Das Dach

Der Berg ruft am Nordpol

Der Nordpol liegt tief im Süden und auf 850 m Höhe. In den Allgäuer Alpen, kurz vor der Grenze nach Österreich, hat sich die Gemeinde Bad Hindelang den Nordpol kurzerhand als Ortsteil ­einverleibt. Das gefällt den Touristen, die in diesem malerischen Ort Urlaub machen. Doch bei so vielen Besuchern im Hochgebirge muss auch die Bergwacht präsent sein. Diese hat sich nun in Bad Hindelang-Nordpol eine neue Bergrettungswache errichtet – im Stil der Region als Ökohaus aus Holz und mit Tondachziegeln des bayerischen Herstellers Creaton.

Die Bergwacht Hindelang, Teil der Bergwacht Bayern, ist zuständig für das Dienstgebiet Bad Hindelang sowie den Einsatzleitbereich Ostrachtal. Hier leisten rund 40 ehrenamtliche Bergwachtleute ihren Dienst. Die alte Rettungswache genügte den Anforderungen längst nicht mehr. Kurzum_ Eine neue Rettungswache musste her.

Für diese Wache galten zunächst funktionale Anforderungen_ günstige strategische Lage, Parkmöglichkeiten für die Einsatzkräfte, ausreichend Platz für die theoretische und praktische Ausbildung, Bündelung der Fahrzeugdepots und Hubschrauberlandeplatz. Dafür stellte die Gemeinde Bad Hindelang im Ortsteil Nordpol ein geeignetes Grundstück zur Verfügung.Für das Baukonzept galten darüber hinaus ökologische Anforderungen. Durch energieeffizientes Bauen nach dem Passivhausstandard sollen die Unterhaltskosten und somit die fortlaufende finanzielle Belastung der Bergwacht Hindelang so gering wie möglich gehalten werden. »Und durch ökologische und nachhaltige Baustoffe möchten wir als Bergrettungsorganisation unserem Anspruch gerecht werden, uns in puncto Umwelt- und Naturschutz auch beim Bauen vorbildhaft zu verhalten«, so Bereitschaftsleiter Toni Holzheu. So entstand ein reines Holzhaus mit heimischen Hölzern aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Und mit einem Dach aus dem reinen Naturprodukt Ton, der im bayerischen Wertingen bei Creaton veredelt wurde. Dass der Ziegeltyp, für den sich die Bergwacht entschied, den Produktnamen »Harmonie« trägt, mag Zufall sein. Doch ein passender, denn Dach und Gebäude stehen offenkundig in Harmonie mit der umgebenden Bergwelt.Flexibles Multitalent

Die Eigenschaften des traditionellen Flachdachziegelmodells wurden so weiterentwickelt, dass mit der neuen »Harmonie« ein außergewöhnlich flexibler Klassiker mit besonderen Vorteilen entstanden ist_ Die Vierfachüberdeckung sorgt – in Verbindung mit den entsprechenden Unterdeckbahnen – auch für eine ausgezeichnete Regeneintragssicherheit selbst bei flach geneigten Dächern, wie sie in den Alpen und im Alpenvorland üblich sind. Dank der überdeckenden Kopfverfalzung sind Schmutzablagerungen ausgeschlossen. Im Falle des Bergwachthauses sorgt die rote Engobierung für eine zusätzliche Vergütung der Oberfläche. Das auf 25 mm vergrößerte Decklängenspiel macht ihn im Verhältnis zu seiner Größe zum flexibelsten kleinformatigen Ziegel seiner Art. Und das Verschiebespiel überzeugt mit einem schön ausgewogenen, fugenlosen Deckbild. Das macht ihn zum echten Multitalent für jedes Dach und zur optimalen Wahl, wenn es um geringes Stückgewicht (ca. 3 kg), leichte Handhabung (Größe ca. 250 x 410 mm) und hohe Wirtschaftlichkeit in Verbindung mit einem stilvollen Aussehen geht.

Mit der Ausführung des zweigeschossigen Massivholzhauses (»Holz 100«) wurde die örtliche Zimmerei Benninghoff Holzbau aus Vorderhindelang beauftragt. Sie führte auch auf Lattung und Konterlattung die Deckung des 300 m² großen, regionaltypisch flachgeneigten Satteldachs durch. Das Satteldach hat keine Dachflächenfenster und bis auf einen Kamin und eine Antennendurchführung keinerlei Durchdringungen – eine große Fläche also für Keramik pur, nämlich von einem keramischen Ortgang bis zum anderen. Entsprechend leicht ging die Verlegung von der Hand. Bei einem Ziegelbedarf von im Schnitt 14,9 Stück/m² wurden rund 4 500 Ziegel verlegt.

Die Flächenziegel wurden gemäß der Einstufung in Windlastzone 1 mit Sturmklammern und die Firstziegel mit dem »Firstfix«-System gesichert. In der letzten Reihe vor dem First sorgen Firstanschluss-Lüfterziegel für die bauphysikalisch sinnvolle Hinterlüftung der obersten Witterungsschutzebene. Durch den keramischen Spoiler am Kopf des Firstanschluss-Lüfterziegels entstehen Verwirbelungen, die auf beiden Seiten des Firstes einen Unterdruck erzeugen, der für die Ent- und damit Hinterlüftung sorgt.Dem Schnee die lange Nase zeigen

Eine Besonderheit_ die durchgehende Schneesicherung mit Schneenasen – auf 850 m ­Höhe in den Bergen kein Luxus. Auf jeder zweiten Reihe wurde jeder vierte Ziegel mit einer Schneenase ausgestattet. Als Originalzubehörteile von Creaton sind diese Schneenasen im Farbton der rot engobierten Ziegel lackiert, so dass sie farblich im Deckbild verschwimmen und das harmonische Gesamtbild nicht stören. Die insgesamt knapp 200 Schneenasen sorgen nun in den langen Allgäuer Wintern dafür, dass der Schnee lange auf dem Dach bleibt und so eine zusätzliche natürliche Wärmedämmung bildet, die in der Heizperiode die Kosten weiter reduziert. Und wenn die höheren Umgebungstemperaturen im Frühling eine zusätzliche Wärmedämmung überflüssig machen, schmilzt die Schneedämmung passenderweise weg.Originalzubehör kam auch bei der Antennendurchdringung am Dachrand zum Einsatz. Um für Hilferufe aus allen Netzen ausreichend empfangsbereit zu sein, sind auf dem Dach entsprechend leistungsfähige Antennen installiert. Nun sind Durchdringungen häufig Schwachstellen der Gebäudehülle. Zwei vorgeformte keramische Durchgangsziegel für Antennen mit einer speziellen EPDM-Manschette sorgen für eine fachgerechte und sichere Lösung. Die Unterdachmanschetten sind mit einem integrierten Butyl-Klebeband ausgestattet, das direkt auf die jeweilige Unterdeckbahn rautenförmig aufgeklebt wird. Die Manschette sitzt auch ohne kompliziertes Nachdichten optimal, erlaubt die perfekte optische Integration in das Dach und bietet einen sicheren Anschluss entsprechend den Anforderungen des Regelwerks des ZVDH. Schließlich geht gerade dieser Bauherr, der sich die Sicherheit am Berg auf die Fahnen geschrieben hat, bei der Dachsicherheit keine Kompromisse ein. Zumal sowohl der geographische als auch der Allgäuer Nordpol mit kompromisslos harten Witterungsbedingungen aufwarten.

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