Im Blickpunkt

Der erfolgreiche Weg an die Spitze Europas

Auf der »Suche nach profitableren Geschäften« begann Leszek Gierszewski Mitte der 90er Jahre mit der Produktion von Fenstern. In den Folgejahren stieg DRUTEX zu Europas größtem Hersteller von Kunststofffenstern und –türen auf. Was waren die wichtigsten Kapitel dieser Erfolgsstory, was die entscheidenden Weichenstellungen? Leszek Gierszewski, der Gründer, CEO und Eigentümer von DRUTEX, beantwortet die Fragen der Redaktion.

Baustoff-Partner: Herr Gierszewski, was gab damals den entscheidenden Impuls, in Polen ein Unternehmen zur Herstellung von Fenstern zu gründen?

Leszek Gierszewski_ Ich habe schon immer gerne Neues ausprobiert und bin generell sehr neugierig. Als ich jung war, habe ich viel getüftelt, versucht Dinge zu reparieren und habe Prototypen für Flugzeuge und Schiffe entworfen. Ich hatte immer schon ein Auge fürs Detail, was mir später beim Start meines eigenen Unternehmens viel geholfen hat. Nach meiner Zeit an der Universität und bevor ich mich an mein eigenes Unternehmen wagte, habe ich sieben Jahre lang als Dozent an der Militärakademie meine Karriere gemacht. Als ich sah, wie einige meiner Freunde Unternehmen gründeten, wollte ich auch das ausprobieren und dachte über die Gründung meiner eigenen Firma nach. Am Ende begann ich 1982 mit einem Freund Blumentöpfe herzustellen. Richtig angefangen hat alles drei Jahre später mit einer Firma für Maschendrahtzäune. »Drut« ist das polnische Wort für »Draht« – so kam es zum Namen »DRUTEX«. Bald folgte die Herstellung von Fuchskäfigen. Langfristig suchte ich aber nach neuen, profitableren Geschäften. Über die Herstellung von Fenstern dachte ich bereits einige Jahre vor meinem eigenen Unternehmen nach, als ich einen Handelsvertreter eines ausländischen Fensterherstellers bei der Arbeit beobachtete. Aber zu dieser Zeit schien mir das noch kein profitables Geschäft zu sein. Als ich jedoch mein eigenes Haus baute und mich auf Baumessen informierte, entdeckte ich Maschinen und Ausrüstung für die Fensterherstellung. Ich analysierte Geschäftsmodelle und Produktionsprozesse und entschied mich, mit der Produktion von Fenstern zu beginnen. Anfangs noch als zweites Produkt neben Draht, wurden Fenster nach einigen Jahren zu unserem einzigen Produkt. So fing alles an.

Baustoff-Partner: Wie entwickelte sich DRUTEX in den Anfangsjahren?

Gierszewski: DRUTEX entwickelte sich zunächst in der Region und erlangte schnell nationale Reichweite und Anerkennung. Als wir unser Geschäft in Polen stabilisiert hatten, haben wir nicht aufgehört zu planen. Wir verfolgten stets einen sehr zielgerichteten, innovativen Plan. Wir wollten Lösungen bieten, die dem Stand der Zeit entsprachen. Damit war es uns möglich, von Anfang an dynamisch zu wachsen. Mit dem EU-Beitritt Polens wurde es für uns einfacher, auch über die Landesgrenzen zu agieren. Dank unser Wettbewerbsstärken in Sachen Geschwindigkeit, Produktqualität und -auswahl, sowie einem attraktiven Preisniveau und professionellem Service wuchsen wir sehr schnell. Mit 7 000 Fenstern täglich und 10 000 Fenstern nach vollständiger Fertigstellung unseres Europäischen Bauelementezentrums zum Jahresende sind wir Europas größter Hersteller.
Heute spielen Deutschland und Italien eine wichtige Rolle für uns. Aber auch weitere Märkte in und außerhalb Europas sind für uns Wachstumsgaranten. So sind wir einer der wenigen Produzenten unserer Branche, der seine Produkte auch in die USA, Mexiko, Australien oder den Mittleren Osten verkauft. Und das mit großem Erfolg, wie man etwa am Hilton, Holiday Inn und Havatt Hotel in den USA sieht.

Baustoff-Partner: Was waren die stärksten Nachfrageimpulse, auf die Sie reagierten?

Gierszewski: Der Kunde fordert eine verlässliche Qualität und eine hohe Vielfalt. Planungssicherheit bei der Realisierung von Bau- und Renovierungsvorhaben spielt eine ebenso wichtige Rolle. Effektive, zeiteffiziente Planung wünscht sich doch jeder Bauherr für sein Projekt. Deshalb haben wir von Anfang möglichst viel des Produkts selbst hergestellt. Wir sind sehr flexibel, haben ein breites Produktsortiment, stellen unsere eigenen Profile her und produzieren selbst die benötigten Glaspakete, auch Isolierglas. Zudem haben wir unser eigenes Prüflabor und eine große F&E-Abteilung. Diese Maßnahmen versetzen uns in die Lage, auf Kundenbedürfnisse sehr schnell reagieren zu können und entsprechende Vorteile am Markt zu erzielen. Dank einer Flotte von rund 200 Fahrzeugen sind wir in der Lage, unseren Kunden eine Lieferzeit von nur sieben Tagen in ganz Europa zu garantieren.

Baustoff-Partner: Hatten Sie anfangs mit Vorurteilen seitens der Auslandsmärkte zu kämpfen?

Gierszewski: Mit Vorurteilen hat man immer zu kämpfen, aber in Zeiten der Globalisierung spielt das keine große Rolle mehr. Bei der Qualität unserer Produkte überlassen wir nichts dem Zufall. Unsere zentralisierte Produktion erlaubt uns ein optimales Qualitätsmanagement. Für alle Teilschritte der Produktion gelten die weltweiten und länderspezifischen Standards. Zudem legen wir unsere selbstdefinierten Standards oftmals deutlich strenger aus als wir müssten. Die Qualitätssicherung beginnt dabei schon in unserem Prüflabor und der F&E-Abteilung. Dabei setzen wir auf die gleiche Prüftechnik von KS Schulten wie das ift Rosenheim. Regelmäßige Prüfvorgänge und die Zertifizierung unserer Produkte belegen deren Qualität ständig aufs Neue. Qualität spielt die wichtigste Rolle, um gegen Vorurteile zu argumentieren. So setzen wir bei unseren eigenen Hauptprofilen ausschließlich auf absolut reines Rohmaterial. Das macht die Qualität aus. Zudem kooperieren wir ausschließlich mit international renommierten Unternehmen wie Saint-Gobain, Guardian, Maco, Urban, Lisec, Glaston, Mercedes und vielen weiteren. Wir sind sehr stolz darauf, eine so hohe Produktqualität anbieten zu können. Und die steigende Zahl der Kunden beweist, dass wir etwas richtig machen. Zudem haben wir noch nie einen Euro von der EU genommen. Unsere Geschäfte laufen vollständig unabhängig und selbstfinanziert. Jedoch sind wir clever genug, zu rechnen und auf lange Sicht hin zu planen. Ich denke, dass das der Schlüssel zum Erfolg ist.

Baustoff-Partner: Was waren die ersten Exportmärkte für DRUTEX?

Gierszewski_ Nach der erfolgreichen Etablierung auf dem polnischen Markt entschlossen wir uns, unsere Fühler auch nach Deutschland und das restliche Europa auszustrecken. Wer sich auf dem deutschen Markt behaupten will, muss über Produkte in Top-Qualität verfügen.Daneben sind umfassende Kenntnisse über den Markt und seiner Anforderungen sowie Präsenz vor Ort und ein Höchstmaß an Service notwendig. Heute sind wir stolz, unsere Produkte weltweit zu distribuieren – unabhängig von der jeweiligen Klimazone. Unsere Produkte entsprechen den Anforderungen und Bedürfnissen auf allen Märkten – von Mexiko bis Schweden.

Baustoff-Partner: Was waren die entscheidenden Weichenstellungen in der Firmengeschichte? Womit gelang Ihnen der Durchbruch auf den internationalen Märkten?

Gierszewski: Eine der wichtigsten Weichenstellungen bei DRUTEX ist mit Sicherheit die Errichtung des Europäischen Bauelementezentrums. Mit der Inbetriebnahme der ersten Bauphase 2014 und dem Beginn der zweiten Phase in diesem Jahr bildet das EBZ die Grundlage für unsere zukünftigen Erfolge. Allein im Fensterbereich sind wir mit dem EBZ in der Lage, 10 000 Fenster pro Tag herzustellen. Dazu kommen beispielsweise 1 000 Rollläden pro Tag sowie weitere Produktneuheiten bei weiterhin makelloser Produktqualität.

Baustoff-Partner: Wo steht Ihr Unternehmen heute?

Gierszewski: DRUTEX beschäftigt heute weit mehr als 2 000 Mitarbeiter an unserem Standort. Wir sind Europas größter Hersteller für Fenster und Türen, wachsen dynamisch über Marktniveau und stärken unsere Expansion. Auch finanziell sind wir stark und langfristig stabil aufgestellt. Diese Basis ist es, die es uns erlaubt, solche Investitionen wie das Europäische Bauelementezentrum durchzuführen. Dabei sind wir erst am Anfang unseres Entwicklungsweges.

Baustoff-Partner: Was macht den Erfolg von DRUTEX aus?

Gierszewski: Unser Erfolg basiert auf einer schlüssigen Strategie, einer schnellen Entscheidungsfindung und unserem kontinuierlichen Fortschritt. Außerdem war die eine große Fehlentscheidung bisher nicht dabei. Wir sind stolz sagen zu können, dass wir heute alles aus einer Hand fertigen. Ständige Innovation, Weiterentwicklung und Qualitätssicherung zeichnen uns aus. Zudem setzen wir Trends und haben dies auch in der Zukunft vor. Unser breites Portfolio genügt mit zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten, wie etwa einer breiten Palette von 31 Farben höchsten Kundenansprüchen. Wir sind schnell, flexibel und innovativ. Das macht den Unterschied. Wir kooperieren mit mehr als 3 000 Handelspartnern weltweit und erzielen Jahr für Jahr zweistellige Wachstumsraten. Und wir sind noch nicht am Ende. Wir werden noch mit der einen oder anderen Überraschung aufwarten.

Baustoff-Partner: Welche Rolle spielt Deutschland für den Absatz Ihrer Produkte?

Gierszewski: Deutschland stellt definitiv einen unserer wichtigsten Märkte dar. Zu unseren Bestsellern hier gehören sicherlich die Produkte der »Iglo 5« und »Iglo Energy«-Reihe. Diese Produkte sind sehr wichtig für uns. Zudem steigt die Nachfrage nach dem neuen Hebe-Schiebe-System »Iglo-HS«.
Die Distribution der Produkte zum Endkunden wird durch ein breit aufgestelltes Netz aus etwa 1 000 Handelspartnern sichergestellt. Wir pflegen einen engen und regelmäßigen Kontakt zu unseren Handelspartnern. Diese schätzen unsere schnellen Liefer- und Service-Zeiten sowie die hohe Produktqualität, was einen optimalen Mix darstellt.
Es ist uns ein Anliegen, dass nicht nur wir unsere Partner besser kennenlernen und ihnen ein offenes Ohr bieten, sondern sie sich auch über unsere Produktionsabläufe informieren können und auf dem neuesten Stand bleiben. Dafür laden wir auch gerne in unseren Firmensitz ein. In unseren Schulungen geht es nicht nur um produktspezifische Weiterbildungsmaßnahmen, sondern auch um Verkaufsförderung und Montagetechniken. Auch für langjährige Partner bieten sich aufgrund unserer ständigen Weiterentwicklung immer neue Perspektiven. Unsere Partner unterstützen wir zudem mit umfangreichen Marketingleistungen und nicht zuletzt dadurch, dass wir unsere eigene Marke DRUTEX in den Zielmärkten weiter voran bringen. Seit 2014 arbeiten wir mit den Weltstars Jakub Blaszczykowski, Philipp Lahm und Andrea Pirlo zusammen. Wir investieren viel in die Kommunikation auf den einzelnen Märkten, da wir uns der Wichtigkeit einer hohen Markenbekanntheit und eines authentischen Images bewusst sind.

Baustoff-Partner: Was bedeutet es für Sie und Ihre Arbeit, zum »Manager des Jahres« gewählt worden zu sein? Ein Ansporn für die Zukunft?

Gierszewski: Der Titel »Manager des Jahres« ist eine große Ehre für mich, aber auch eine große Verpflichtung, noch effektiver zu arbeiten und sich als Unternehmen noch dynamischer zu entwickeln. Der Titel ist das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit mit einem starken Team und ich habe Glück, ein solches an meiner Seite zu haben – dies zeigt sich auch in der starken Marktposition von DRUTEX.
Ein Meilenstein wird für uns in naher Zukunft der zweite Bauabschnitt des Europäischen Bauelementezentrums sein. Langfristig wollen wir DRUTEX auf der ganzen Welt etablieren und so unsere führende Position weiter stärken. Dazu zählt auch der konsequente Ausbau des Händlernetzes. Wir werden weiter daran arbeiten, auch in Zukunft dem Markt vielfältige Lösungen zu bieten, die optischen und sicherheitsrelevanten Aspekten entsprechen und ein Höchstmaß an Energieeffizienz aufweisen. Ich bin überzeugt, dass mich das Team, das ich in 30 Jahren DRUTEX aufgebaut habe, auch bei zukünftigen Projekten bestens unterstützen wird. Ich bin sehr optimistisch, was unsere Zukunft angeht.

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