Im Blickpunkt

Pionier der Polyurethan-Hartschaumbranche

Die in Überlingen am Bodensee ansässige puren Gmbh gehört zu den Pionieren auf dem Gebiet der Polyurethan-(PUR/PIR)-Hartschaum-Technologie. Wie entwickelte sich das Unternehmen in den zurückliegenden Jahrzehnten? Was schätzen Dachhandwerker und Zimmerer an den Produkten? Was sind die Chancen und Herausforderungen für die Zukunft? Geschäftsführer Dr. Andreas Huther beantwortet die Fragen der Redaktion.

Baustoff-Partner: Herr Dr. Huther, was war die Initialzündung für Hans Bommer, das Unternehmen seinerzeit zu gründen?
Dr. Andreas Huther_ Wie so oft in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stand am Anfang der Zufall Pate. Franz Bommer, Vater des Firmengründers Hans Bommer, erfuhr in einer geselligen Stammtisch-Runde von einem neuen Material mit hervorragender isolierender bzw. dämmender Wirkung_ Polyurethan-Hartschaum. Sofort war er von den Eigenschaften des Materials überzeugt. Da er zur Erweiterung des Familienbetriebes ohnehin auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern war, griff er die Gelegenheit beim Schopf und besprach sich dazu mit seinem Sohn, der gerade sein Wirtschafts-Studium beendet hatte. Hans Bommer erkannte wie sein Vater schnell die Chancen, welche der bislang unbekannte Werkstoff bot und begann umgehend mit der Suche nach geeigneten Rohstoffen und Produktionsmaschinen.
Von Anfang an ist Hans Bommer überzeugt: Polyurethan-Hartschaum – daraus lässt sich mit Sicherheit eine vielversprechende, nachhaltige Dämm-Technologie entwickeln, die in unseren mitteleuropäischen Regionen unverzichtbar ist. Denn die sensationelle Dämmleistung dieses Werkstoffs verbessert das Raum- und Wohnklima, spart in ungeahntem Umfang Heizkosten, minimiert also den Energieverbrauch und das mit allen Konsequenzen für den Schutz der Umwelt.
Im Februar 1968 war es dann soweit_ Der Start des Unternehmens, das damals »puren-Schaumstoff GmbH« getauft wurde, war beschlossene Sache. Von Beginn an war der Firmenname Programm und konsequent auf den neuen Werkstoff Polyurethan ausgerichtet. Als klassischer Zwei-Mann-Betrieb wurde in einer angemieteten Räumlichkeit begonnen. Zunächst entstanden Polyurethan-Produkte in Form von Blöcken, aus denen Platten und Zuschnitte gesägt wurden.Baustoff-Partner: Wie verlief die weitere Entwicklung in den zurückliegenden viereinhalb Jahrzehnten?
Dr. Huther_ Die ersten Jahre der Unternehmensgeschichte sind geprägt von Entwicklungen rund um die Optimierung der Schaumstoff-Herstellung. So dauerte es beispielsweise anfangs etwa zwei bis drei Stunden, um einen Schaumblock von 2 x 1 x 0,5 m zu fertigen. Später gelang es, diese Zeit auf lediglich sieben bis zehn Minuten zu reduzieren. Gleichzeitig konnte auch die Formstabilität deutlich verbessert werden. Was aber fast noch wichtiger ist_ Hans Bommer hat sich von Anfang an auch für die Entsorgung bzw. die Verwertung von Produktionsreststoffen interessiert. Damit entstanden aus der Überlegung, wie aus Reststoffen hochwertige Produkte entwickelt werden können, erste Vorläufer der heute als »purenit« angebotenen Funktionswerkstoff-Platten.
1973 wurden neue, größere Hallen und Büroräume im Überlinger Gewerbegebiet Nord bezogen, wo sich bis heute der Firmen-Stammsitz befindet. Es entstanden mit der Zeit technisch weiter optimierte Produktions- und Verarbeitungsanlagen wie zum Beispiel sogenannte Doppelplattenband-Anlagen für die kontinuierliche Fertigung von Wärmedämmplatten mit Vlies- oder Aluminiumdeckschichten. Denn die Nachfrage nach Wärmedämmung stieg aufgrund der Ölkrise rasant an. Aber auch die seinerzeit europaweit größte Fertigungsstraße für Polyurethan-Großblöcke wurde 1980 in Betrieb genommen.

Baustoff-Partner: Was stand ab den 80er Jahren auf der Agenda?
Dr. Huther_ Vorrangiges Unternehmensziel ab der zweiten Hälfte der 80er Jahre war die Sicherung einer breit gefächerten Marktpräsenz durch strategische Stärkung der Unternehmensbasis, sowohl auf dem Gebiet der Produkt-Vielfalt als auch des Vertriebs. So wurden Unternehmen, die ebenfalls in der Polyurethan-Branche tätig sind, in die Unternehmensgruppe integriert, wie zum Beispiel die Aprithan-Schaumstoff GmbH Abtsgmünd, ein Teil der ehemaligen Tonwarenindustrie Wiesloch sowie die Endele Kunststoff GmbH Obermarchtal. Unmittelbar nach dem Fall der Mauer eröffnete puren in Neuenhagen bei Berlin die Pro-Innova GmbH und die Polydämm-Schaumstoff GmbH.
Aber auch im weiteren Umfeld der Energieeffizienz gehört seit 1992 das Unternehmen BOMAT Heiztechnik zur puren Gruppe, die damit bis heute eine der wenigen Unternehmensgruppen ist, der sowohl Firmen der Dämm- als auch der Heizungstechnik angehören. Aber auch am Stammsitz in Überlingen ist das Unternehmen deutlich gewachsen, und so wurde 1993, rechtzeitig zum 25-jährigen Bestehen, ein Büro- und Verwaltungsgebäude fertiggestellt. Ende der Neunziger Jahre entstand bei puren ein neuer Geschäftsbereich, der sich mit der Entwicklung und Herstellung von unsichtbaren Flächenlautsprechern befasst. 2010 ist daraus das Unternehmen purSonic GmbH, ebenfalls mit Sitz in Überlingen, geworden.Baustoff-Partner: Was macht puren heute aus?
Dr. Huther_ Aktuell gehört puren mit rund 300 Mitarbeitern, bundesweit sechs Standorten, einem Vertriebsbüro für Mittel-/Osteuropa in Ungarn sowie einem Joint-Venture in Shanghai, China, zu den europaweit führenden Unternehmen der Polyurethan-Hartschaum-Branche. Neben Anwendungsfeldern im gesamten Bauwesen – sowohl für Neubau bis hin zu Passivhausbauweise als auch für Gebäudesanierungen, für Ein- und Mehrfamilienhäuser, Gewerbe-, Industrie- und Kommunalbau – bietet puren auch Produkte für die industrielle Weiterverarbeitung an, und dies für zahlreiche Branchenfelder_ Nutzfahrzeug-, Schiffs-, Waggon- und Containerbau, Modellbau, Prototyping, Fenster-, Türen- und Elementebau sowie vieles mehr. Die puren Gruppe erwirtschaftete 2014 über 90 Mio € Umsatz und leistet mit ihren zahlreichen Produkten zur Energieeinsparung auch einen enormen Beitrag zum Umweltschutz. Haupt-Exportmärkte sind die Schweiz, Österreich, Frankreich, Tschechien, Ungarn, Slowenien sowie das weitere angrenzende Europa.

Baustoff-Partner: Welche Produkte umfasst das puren-Sortiment für den Bau-Bereich?
Dr. Huther_ Der Geschäftsbereich Bau umfasst Herstellung und Vertrieb von Wärmedämmelementen und -systemen für geneigte und flache Dächer, Böden und Decken sowie Fassaden. Die Produkte eignen sich sowohl für den Neubau als auch für Sanierungen und tragen somit bedeutend zur Einsparung von Heizkosten und zum Umweltschutz bei. puren Dämmstoffe verfügen bei minimalen Stärken über sehr gute Wärmedämmwerte, die wiederum den Energieverbrauch und damit den Schadstoffausstoß der Gebäude reduzieren. Sowohl im privaten Ein- und Mehrfamilienhausbau als auch bei öffentlichen Bauten, Industrie- und Gewerbebau haben sich puren Dämmsysteme seit vielen Jahren bewährt. Besonders geeignet sind puren Dämmstoffe natürlich auch für den Bau von Passiv- und Plusenergiehäusern.

Baustoff-Partner: Was schätzen die Verarbeiter an den Produkten?
Dr. Huther_ Verarbeiter, in unserem Fall hauptsächlich Dachhandwerker wie Dachdecker oder Zimmerer, schätzen außer den hervorragenden Wärmedämmwerten, und das bei vergleichsweise dünnen Materialstärken, beispielsweise das geringe Gewicht der Dämmplatten, die leichte Verarbeitung mit baustellen-üblichen Werkzeugen, die handlichen Plattenformate. Manche Produkte bieten zudem noch Zusatznutzen wie etwa selbstklebende, überlappende Dachbahnen, die damit schnell und sicher miteinander verbunden werden können und fachgerechte Konstruktionen ergeben. puren Dämmstoffe sind außerdem Allergiker-geeignet, biozidfrei, schimmelresistent und recycelbar. Unsere Produkte für den Geschäftsbereich Bau werden ausschließlich über den Baustoff-Fachhandel vertrieben.

Baustoff-Partner: Sie bezeichnen sich als »innovativer Full-Service-Systempartner«. Was ist darunter zu verstehen?
Dr. Huther_  Wir sehen uns nicht nur als Dämmstofflieferant. Viel mehr wollen wir sowohl für den Baustoff-Fachhandel als auch für Verarbeiter, Planer und Architekten beispielsweise kompetenter Partner in Sachen Weiterbildung und Produktschulung sein. Gerne unterstützen wir unsere Verarbeiter auch vor Ort auf der Baustelle und stehen etwa bei Erstverlegungen mit unseren Experten beratend zur Seite. Zudem bieten wir eine Reihe an Dienstleistungen an wie zum Beispiel bauphysikalische Bauteilberechnungen, Erstellen von Gefälleplänen etc.

Baustoff-Partner: Was machen Sie besser als Ihr Wettbewerb?
Dr. Huther_ Nachhaltigkeit und die Verwertung von Reststoffen sind schon seit der Firmengründung vor fast 50 Jahren in unserer Unternehmensphilosophie verankert. Kaum ein anderes Dämmstoffunternehmen verfügt über einen so einzigartigen und geschlossenen Werkstoffkreislauf wie puren. Aus Produktions- und Baustellenreststoffen fertigen wir hochwertige Funktionswerkstoffe, die wiederum über Jahrzehnte Nutzen stiften und anschließend ebenfalls wieder verwertet werden können.

Baustoff-Partner: Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für die Zukunft?
Dr. Huther_ Mit unserem innovativen und umfassenden Leistungsspektrum erbringen wir als puren Gruppe einen enormen Beitrag zum Umweltschutz und zum Gelingen der Energiewende. Die energetische Sanierung im Gebäudebereich ist eine der entscheidenden Voraussetzungen zur Reduzierung des Energieverbrauchs in Deutschland und darüber hinaus. Angesichts der aktuellen zu niedrigen Sanierungsquote im Gebäudebestand von 0,8 bis 1,0 % steht die Energiewende im Gebäudesektor jedoch vor dem Scheitern. Umso wichtiger ist es für uns, für diese Themen zu sensibilisieren und sich mit Energieeffizienz und Energieeinsparung intensiv zu beschäftigen, sich auszutauschen und zu diskutieren.
Vor diesem Hintergrund fand beispielsweise Ende Oktober 2015 das »1. Energiewirtschaftsforum Bodenseekreis« bei puren statt. Als Gastgeber dieser erfolgreichen Veranstaltung durften wir rund 350 Teilnehmer aus Politik, Kommune,
Wirtschaft und Wissenschaft sowie hochkarätige Referenten begrüßen. Mit einem leidenschaftlichen Plädoyer, die jährliche Sanierungsquote auf mindestens 3 % zu steigern, appellierten renommierte Bauphysiker an die anwesenden Politiker und Wirtschaftsvertreter, mehr zum Gelingen der Energiewende zu tun.

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