbarkeit und Akzeptanz des Baustoffs XPS. Es gebe immer wieder Bestrebungen, Baustoffe aus Kunststoff zu ersetzen, so Grothe, aber letztlich scheitere dies an den baulichen Standards. Die Kombination aus Druckfestigkeit und geringer Feuchteaufnahme bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit sei bei keinem anderen Werkstoff so gegeben wie bei XPS. In einem Fachbeitrag des FPX heißt es zu der Frage, ob kunststofffreies Bauen in der Realität möglich ist: »Die Bewertung von Bauprodukten ist deutlich komplexer, als lediglich den Kunststoffgehalt zu betrachten. Neben den bauphysikalischen Eigenschaften müssen Anforderungen wie CO2- Reduzierung, Öko- oder Humantoxizität, Recyclingfähigkeit und Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Oftmals sind Bauprodukte aus Kunststoff erforderlich, um baurechtliche Anforderungen zu erfüllen. Beispielsweise sind heutige Standards für Bauqualität, preiswertes Bauen und Schallschutz ohne Kunststoffprodukte schwer zu erreichen.«


Gerade das Thema Recycling hat sich der Verband FPX auf seine Fahnen geschrieben. Mit »XPS Circular« wurde ein Recyclingsystem ins Leben gerufen, bei dem XPS-Abfälle von der Baustelle von einem Dienstleister gesammelt und der Wiederverwertung bei den Dämmstoff-Herstellern zugeführt werden. Leider sei die Akzeptanz dieses Systems aber noch nicht so groß wie gewünscht. Jan Grothe sieht hier die Politik in der Pflicht, denn so lange gewisse Anteile von Kunststoff im Bauschutt entsorgt werden dürfen, sei dies für die Unternehmen günstiger und der Anreiz für eine echte Kreislauflösung zu gering.

Hohe Nachfrage bei schwierigen Rahmenbedingungen

Mit seinem auf das Projektgeschäft ausgerichteten Vertriebskonzept ist Ravago in den letzten Jahren sehr gut gefahren – trotz sinkender Nachfrage im Neubau. Die aktuelle Situation ist einerseits gekennzeichnet durch höhere Kosten für, Rohstoffe, Energie und Logistik, aber auch durch einen deutlichen Nachfrageschub seit Ende Februar. Viele Projekte liefen parallel wieder an, gleichzeitig deckte sich der Handel verstärkt mit XPS ein, um seine Lager zu füllen. »Derzeit sind unsere Produktionsstätten voll ausgelastet«, sagt Jan Grothe. »Speziell in Österreich spüren wir, dass der Neubau wieder anzieht.« Ob sich dieser Nachfrageboom aus den ersten Monaten verfestigt, sei aber jetzt noch nicht abzusehen. Von einem kann man aber nach Ansicht von Jan Grothe ausgehen: »Der Bedarf an Dämmstoffen wird in Zukunft weiter steigen, weil das Thema Energieeffizienz europaweit ein großes Thema bleibt.« Und wenn die »Green Deal«-Pläne der EU realisiert werden sollten, dann reiche die jetzige Produktionskapazität ohnehin nicht aus.

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