Im Blickpunkt Aktuelles

Maßstäbe im Bereich der Fußbodentechnik

Im Jahr 1890 gründete der Kaufmann Carl Prinz in Werdohl eine Großhandlung für Innendekorationsartikel und Messingwaren.

Es entstanden Verkaufsniederlassungen in Breslau und Johannesburg, und im Jahr 1924 begann das Unternehmen mit der Eigenfertigung von Messingprofilen und Gardinenstangen. 1954 verlagerte Prinz den Firmensitz nach Goch an den Niederrhein. Joachim W. Prinz – Enkel des Firmengründers – übernahm 1965 die Geschäftsführung und richtete das Unternehmen strategisch neu aus.
Alle Aktivitäten wurden auf die Entwicklung und Herstellung hochwertiger Profile für Boden, Wand und Decke konzentriert. Auch für neue Bodenbelagsarten wie Fertigparkett und Laminatböden wurden innovative Profilsysteme konstruiert und zum Patent angemeldet. Nacheinander entstanden das »Prinz D.O.S. System«, das »Profi-Tec Clipsprofilsystem« und das »PS 400 Schraubprofilsystem«. Joachim W. Prinz und seine Tochter Katharina Prinz leiten seit 2000 gemeinsam das Familienunternehmen.
Wir sprachen mit Katharina Prinz über die schöpferischen Spielräume in einem Familienunternehmen, das »Profi-Tec Clipsprofilsystem«, darüber, was die Kunden an Prinz besonders schätzen, und vieles mehr.

Baustoff-Partner: Frau Prinz, anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums 1990 haben Sie sich entschieden, in das von Ihrem Urgroßvater gegründete Unternehmen einzusteigen. Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen? Und was hatten Sie ursprünglich geplant?

Katharina Prinz_ 1990 studierte ich Rechtswissenschaften und arbeitete gleichzeitig während der Semesterferien im Unternehmen – meist in der Arbeitsvorbereitung, was mir viel Spaß machte. Ein 100-jähriges Firmenjubiläum ist natürlich immer etwas ganz Besonderes. Nach reiflicher Überlegung hat mich eine Mischung aus Traditionsbewusstsein, Interesse an der Aufgabe, der Drang nach Unabhängigkeit und der Wunsch, Dinge gestalten zu können, dazu bewogen, ins Unternehmen einzutreten. Es war die richtige Entscheidung, die ich nie bereut habe.

Baustoff-Partner: An anderer Stelle haben Sie einmal gesagt, dass es Ihnen Freude bereitet, das Unternehmen Prinz zu »bewahren« und zu »gestalten«. Was bedeutet es für Sie, einem traditionsreichen Familienunternehmen vorzustehen – und welche »schöpferischen« Spielräume werden Ihnen damit ermöglicht?

Prinz_ Die Voraussetzungen für eine positive Entwicklung und Kontinuität muss sich das Unternehmen ständig aufs Neue erarbeiten. Deshalb gilt auch bei uns im Hause_ Stillstand ist Rückschritt. Ohne Zukunftsorientierung ist Tradition nichts. Mittlerweile blickt das Unternehmen Prinz auf 123 Jahre zurück; für mich bedeutet das Verantwortung, Freude und Her­ausforderung.
Die schöpferischen Spielräume, die sich mir eröffnet haben, sind unermesslich. Sie reichen von strategischen Fragen über Produkt- und Sortimentsentwicklungen, die Gestaltung von organisatorischen Abläufen, das Gewinnen und Motivieren von Mitarbeitern bis hin zu Planungen im Rahmen von Bauvorhaben.

Baustoff-Partner: Ihr Anspruch lautet_ »Qualität und Leistung als Prinzip«. Wie wirkt sich das auf das Tagesgeschäft aus – und was haben Ihre Kunden konkret davon?

Prinz_ »Qualität und Leistung als Prinzip« verstehen wir ganzheitlich. Wir wollen mit zukunftsweisenden Produktsystemen im Bereich der Fußbodentechnik Maßstäbe setzen und der führende Partner für unsere Kunden in Industrie, Handel und Handwerk sein.
Die Aussage bezieht sich zum einen auf die Produkte und technischen Lösungen, die wir anbieten. In Zusammenarbeit mit unseren Kunden entstehen intelligente Produkte, die die Verlegung vereinfachen, die Optik perfektionieren und universell einsetzbar sind.
Wir verstehen darunter aber auch eine umfassende Servicekompetenz, die sich in ganz vielfältigen Aspekten zeigt, z. B. in bedarfsorientierten Logistikkonzepten, Technischem Service, Schulungsservice, in umfangreichen Marketingmaßnahmen usw.

Baustoff-Partner: Prinz gilt als Problemlöser im Bereich der Fußbodentechnik. Was waren die herausragenden Produktinnovationen?Prinz_ Das »Prinz PS 400 Schraubprofilsystem« und das »Profi-Tec Clipsprofilsystem« gehören zu den bedeutendsten Entwicklungen der letzten Jahre.
Das Pflichtenheft, das wir vor der Entwicklung des Schraubprofilsystems erarbeitet haben, sah folgende Eigenschaften vor_ Das System sollte geeignet sein für sämtliche Laminat- und Fertigparkettstärken, es sollte äußerst anwenderfreundlich sein und sich durch eine besonders hohe Belastbarkeit und Langlebigkeit auszeichnen.

Das Ergebnis war das »PS 400 Schraubprofilsystem« für Belagstärken von 7 bis 17,5 mm. Es passt sich automatisch in Höhe und Neigung dem Bodenbelag an und ist besonders schnell und einfach zu montieren. Die Oberprofile werden mit Bohrschrauben im Basisprofil verankert; dadurch entsteht ein optimaler Kraftschluss, der auch nach mehrjähriger Druck- und Zugbelastung unverändert ist.

Das »Profi-Tec Clipsprofil­system« ist für mich technisch unerreicht. Es ist das einzige Clipsprofilsystem auf dem Markt, bei dem die Oberprofile – trotz verdeckter Befestigung – jederzeit problemlos zu demontieren sind. So kann der Bodenbelag ausgetauscht oder gereinigt werden; die Oberprofile werden anschließend wieder sicher im Basisprofil arretiert. Das ist u. a. zurückzuführen auf den innovativen Gelenksteg, der im Klemmkanal des Basisprofils verankert wird. Das Oberprofil passt sich automatisch in Höhe und Neigung dem Bodenbelag an und schließt an beiden Seiten dicht ab. Aufgrund der verdeckten Befestigung bieten »Profi-Tec Profile« eine perfekte Optik.

Die Erkenntnisse des »Profi-Tec Systems» sind eingeflossen in die Entwicklung des neuen »Prinz Profi-Design«-Systems für Designböden mit Belagstärken von 4 bis 7,5 mm; für dieses System wurde soeben das Patent erteilt.

Baustoff-Partner: Werden Ihre Produkte oft kopiert? Und wenn ja, was können Sie dagegen tun?

Prinz_ Es kommt immer wieder vor, dass Produkte kopiert werden und leider meistens auf minderwertige Art und Weise. Wir versuchen uns durch Gebrauchsmuster, Geschmacksmuster und Patente davor zu schützen. Es gibt eine ganze Reihe von gültigen Prinz-Patenten.

Baustoff-Partner: Neben der Innovationskraft ist die Servicekompetenz fest in Ihren Unternehmensleitlinien verankert. Warum arbeiten Ihre Kunden gern mit Ihnen zusammen?

Prinz_ Als mittelständisches Familienunternehmen sind wir nah bei unseren Marktpartnern. 13 festangestellte Außendienstmitarbeiter in Deutschland sind ständig beim Kunden vor Ort und kennen seine Wünsche und Bedürfnisse. Beratung, Schulungsservice, Technik-Hotline, Objektbetreuung sowie der direkte Kontakt zum Prinz-Innen- und Außendienst sind Teil unseres Service-Konzeptes.

Mit unserem Kunden erarbeiten wir ein bedarfsgerechtes Sortiment, das sich durch einen überdurchschnittlichen Lagerumschlag auszeichnet. Die Sortimentskennzahlen werden regelmäßig kontrolliert. Außerdem bieten wir ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. »Drehung und Marge« stärken die Ertragskraft unseres Kunden.
Das wird ergänzt durch umfassende Marketingunterstützung wie z. B. die Partner-Toolbox, die ab September eine Media-Datenbank, Produktdatenblätter, Montageanleitungen, Zertifizierungsunterlagen, Ausschreibungstexte usw. unseren Kunden zur Verfügung stellt.

Unser Kunde schätzt, dass wir mit Engagement auf seine Wünsche eingehen und immer an einer individuell optimalen Lösung arbeiten. Ziel ist eine vertrauensvolle, erfolgreiche und dauerhafte Marktpartnerschaft.

Baustoff-Partner: Welchen Stellenwert spielt in diesem Zusammenhang das Thema Logistik?

Prinz_ Logistik hat einen sehr hohen Stellenwert. Es geht einerseits darum, dass der Handel das Sortiment und die Warenbestände vor Ort reduziert und schnelle, vollständige Lieferungen erwartet. Gleichzeitig möchte der Händler seinen Kunden das gesamte Produktspektrum inkl. Sonderlösungen und ausgefallenen Dekoren anbieten.

Darauf haben wir uns spezialisiert. Hohe Lieferbereitschaft und kurze Lieferzeiten sind unsere Stärke. Die absatzgesteuerte Produktionsplanung und das Lagerverwaltungssystem sorgen für das richtige Timing und garantieren eine Lieferquote von 98 %. Über 40 000 Sendungen verlassen aktuell pro Jahr binnen 24 bis 48 Stunden unser Unternehmen. Darüber hinaus kann der Kunde jedes Profil als Einzelstück oder passgenaue Kundenkommission bei uns beziehen zu äußerst guten Konditionen.Baustoff-Partner: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, die Produktion in ein »Billiglohnland« auszulagern? Oder anders gefragt_ Was spricht für den Standort Goch?

Prinz_ Nein, über eine Verlagerung haben wir noch nicht nachgedacht. Unsere Produktion ist automatisiert, sodass Lohnkosten zwar ein wichtiger, aber kein bestimmender Faktor sind. Der Standort Goch ist dabei für unsere Anforderungen optimal. Das Kostenniveau ist im Vergleich zu anderen Regionen relativ niedrig. Logistisch betrachtet liegen wir im Herzen Europas – unmittelbar angebunden an ein enges Autobahnnetz. Unsere Kunden profitieren davon, dass wir engagierte Mitarbeiter beschäftigen, die langjährig im Unternehmen sind, ihr Know-how in den Prinz-Produkten weitergeben und für die Einhaltung höchster Qualitätsstandards sorgen.

Baustoff-Partner: Welche Rolle spielt der Export?

Prinz_ Wir liefern schwerpunktmäßig in den europäischen Raum sowie in Regionen wie z. B. den Nahen Osten, Nordafrika, USA und Südamerika. Im Rahmen der Finanzkrise hat sich der Export rückläufig entwickelt und liegt aktuell bei rund 24 %; das ist vor allem auf die Entwicklung in Osteuropa zurückzuführen. Wir gehen aber davon aus, dass sich diese Entwicklung in Zukunft wieder umkehren wird.

Baustoff-Partner: In welche Richtung wird sich die Branche Ihrer Meinung nach entwickeln? Wo sehen Sie noch Potenzial und Herausforderungen für Ihr Unternehmen?

Prinz_ Der Bereich Designbeläge/LVT wird deutlich weiter wachsen. Für diese Böden mit Belagstärken von 2 bis 3 mm bzw. 4 bis 6 mm haben wir ­bereits ein eigenständiges, ­umfangreiches Zubehörprogramm aufgelegt. Weitere Produkte sind in Vorbereitung bzw. in Planung. Außerdem sind wir der Meinung, dass ­textile Bodenbeläge eine kleine Renaissance erleben werden. Auch darauf werden wir uns mit unserem Sortiment einstellen.

Baustoff-Partner: Was steht auf der Agenda für die nächsten fünf, zehn Jahre? Welche Investitionen sind geplant?

Prinz_ Wir haben zurzeit zwei Firmenstandorte in Goch. In den nächsten zwei Jahren werden wir den Standort im Innenstadtbereich, wo hauptsächlich Produktion stattfindet, ins Industriegebiet verlagern und die Kapazitäten deutlich ausbauen. Auch der Logistikbereich wird in diesem Zusammenhang nochmals erweitert werden.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein Horizont von zehn Jahren für uns kaum überschaubar ist. Was die nächsten fünf Jahre betrifft, so werden die Schwerpunkte auf der weiteren Produktentwicklung insbesondere für LVT, das Erschließen neuer Exportmärkte und auf Investitionen in die Produktion liegen.

Gerd Rottstegge

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