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Juli 2015

Nachlassende Dynamik


Im vergangenen Jahr wurden insgesamt rund 285000 Wohnungen genehmigt und 245000 fertiggestellt. Das entspricht einem Plus von etwa 5,4 % bei den Genehmigungen und 14,2 % bei den Fertigstellungen. Der positive Trend bei den Baugenehmigungen und Baufertigstellungen hat sich also auch 2014 fortgesetzt.
Dennoch rechnet der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden trotz positiver gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen für das laufende Jahr lediglich mit einer real stagnierenden Produktion in der deutschen Baustoffindustrie. Nach Angaben des Verbandes musste die Branche von Januar bis April einen Produktionsrückgang von vier Prozent verzeichnen, der bis Jahresende nur bedingt ausgeglichen werden kann.
Nach wie vor kommen die stärksten Impulse aus dem Wohnungsbau, auch wenn die Dynamik trotz des hohen Baubedarfs in den Ballungsräumen nachlässt. Im gewerblichen und im öffentlichen Bau erwartet der BBS in diesem Jahr allenfalls marginale Zuwächse, während die Baustoffproduktion im kommenden Jahr moderat steigen könnte, sofern der gewerbliche Bau seine Schwächephase überwindet und größere Spielräume in den kommunalen Haushalten für die Umsetzung der dringend notwendigen öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur genutzt werden.
Für die Deutsche Ziegelindustrie hätten sich die großen Erwartungen nach dem fulminanten Beginn im vergangenen Jahr nicht erfüllt, gibt der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie in seiner Jahresbilanz 2014 bekannt. Auf das erste gute Quartal folgte ein schlechtes halbes Jahr, heißt es aus Bonn. Lediglich durch einen wiederum besseren Verlauf in den letzten drei Monaten konnte zumindest  im Durchschnitt der Branche noch ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden. Während die Dachziegler sowohl in der Menge als auch beim Wert geringe Zuwächse erzielten, stagnierte der Absatz bei den Produzenten von Mauerziegeln und Pflasterklinkern.  Zufrieden zeigen sich hingegen die Hersteller von Vormauerziegeln und Klinkern.
Tag für Tag berichten die Medien vom boomenden Wohnungs-
bau, Zuwächsen bei den Baugenehmigungen und geradezu explodierenden Preisen bei Immobilien. Doch davon profitierte die Ziegelindustrie nicht in stärkerem Maße. Der Verband verweist darauf, dass Baugenehmigungen nicht Baufertigstellungen bedeuten, d.h., dass viele Bauvorhaben nicht realisiert wurden. Auch sei der Zuwachs fast ausschließlich im Mehrfamilienhausbau in den Metropolen erfolgt – ein Marktsegment, in dem die Dachziegelindustrie so gut wie nicht und auch die Hintermauerziegelbranche bislang zu wenig repräsentiert sei.
»Keine großen Veränderungen für das laufende Jahr«, so die Prognose des Verbandes.  Die Zahl der neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäuser ist schon seit Jahren konstant und auch für die Zukunft wird keine Änderung vorhergesagt. Wenngleich der Wunsch nach den eigenen vier Wänden in weiten Teilen der Bevölkerung stark ausgeprägt ist, gelingt es dennoch vielen potenziellen Baufamilien nicht, ihre Träume in konkrete Projekte umzusetzen.
Motivierend für viele noch Unentschlossene könnten in diesem Zusammenhang die nun wieder steigenden Bauzinsen sein, den Hausbau noch in dieser historischen Niedrigzinsphase zu beginnen. Denn seit Ende April sind die Zinsen für Hypothekendarlehen wieder gestiegen, im Mai machte der Bauzins einen weiteren Satz nach oben und auch im Juni kam es zum neuerlichen Anstieg. Vor zehn Jahren lagen die Zinsen für Immobilienfinanzierungen mit zehnjähriger Zinsbindung noch bei etwa 3,5 Prozent. Bis zum Höhepunkt der Finanzkrise im September 2008 kletterte der Zinssatz sogar noch bis auf rund fünf Prozent.


Herzliche Grüße,

Gerd Rottstegge

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