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Mai 2015

Auf dem Holzweg


Vor kurzem fiel der Startschuss für den »Lebensraum Ziegel«, eine gemeinsame Informations- und Marketingkampagne deutscher Mauerziegelhersteller. Initiiert von Unternehmern aus ganz Deutschland, existiert nun erstmals eine Plattform der gesamten Branche mit herstellerneutralen Informationsangeboten. Zentraler Informationskanal ist die Webseite www.lebensraum-ziegel.de mit vielfältigen Angeboten für Bauingenieure, Architekten sowie Multiplikatoren, Investoren, Entscheidungsträgern und privaten Bauherren.
Fast zeitgleich mit dem Start der Ziegel-Kampagne präsentierte das Bayerische Bauministerium zusammen mit dem Bayerischen Forstministerium eine 83 Seiten umfassende, digitale Broschüre über den Vorteil der Holzbauweise auf einer eigens dafür eingerichteten Website. Dort werden staatliche Holzbau-Projekte vorgestellt, die die Bayerische Staatsregierung in Auftrag geben ließ, um auf diese Weise »das Bauen mit Holz weiter voranzubringen«, so der Wortlaut der Pressemitteilung.
Die entsprechenden Reaktionen darauf ließen nicht lange auf sich warten. »Ein völlig unnötiger Eingriff in den freien Wettbewerb unter gleichrangigen Bauprodukten«, so die Kritik von Johannes Edmüller, Geschäftsführer des mittelständischen Ziegelherstellers Schlagmann Poroton. Diese »staatliche Förderung von Werbemaßnahmen des Holzmarketings« sei inakzeptabel und rechtlich nicht haltbar. Denn eine Behörde wie die Oberste Bayerische Baubehörde als Teil des Bau- und Innenministeriums unterliege einer strikten Neutralität, die durch die Veröffentlichung dieser umfangreichen Broschüre, der Pressemitteilung und der eigens hierfür eingerichteten Internetseite eindeutig verletzt würde. Mit der staatlichen Unterstützung dieser Broschüre »pro Holzbau« und der Internetseite werde nicht nur mit Steuergeldern einseitig in den freien Wettbewerb der Bausysteme eingegriffen,   sondern die ganze Branche des massiven Bauens ins Abseits gestellt, so Edmüller.
Bayern sei »auf dem Holzweg«, denn die Landesregierung werbe für einen »staatseigenen Baustoff«, so der DGfM-Vorsitzende Dr. Hans Georg Leuck. Mit staatlichen Mitteln stellten Forst-Staatsminister Brunner und Innenminister Herrmann die digitale Broschüre »Holz – zeitlos schön« online. Das führt jetzt zur Anrufung des Bayerischen Obersten Rechnungshofs, der die staatliche bayerische »Holz-Werbung« prüfen solle. Die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau fordert Herrmann und Brunner auf, über die einzelnen Bauweisen »objektiv und zutreffend« zu berichten. Zudem enthält die digitale Broschüre Behauptungen – wie die der »unschlagbaren Ökobilanz für den Baustoff Holz« –, die nicht den Fakten entsprechen und auch wissenschaftlich nicht belegt werden können.
Und auch Wienerberger betrachtet die einseitige Parteinahme des Freistaates zugunsten des Baustoffes Holz als unzulässigen Eingriff in den freien Wettbewerb der Bausysteme. Eine derartige Parteinahme zugunsten eines einzelnen Baustoffes behindere den Wettbewerb, macht der Geschäftsführer Ralf Schwung seinem Ärger Luft. Der größte deutsche Ziegelproduzent betreibt in Bayern fünf Standorte und beschäftigt dort mehr als 400 Mitarbeiter. Dies sei ein Angriff auf die Arbeitsplätze in der Ziegelindustrie, so Schwung, und verweist darauf, dass diese Branche in jüngster Vergangenheit beispielsweise Poroton zu einem der modernsten und leistungsfähigsten Bauprodukte entwickelt habe. Möglicherweise hätten die in der »protegierten« Holz-Broschüre angeführten Objektbauten sogar energieeffizienter, nachhaltiger und wirtschaftlicher mit Ziegeln erstellt werden können, argumentiert der Wienerberger-Geschäftsführer.
Seinem Vorschlag kann man sich jedenfalls uneingeschränkt anschließen: »Wäre es nicht viel besser, wir überlassen es den Marktteilnehmern, mit welchen Bausystemen sie bauen wollen?« Und wäre es nicht auch im Interesse der öffentlichen Hand als Auftraggeber – und somit auch im Interesse des Steuerzahlers – dass sich das jeweils geeignete Bausystem im Wettbewerb durchsetzt?

Herzliche Grüße

Gerd Rottstegge

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