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November 2014

In guter Verfassung


Die deutsche Bauwirtschaft befindet sich »in guter Verfassung, und das bereits seit drei Jahren« – so die Diagnose von Erich Gluch auf den BAU-Infogesprächen Mitte Oktober in München. Nicht zuletzt dank umfangreicher Planungsaufträge für den Bau von Wohngebäuden sei die Situation heute schon fast vergleichbar mit der des »Wiedervereinigungsbooms« Anfang der 90er Jahre. Dennoch weisen leicht rückläufige Auftragsbestände sowohl bei Baufirmen als auch bei Architekten seit einigen Monaten unmissverständlich darauf hin, dass sich auch dieses Hoch einmal einem Ende nähern könnte, so die Prognose des ifo-Experten.

Hierzu passt auch die aktuelle Meldung der im Industrieverband DUD zusammengeschlossenen Hersteller von Kunststoff-Dach- und Dichtungsbahnen, dass nach einem gelungenen Start in das Jahr 2014 sowie anhaltend starken Absätzen im ersten Halbjahr ein schwächeres drittes Quartal folgte. Als »besonders enttäuschend« bezeichnet der Verband die Absatzzahlen im August. Das alles kann durchaus noch als »Jammern auf hohem Niveau« abgetan werden, denn in den ersten neun Monaten steigerten die Hersteller ihren Absatz im Vergleich zum Vorjahreswert um drei Prozent. Von einem vergleichbaren Plus um die 2,7 Prozent geht auch die Fenster- und Türenbranche zum heutigen Zeitpunkt aus. Zwar waren die Erwartungen zu Beginn des Jahres deutlich höher, aber trotz der jetzt erfolgten leichten Korrektur nach unten ist man dennoch zufrieden.
Die ifo-Experten bewerten die derzeitige Eintrübung »als bislang so gering, dass zumindest bis 2015 noch nicht mit Rückgängen bei den Bauinvestitionen zu rechnen ist«. Denn die Nachfrage im Wohnungsbau wird seit 2010 von umfangreichen Zuzügen nach Deutschland getrieben. Problematisch sei allerdings, dass sich die neuen Einwohner nicht gleichmäßig über Städte und Länder verteilen, sondern sich vornehmlich auf die wachstumsstarken Regionen konzentrieren – und dort vor allem auf die Großstädte mit 500000 und mehr Einwohnern.
Weiterhin wird das wohl noch einige Jahre andauernde niedrige Zinsniveau den Wohnbau antreiben. Auch sei die Angst vor einer Immobilienpreisblase derzeit in Deutschland völlig unbegründet, so Erich Gluch. Das Gegenteil ist der Fall_ Die lediglich in einigen Großstädten kräftiger angestiegenen Preise für Wohnimmobilien motivieren immer mehr potentielle Käufer oder Bauherren, in eine eigene Immobilie zu investieren. Hinzu kommt, dass sich große Teile der Bevölkerung um die Zukunft des Euro sorgen oder schlichtweg kaum andere Anlagealternativen sehen.
In diesem Jahr werden nach Schätzungen der Institute rund 215000 Neubau-Wohnungen fertiggestellt, bis 2016 erfolgt eine Steigerung auf rund 250000 Einheiten.
Auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes sieht den Wohnungsbau nach wie vor als Impulsgeber der Baukonjunktur. Den Umsatz im Bauhauptgewerbe beziffert der ZDB in diesem Jahr bei 98,1 Mrd. €, was eine Steigerung um 2,8 Prozent bedeutet. Im kommenden Jahr könnte mit einem Wachstum um zwei Prozent die 100-Mrd.-€-Grenze erreicht werden, teilte der Verband in diesen Tagen mit.
»Die Bauwirtschaft ist und bleibt die Konjunkturlokomotive der deutschen Volkswirtschaft«, so Verbandspräsident Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein. Noch habe sie genügend »Kohlen im Feuer, um auch Impulse für die gesamte Volkswirtschaft zu geben«. Sollte aber die Puste ausgehen, drohe die Gefahr eines wirtschaftlichen Abschwungs. Das könne jedoch gemeinsam mit der Politik verhindert werden, so der ZDB. Daher sind investive Impulse der Politik gefordert, denn es fehlen nach wie vor Wohnungen im unteren und mittleren Preissegment.

Herzliche Grüße

Gerd Rottstegge

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