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Juni 2012

Barrieren beseitigen


Wie stellen Sie sich ein »barrierefreies Bad« vor? Den meisten von uns kommen da wohl zunächst die funktionalen, eher nüchternen, zweckmäßig gefliesten Räume in den Sinn, die – ausgestattet mit dem Charme von Kühltheken oder Intensivstationen – so rein gar nichts mit den in den Hochglanzmagazinen unermüdlich propagierten »Wohlfühloasen« gemeinsam haben.

»Altersgerechtes Wohnen« – mit diesem Begriff werden üblicherweise Eigenschaften wie »immobil« oder »pflegebedürftig« in Verbindung gebracht. Das Bild vom »barrierefreien Wohnen« wird assoziiert mit einer mehr oder weniger starken Beeinträchtigung der Gesundheit. Und offensichtlich ist auch das Bild, das bei der Mehrheit von der Barrierefreiheit vorherrscht, selbst ein echter Pflegefall.

Aus diesem Grunde fordert der Zentralverband Sanitär Heizung Klima, dass der Ansatz zu einem altersgerechten Umbau oder Bau nicht aus dem Notfall heraus erfolgen soll, sondern als Maßnahme der Altersvorsorge. Beim altersgerechten Umbau von Deutschlands Wohnungen will das SHK-Handwerk seinen Beitrag dazu leisten, den absehbaren Folgen der Vergreisung unserer Gesellschaft mit eigenen Vorstellungen und Lösungen gewissermaßen »präventiv« zu begegnen.

Das »barrierefreie Wohnen« sollte möglichst früh und weitsichtig in die eigenen vier Wände integriert werden. Aber niemand will sich ernsthaft »vor der Zeit« damit beschäftigen. Wir alle wollen schon gern älter werden. »Alt sein«, das will allerdings niemand. Gemeinsam mit einem renommierten Meinungsforschungsinstitut hat man nun herausgefunden, dass das Thema altersgerechte Sanierung zunehmend an Bedeutung gewinnt, die Menschen dies jedoch mehrheitlich noch sehr stark auf Distanz halten.

Dabei sehen sich die Fachbetriebe des SHK-Handwerks gefordert. Denn ihr »Kompetenzprofil« bildet, wie es heißt, »die Anforderungen für eine Badsanierung idealtypisch ab.« Bundesweit gibt es schon heute etwa 2000 Betriebe, die sich in Sachen »Barrierefreies Bad« weitergebildet haben. Realität ist aber, dass bisher nur ein Prozent aller Wohnungen in Deutschland altersgerecht ausgebaut sind. Und die Prognosen sagen voraus, dass wir bis 2030 mindestens drei Millionen altersgerechte Wohnungen brauchen.

Deshalb schickt sich der Zentralverband Sanitär Heizung Klima an, das Thema barrierefreies Wohnen in Zukunft loszulösen von der Vorstellung der unmittelbaren Pflegebedürftigkeit. Zusammen mit der Politik, dem Gesundheitssystem, der Sanitärindus-trie und der Öffentlichkeit soll ein Bewusstsein für altersgerechtes Wohnen geschaffen werden – mit präventiven Lösungen, einer sicheren Finanzierbarkeit, funktionalem und schönem Design.

Finanzielle Anreize für Bauherren und Investoren soll dabei die Wiedereinführung der Zuschussvariante des KfW-Programms »Altersgerechtes Umbauen« schaffen.

Zunächst aber braucht es hierfür eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Denn die Barrieren, die dieses drängende Thema noch immer blockieren, gilt es zu beseitigen_ zuallererst in den Köpfen der Verbraucher, in den Köpfen der Politiker und natürlich in den Wohnungen und Bädern.

Sollten Sie zu diesem Thema oder zu anderen Beiträgen in dieser Ausgabe Anregungen oder Wünsche haben, schreiben Sie uns per E-Mail an rottstegge [ät] sbm-verlag.de. Wir freuen uns über Ihre Zuschrift. Eine informative Lektüre wünscht Ihnen

Gerd Rottstegge

 

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