Fassade

Leben im Denkmal

2008 wurde Bruno Tauts farbenfrohe »Hufeisensiedlung« in Berlin-Britz zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Die Wiederherstellung ihrer originalen Farbigkeit erfolgte mit KEIM'schen Mineralfarben.

Die Farbenfreudigkeit Bruno Tauts ist legendär und gilt als wesentliches Merkmal seines architektonischen Erbes. Wie kein anderer Architekt seiner Zeit nutzte er Farbe als identitätsstiftendes und gestaltendes Medium. Mit seinem 1919 in der Bauwelt veröffentlichten Manifest Aufruf zum farbigen Bauen sorgte er für Aufregung, mehr noch allerdings mit seinen farbstarken Arbeitersiedlungen der Weimarer Jahre, die ausnahmslos mit Mineralfarben von KEIM realisiert wurden.
Tauts Anliegen war es, statt trister grauer Mietskasernen ansprechende, menschenwürdige und funktionale Wohnformen zu entwickeln – die Einbindung von Natur und Farbe sowie eine sinnvolle Aufteilung der Räume spielten dabei eine wichtige Rolle. Die Aufgabe, Farbe in die Stadt zu bringen, war für Taut »keine ästhetische, sondern eine ethische, da es sich darum handelt, auch den Bewohnern der scheußlichsten Mietskasernen, der traurigsten Hinterhöfe ein bescheidenes Stückchen Lebensfreude zu bringen«. Bauen nicht nur zur Schaffung von Wohnraum, sondern als soziales Reformprojekt.
Die für Taut charakteristische Rhythmisierung der Baukörper durch Vor- und Rücksprünge und der Einsatz von Farbe als eigenständiges architektonisches Element sorgen für Individualität im einheitlichen Gesamtbild_ Jede Häuserzeile hat ihre eigene Farbgebung, jeder Straßenzug seine unverwechselbare Identität, jedes Haus farblich kontrastierende Baudetails – Fenster, Türen, Gesimse, Brüstungen und Balkone –, die es von seinen Nachbarn unterscheidet. Insgesamt sind vier Farben vorherrschend_ Rot, Gelb, Weiß und an besonders akzentuierten Stellen Blau. Wie bei allen seinen Bauten hat sich Taut auch hier um eine lebendige Farbgebung bemüht, sein Farbkonzept unterstreicht die Plastizität der Baukörper und schafft Identität für die Bewohner.
Die »rote Front«, der dreigeschossige Mehrfamilienriegel mit flachgeneigtem Pultdach, ist in einem warmen, kräftigen Rot gehalten, die vorgezogenen Treppenhäuser und vorspringenden Eckbauten sind in einem helleren Rotton ausgeführt. Die rückseitige rote Fassade wird durch weiß abgesetzte Balkone gegliedert.Das abgesetzte Dachgeschoss und die zurückgesetzten Treppenhäuser des Hufeisens sind in einem hellen, leuchtenden Blau ausgeführt und differenzieren die Außenfront. Rücksprünge auf der Innenseite bilden geschützte Nischen für die mit Klinker gefasste Loggien und Balkone, deren Innenwände blau gestrichen sind und mit den weißen Putzflächen der Fassade kontrastieren. Die Einfamilienreihenhäuser mit Satteldach haben farblich unterschiedlich gestaltete Fassaden, die an Vor- und Rücksprüngen, Eckgebäuden oder Giebeln durch Ziegelbänder gegliedert werden.
2007 schlossen sich die Berliner GEHAG und die Deutsche Wohnen AG aus Frankfurt zusammen. Im Juli 2008 wurde die Hufeisensiedlung in die Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen – für die Deutsche Wohnen Ehre und Pflicht gleichermaßen: In enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz wurden seitdem umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, wesentlicher Bestandteil war die Wiederherstellung des äußeren Erscheinungsbildes und der originalen Farb- und Oberflächengestaltung.
Schäden und dem Denkmalschutz widersprechende An- und Umbauten ließ man beseitigen, Dächer sowie Kellerdecken zur energetischen Ertüchtigung denkmalgerecht dämmen. Fenster, Türen und Balkone wurden modernisiert und in der Originalfarbigkeit gestrichen. Der Altputz wurde mit »KEIM Algizid-Plus« gründlich nass gereinigt, an Fehlstellen ausgebessert und entsprechend dem historischen Vorbild als Madenputz überarbeitet, die Loggien wurden glatt überputzt. Der anschließende Anstrich erfolgte mit KEIM’schen Mineralfarben nach den historischen Bruno-Taut-Originalrezepturen in Weiß, Blau, Gelb und Rot.
Die »Hufeisensiedlung« ist unbestritten ein Meisterwerk des modernen Siedlungsbaus_ Die differenzierte Raumfolge niedriger Reihenhäuser und höherer Geschossbauten, die alten Bäumen inmitten ausgedehnter Grünflächen und nicht zuletzt die wiederhergestellte originale Farbigkeit machen sie zu einer inspirierenden Oase inmitten der Großstadt.

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