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Rasantes Wachstum bei HIRSCH Porozell

Ursprünglich mit Maschinen für den EPS-Bereich bekannt und erfolgreich geworden, ist die Hirsch Servo Gruppe heute der nach eigenen Angaben größte EPS-Produzent in ganz Europa. Mit insgesamt 26 Werken, sechs davon in Deutschland, produziert das Unternehmen weit über fünf Millionen Kubikmeter EPS. Beeindruckend ist auch das Wachstum der Firma: In den vergangenen zwei Jahren hat die Hirsch Gruppe nicht nur die EPS-Sparte von Saint Gobain Rigips übernommen, sondern auch IsoBouw. Ganz neu ist der Deal mit sechs französischen Werken, die erst diesen Januar von der Hirsch Gruppe übernommen wurden. Diese Akquisitionen wurden durch den dynamischen Vorstand der Muttergesellschaft der Hirsch Servo AG in Österreich, Harald Kogler herbeigeführt. Mit diesem Zuwachs hat das Unternehmen seine Kapazität verdreifacht und erwartet in diesem Jahr einen Bruttoumsatz von ca. 300 Mio. Euro. Der baustoffPARTNER hat den Standort von Hirsch Porozell in Abstatt besucht und sich selbst ein Bild vom stark wachsenden Unternehmen gemacht. Bei einem Blick hinter die Kulissen hat das Redaktionsteam anschaulich erfahren, wie EPS, das vielen als Styropor bekannt ist, eigentlich hergestellt wird.

Von Christine Seif

Seit 2018 hat Hirsch Porozell ein rasantes Wachstum hingelegt. In den 1970er-Jahren ist die Hirsch Gruppe mit Transportverpackungen aus Polypropylen und dem Bau von Maschinen für den EPS-Bereich bekannt geworden. »Auch heute noch ist die Maschinentechnologie von Hirsch weltweit bekannt und beliebt. Gerade in Ost- und Südosteuropa hat diese Sparte deutlich an Zuwachs gewonnen«, erzählt Geschäftsführer Christian Grimm im Gespräch am Standort in Abstatt. Hier in Abstatt liefen bis vor einigen Monaten noch Dämmplatten von IsoBouw vom Band – die Hirsch Gruppe hat das Unternehmen IsoBouw 2018 übernommen. Im Herbst 2019 fand die offizielle Verschmelzung statt. »Die Verschmelzung ist die logische Konsequenz nach der Übernahme der IsoBouw im Mai 2018. Die zuvor konsequente Erarbeitung und Umsetzung von Synergien zwischen den beiden Gesellschaften in den Bereichen Vertrieb, Forschung und Entwicklung, Einkauf, Produktion inklusive der Vereinheitlichung der Informationstechnologie bildeten die gesunde Grundlage. Wir sehen mit diesem Schritt eine weitere Vereinfachung und Verbesserung der Abläufe und eine Stärkung unserer Kundenorientierung.«

Schnelle Lieferzeiten, wirtschaftliche Frachtwege

Die geografische Positionierung der Dämmstoffwerke in Rheda-Wiedenbrück, Ebrach, Grombach, Abstatt, Bad Waldsee und Micheln mit den erfahrenen Mitarbeitern in der Produktion sowie im Vertriebsinnen-und Außendienst sind die Basis für eine zuverlässige Beratung sowie Belieferung der Kunden mit einem vielfältigen innovativen Produktmix. Zudem sind mit dieser geografischen Verteilung in Deutschland kurze Wege und damit schnelle Lieferzeiten möglich. Insgesamt verbessere sich das Angebot jetzt auch für den Handwerker. Denn er bekommt nun ein abgestimmtes Produktportfolio sowie die Innovationen aus beiden Unternehmen aus einer Hand.

Bereits 2018 hat die Hirsch Gruppe das EPS-Geschäft der Saint Gobain Rigips in Deutschland übernommen – doch mit diesen Übernahmen ist der Zuwachs noch nicht komplett. Erst in diesem Jahr wurden auch sechs französische Werke übernommen. Insgesamt verfügt die Hirsch Servo Gruppe nun über 26 Werke in acht Ländern. Rund 1 500 Mitarbeiter sind dort tätig.

Von Saint Gobain Rigips hatte die Hirsch Gruppe nur die Gebäude, Maschinen und Mitarbeiter übernommen, nicht aber die Verwaltung. Das steuerte jetzt alles das ehemalige Unternehmen IsoBouw bei. »Die Übernahme war wirklich ein Mammut-Projekt«, erzählt Grimm, der bereits bei Saint Gobain die EPS-Sparte leitete. »Wir mussten unterschiedliche Bereiche verschmelzen und verschiedene Prozesse verknüpfen – und das in recht kurzer Zeit. Aber wir sind wirklich schnell zusammengewachsen. Mittlerweile sind wir eine Einheit und alle sind motiviert. Wir sind auf einem guten und erfolgreichen Weg, würde ich sagen.«

Auf der ganzen Welt bekannt: Styropor

An allen Standorten werden hochwertige Produkte aus EPS hergestellt. EPS ist nicht allen geläufig, unter dem Markennamen »Styropor« ist es aber wirklich jedem bekannt. Wie dieser Stoff hergestellt wird, durfte die baustoffPARTNER-Redaktion in Abstatt selbst erleben.

Gunnar Schubert, Werksleiter in Abstatt, sowie sein Produktionsleiter Roberto Keil geben der baustoffPARTNER-Redaktion einen interessanten Einblick in die Produktion. In riesigen Kartonsilos wird der Rohstoff, das Polystyrol, in ganz feinen Perlen in Abstatt angeliefert. »Dabei gibt es unterschiedliche Körnungen für die verschiedenen Produkte – von 0,3 bis 2,8 mm Durchmesser«, erklärt Roberto Keil. »Verschiedene Hersteller liefern unterschiedliche Polystyrol-Kügelchen, in der Größe und auch der Farbe, denn neben Weiß gibt es auch Grau und Schwarz. Jede Farbe hat auch eine andere Funktion – je dunkler, desto besser ist beispielsweise die Wärmedämmung.«

EPS – Expandiertes Polystyrol

Von dort werden die Kügelchen in sogenannte »Vorschäumer« befördert und mit heißem Wasserdampf versetzt. »Das in den Kügelchen vorhandene Pentan führt dazu, dass die Kügelchen fast wie Popcorn ›aufgehen‹ und ihr Volumen auf das 50-Fache vergrößern – sie expandieren«, so Gunnar Schubert. So erklärt sich auch der Name EPS, expandiertes Polystyrol. Dann werden sie in Silos zum Auskühlen gelagert. Im zweiten Schritt wird das bereits expandierte Polystyrol in Blockformen gefüllt und erneut mit Wasserdampf versetzt. Die Kügelchen wollen nochmals expandieren, was aufgrund der engen Form jedoch nicht möglich ist. Daher »kleben« die Perlen aneinander und fertig ist der »Styropor«-Block.


Jeder Block ist rund 5,5 m3 groß – durchschnittlich werden in Abstatt täglich 250 Stück produziert. Insgesamt sind ungefähr 2 000 Blöcke auf Lager. In jedem befindet sich übrigens 8 bis 15 Prozent Recyclingmaterial – dazu aber später mehr.

In Abstatt werden unterschiedlich große Blöcke hergestellt und natürlich auch unterschiedliche Qualitäten, die verschiedene Anforderungen erfüllen. Die Blöcke werden vor der Verarbeitung wieder kurz zwischengelagert und dann in unterschiedlich große Platten geschnitten. Mit glühenden Drähten erhalten die großen Blöcke die Maße für die unterschiedlichen Produkte – insgesamt produziert und lagert Hirsch Porozell in Abstatt 1 600 verschiedene EPS-Produkte. Diese große Vielfalt ist nötig, da rund um das Haus unterschiedlichste Dämmlösungen gebraucht werden. Hirsch Porozell bietet Systemlösungen im Bereich Wärme- und Schallschutz für Dach, Wand, Decke, Boden oder Keller.

Dementsprechend groß ist auch das Lager: 2 500 m2. Gerade im Sommer, der Hochsaison, werden pro Tag rund 30 Lkw à 80 m³ EPS beladen. »Schnelle Lieferzeiten sind in dieser Branche sehr wichtig, denn auf der Baustelle muss es reibungslos zugehen. Wartezeiten werden nicht gern gesehen«, erzählt Schubert. »Daher achten wir bei Hirsch Porozell auf einen relativ hohen Lagerbestand, um sofort lieferfähig zu sein.«

Platten für besondere Anforderungen

Bei Hirsch Porozell werden nicht nur »normale« EPS-Platten produziert, das Unternehmen hat auch Eigenentwicklungen im Sortiment, wie zum Beispiel die »ILOS 2.0«. »Mit dieser Flachdach-Dämmplatte wird die Dämmung digitalisiert. Die ›ILOS 2.0‹ bietet Wärmedämmung und Leckageortung in einem Produkt«, erklärt Geschäftsführer Christian Grimm. »Mit einem Sensor können Undichtigkeiten und stehendes Wasser einfach via Smartphone geortet werden. Damit die Platte auch wirtschaftlich ist, kann der Handwerker den Sensor selbst dort platzieren, wo er Sinn macht. Die ›ILOS 2.0‹ wird gut angenommen und wir planen in diesem Jahr eine Variante in Grau, für niedrigere Lambda-Werte von 0,31 und das bei einer attraktiven Dichte«, so Grimm.

»Neben den großen Blöcken produziert Hirsch Porozell in Abstatt auch kleinere Blöcke«, erzählt Schubert. «Sieben Automaten sorgen für kleine Blöcke mit Struktur und Falz, die gerade im Keller-Bereich als Perimeterdämmung zum Einsatz kommen.«

Ein weiteres Produkt, das bei den Verbrauchern gut ankommt, ist die Gefälledachdämmplatte. Hier zeigt sich besonders der Servicegedanke, der bei Hirsch Porozell eine große Rolle spielt. Das Unternehmen bietet nämlich nicht nur das Produkt, sondern passt es individuell dem jeweiligen Dach an und liefert dann das genau darauf angepasste System, inklusive detailliertem Verlegeplan.  

Weiß, schwarz-weiß, grau

Hirsch Porozell hat aber nicht nur zahlreiche Produkte im Portfolio, viele gibt es auch in unterschiedlichen Farben. Neben den weißen Platten gibt es auch weiß-schwarz gesprenkelte und dunkelgraue. Die verschiedenen Farben haben dabei unterschiedliche Gründe. Je dunkler das EPS, umso besser ist die Wärmedämmung. Denn das enthaltene Graphit absorbiert und reflektiert die Wärmestrahlung.

Ein weiterer, ganz simpler Grund liegt beim Recycling. Denn in jedem EPS-Produkt ist ein gewisser Anteil an recyceltem EPS enthalten. Wird also geschreddertes graues EPS wiederverwendet, kann es auch bei den weißen Kügelchen zum Einsatz kommen. Dieses Muster bietet aber gleich zwei Vorteile. Denn der graue Anteil macht das Endprodukt sogar hochwertiger. Den zweiten Grund hatte eigentlich keiner geplant: »Wir haben das gemusterte EPS wie auch das weiße ausgeliefert und dann überraschenderweise sehr positive Rückmeldungen von den Verarbeitern bekommen. Denn gerade im Sommer bei Sonnen-

einstrahlung ist die dauerhafte Arbeit mit den schneeweißen Platten auf dem Dach für die Augen extrem anstrengend – viele kennen dieses Phänomen vielleicht auch vom Schnee. Die Dachdecker waren begeistert, dass die Platten nicht nur weiß waren und gaben uns die Rückmeldung, dass das Verarbeiten der gesprenkelten Platten deutlich angenehmer ist«, erzählt Roberto Keil.

Das Recyceln der eigenen EPS-Produkte übernimmt Hirsch Porozell übrigens selbst. In Abstatt stehen zwei Mühlen, die zum einen das Restmaterial, das bei der Produktion entsteht und zum anderen das »tote Material« von Baustellen wieder zu kleinen Perlen zerkleinert. Damit die Mühlen und auch die anderen zahlreichen Maschinen zuverlässig funktionieren, ist in Abstatt ein eigenes »Instandsetzungs-Team«, bestehend aus fünf Technikern, einem Elektroniker und vier Schlossern, beschäftigt.

Die Qualität stets im Blick

Zum Abschluss der Produktionsbesichtigung dürfen wir auch noch einen Blick in die Qualitätssicherung werfen. Hier werden die Platten im eigenen Labor auf unterschiedliche Funktionen geprüft, wie zum Beispiel die Druckspannung oder die Wärmeleitfähigkeit. »Hirsch Porozell legt großen Wert auf die durchgängige Qualität, daher sind auch alle Platten mit einem detaillierten Code versehen, der eine lückenlose Rückverfolgung garantiert«, erzählt der Produktionsleiter. Doch das Unternehmen testet die Qualität seiner Produkte nicht nur selbst. »Regelmäßig werden vom IVH (Industrieverbund Hartschaum) Stichproben auf den Baustellen durchgeführt – so bestätigen auch unabhängige Test die Qualität unserer Produkte.«

EPS – besser als sein Ruf

Im Gespräch mit Christian Grimm betont der Geschäftsführer immer wieder, dass »Styropor« eigentlich besser ist als sein Ruf. Zu Unrecht sei der Dämmstoff in der Verbindung mit Fassadenbränden, wie beispielsweise 2017 in London, genannt worden. Denn dabei habe es sich um einen völlig anderen Stoff in einer anderen Brandschutzklasse gehandelt. Hirsch Porozell hat für alle seine Produkte die Brandschutzklasse B, also schwer entflammbar, bescheinigt bekommen. »Auch bei unterschiedlichen Brandversuchen haben unsere Produkte sehr gut abgeschnitten«, resümiert Grimm zufrieden.

Neben dem Brandschutzaspekt überzeuge EPS laut Grimm aber auch in Sachen Nachhaltigkeit: »Der Endverbraucher möchte derzeit einen Werkstoff, der komplett recycelbar ist – und das ist EPS zu 100 Prozent. Zudem ist es ein sehr ökologischer Stoff. Der geringe Energieeinsatz bei der Herstellung von Dämmplatten aus EPS-Hartschaum wird aufgrund der Heiz-

energieeinsparung bei mit EPS-Hartschaum gedämmten Gebäuden bereits nach der ersten Heizperiode kompensiert. Durch die Dämm-Maßnahme werden die Energieverluste über das Dach, durch die Decken und Wände drastisch gemindert. Das bedeutet eine Reduzierung der Verbrennung fossiler Energieträger und damit eine Verringerung der CO2-Emissionen. Denn jeder eingesparte Liter Heizöl verschont beispielsweise die Umwelt um rund 3 kg CO2.«

Auch die vom ifeu Institut und naturplus durchgeführte Studie »Ganzheitliche Bewertung von verschiedenen Dämmstoffalternativen« ergab: An der Außenwand ist EPS der Spitzenreiter. Kein anderer Dämmstoff sei so effizient und ökologisch zugleich. Auch der »DämmstoffCheck« von co2-Online gibt EPS Best-Umwelt-Noten. EPS wurde in seiner Klimawirkung als »gering« und damit gleichauf mit nachwachsenden Dämmstoffen bewertet. Bei den konventionellen Dämmstoffen schnitt EPS am besten ab.

Positive Aussichten

Aufgrund dieser Tatsache und auch der schnellen Entwicklung von Hirsch Porozell – besonders in den vergangenen zwei Jahren – blickt Christian Grimm positiv in die Zukunft. »Die Folgen der Corona-­Krise sind natürlich noch nicht ganz absehbar, aber dennoch gehe ich von einem erfolgreichen Jahr 2020 aus. Wir haben das Geschäftsjahr 2019 (April 2019 bis März 2020) mit ca. 230 Mio. Euro Bruttoumsatz abgeschlossen. Da nun die sechs Werke in Frankreich dazugekommen sind und wir wirklich gut in das Jahr gestartet sind, hatten wir für dieses Geschäftsjahr eigentlich einen Bruttoumsatz von ca. 300 Mio. ­Euro kalkuliert. Ob dieses Ziel trotz Corona-Krise aber nun realisiert werden kann, ist noch nicht gewiss«, so Grimm. »Allerdings sind neben dem Umsatz auch andere Faktoren wichtig. Ich verzichte auch auf Umsatz, wenn es den Ertrag verbessert.« Zudem möchte Grimm in den kommenden Jahren die Effizienz und die Wirtschaftlichkeit weiter verbessern. »Für die Zukunft ist mir wichtig, dass wir eine enge Kundenbindung aufbauen, einen umfassenden Service bieten.« Auch eine Intensivierung der bereits eingeführten Roboter-Technik in der Produktion kann sich der Geschäftsführer vorstellen. Im Vordergrund steht aber immer die Entwicklung innovativer Produkte.

Einige Innovationen sind bereits am Markt, wie zum Beispiel »Thermozell«. Dafür wird recyceltes Material benutzt und mit Zement oder Mörtel vermischt und als Ausgleichs-Schüttung verwendet. »Gerade bei Sanierung und im Altbau hat dieses Produkt bereits großen Anklang gefunden. Es ist praktisch Dämmung und Bodenausgleich in einem«, erklärt Grimm.

Eine weitere Entwicklung ist die »Silence-Platte« mit niedriger, dynamischer Steifigkeit, die für eine effektive Lärm-Reduktion sorgt. Auch in Sachen Brandverhalten und Lambda-Wert sind die EPS-Profis stetig daran, die Produkte noch weiter zu verbessern. »Erfolgreich kannst du nur mit Ideen und Innovationen sein«, ist sich Grimm sicher. Unter diesem Motto ist auch »PoroBead« entstanden. Diese Eigenentwicklung ist eine Einblasdämmung für die Fassade. Dabei wird mit den Perlen zusammen ein Klebstoff («PoroBead plus K«)mit eingeblasen, der die Perlen in der Fassade miteinander verklebt und das Material so nicht lose herumfliegt. Für dieses Produkt hat Hirsch Porozell bereits die Brandschutz-Zulassung. Weitere Entwicklungen stehen schon in den Startlöchern – man darf also gespannt sein, was die Zukunft bei Hirsch Porozell noch alles hervorbringt.    J

FIRMENINFO

HIRSCH Porozell GmbH

Augsburger Straße 8-10
33378 Rheda-Wiedenbrück

Telefon: +49 5242 9608-0
Telefax: +49 5242 9608-68

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