Das Dach

Dieser Rasen wächst »leicht«

Im baden-württembergischen Weinstadt entstanden bei der Firma Böhringer im Zuge eines mehrgeschossigen Wohnhaus-Neubaus in Angrenzung an eine bestehende Lagerhalle zwei Dachterrassen, die privat genutzt werden. Aufgrund der begrenzten statischen Tragfähigkeit der vorhandenen Lagerhalle war eine Begrünungslösung gefragt, die mit geringem Gewicht und geringer Aufbauhöhe auskommt und trotzdem eine Intensivbegrünung mit Rasen ermöglicht. Ein Fall für ZinCo. Der Systemaufbau »Sommerwiese« mit seinem gänzlich neuartigen und höchst effizienten System zur Bewässerung der Pflanzen ließ den

Wunsch des Bauherrn wahr werden.

Die etwa 350 m² große Dachterrasse auf der Lagerhalle brachte einige Besonderheiten mit sich, die für die Planung ganz wesentlich waren. Das Lagerhallendach ist statisch begrenzt belastbar, weil es sich um eine Trapezblech-Konstruktion handelt. Dazu kam ein weiterer Sachverhalt zum Tragen_ Aus Entwässerungsgründen weist das Lagerhallendach unterschiedliche Gefällesituationen von +2 % bis –2 % auf.

Klingt nicht viel, schließt aber eine effiziente Anstaubewässerung zur Bewässerung der gewünschten Rasenflächen aus. Dafür wäre ein 0°-Dach Voraussetzung. Da unter diesen objektspezifischen Bedingungen seitens des Bauherren aber eine Intensivbegrünung mit Rasenflächen gewünscht war, hieß der Schlüssel zum Erfolg_ ZinCo Systemaufbau »Sommerwiese«. Dieser benötigt eine Lastreserve von lediglich 165 kg / m². Zu berücksichtigen war auch die Verkehrslast durch Personen auf dem Dach und durch Schneelasten im Winter, was für die Begrünung nicht mehr viel übrig liess.
»Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir diese Begrünungslösung gefunden haben«, so der Bauherr Simon Böhringer.Der technische Clou
Entscheidend bei dem System­aufbau »Sommerwiese« ist das Wasserverteil-, Speicher- und Dränelement »Aquatec AT 45« in Kombination mit dem Dochtvlies »DV 40«. Das Grundprinzip beruht auf der Verteilung und Bevorratung von Wasser in den Mulden der »Aquatec«-Elemente. Wenn natürlicher Niederschlag ausbleibt, wird Wasser über Tropfschläuche, welche direkt in den Elementen verlegt sind, bedarfsgerecht eingespeist. Über die im Dochtvlies verankerten Dochte wandert das Wasser kapillar nach oben zur Substratschicht und steht so den Pflanzen direkt im Wurzelraum zur Verfügung. Auf diese Weise geht kein Wasser durch Verdunstung verloren, wie es bei einer Zusatzbewässerung durch Rasensprenger der Fall wäre. Dieses so effiziente Bewässerungskonzept ermöglicht letztlich eine geringe Vegetationstragschichthöhe von nur 10 cm und damit das geringe Gewicht. Das Dochtvlies ersetzt die bei anderen Systemen notwendige Verfüllung der Dränageelemente mit Substrat. Auch das spart wieder Gewicht. Auf der Dachabdichtung der Lagerhalle wurde zunächst die Wurzelschutzbahn »WSB 100-PO« verlegt und fachgerecht verschweißt. Danach wurde der Systemfilter »PV« als Schutzschicht aufgebracht. Im Systemaufbau »Sommerwiese« folgten dann die 1 x 2 m großen »Aquatec«-Elemente aus ABS. Dank der Verrastungsnoppen und den Überlappungsrändern auf zwei Seiten sind diese einfach zu verlegen – ohne Verrutschen der Platten. Bei der Planung des eigentlichen Bewässerungssystems war wesentlich, das vorhandene Dachgefälle und etwaige Unebenheiten zu berücksichtigen, um die gleichmäßige Wasserbevorratung in den »Aquatec«-Elementen sicherzustellen. Die genaue Auslegung des Systems erfolgte als Serviceleistung durch die Ingenieure der ZinCo-Anwendungstechnik und dem technischen Fachberater vor Ort. Bei dem vorliegenden Gefälle von etwa 2 % reichten vier Tropfschläuche pro »Aquatec«-Platte aus, was einem Abstand von jeweils 50 cm entspricht. Die Tropfschläuche wurden dazu einfach in das vorhandene Clip-System der »Aquatec«-Elemente eingeklickt. Mittels Versorgungs- und Spülleitungen wurden nun Bewässerungssektionen hergestellt, welche vom Bewässerungs-Mananger »BM 4«, der zentralen Verteileinheit mit elektronischem Steuergerät, gespeist werden. Um das System zu prüfen, stand im Folgenden ein Bewässerungslauf zur Probe an. Dieser Testlauf diente dazu, eventuell undichte Verbindungen zu lokalisieren und auch die Planung hinsichtlich Wasserverteilung, insbesondere bei der gegebenen Dachgeometrie, zu verifizieren. Jetzt hätten zum Beispiel bei unzureichendem Wasserdruck und hieraus resultierender bereichsweiser Unterversorgung noch Korrekturen vorgenommen werden können. Die eigentliche Programmierung ist einfach vorzunehmen. Je nach planerisch vorgegebenem Tropfschlauchabstand wird die korrekte Bewässerungsdauer laut Verlegeanleitung einprogrammiert. Diese Einschaltdauer ist entscheidend, damit die »Aquatec«-Elemente pro Bewässerungsvorgang mit der richtigen Wassermenge versorgt werden. Durch einfache saisonale Anpassung ist zudem eine schnelle Anpassung an unterschiedliche Wetterlagen möglich. Ein integrierter Regensensor sorgt zudem dafür, dass die programmierten Bewässerungszyklen nur dann erfolgen, wenn nicht ausreichend natürlicher Niederschlag vorhanden ist.Endspurt auf dem Dach
Nach erfolgreicher Testbewässerung schlossen sich Dochtvlies und 8 cm ZinCo Systemerde »Rasen« an. Diese Systemerde besitzt sehr gute kapillare Eigenschaften und hatte darüber hinaus den Vorteil, dass sie im Silozug angeliefert und effizient aufs Dach geblasen werden konnte. Was die Verteilung des Substrats anbelangt, liegt der Gedanke auf der Hand, die unterschiedliche Gefällegebung des Daches einfach auszugleichen. Dagegen sprach im vorliegenden Fall wiederum die begrenzte Lastreserve. Aus diesem Grunde hat man die vorhandene Dachneigung aufgenommen und überall nur 8 cm Systemerde geschüttet. Weitere 2 cm Substrat brachte planmäßig der Fertig-Rollrasen mit sich. Die schließlich erzielte Rasenfläche zeichnet sich durch eine leichte Dynamik aus, welche durchaus attraktiv wirkt. Grünfläche entstand nicht nur auf dem Dach der Lagerhalle, sondern auch auf dem neugebauten Wohnhaus mit rund 170 m² Dachfläche. Am Beispiel der dortigen, 20 m² großen Terrassenfläche ist zu sehen, dass Kombinationen mit Belägen genauso möglich sind. Die »Aquatec«-Elemente sorgen für eine durchgängige Dränage, also Entwässerung unterhalb des Belags. Sie beinhalten aber keine Tropfschläuche, da eine Bewässerung hier überflüssig ist. Vegetationstechnisch ist auf dem Systemaufbau »Sommerwiese« grundsätzlich fast alles möglich: ob blühende Stauden, duftende Kräuter oder Halbsträucher. Da die Statik auf diesem Gebäudedach mehr Gewicht erlaubt, sind hier sehr kreative Pflanzungen möglich.

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