Im Blickpunkt

»Bezahlbarkeit von Bauen und Wohnen gehört wieder stärker in den Mittelpunkt«

Die Weltleitmesse des Bauens lockt alle zwei Jahre auch immer etliche Politiker nach München, die sich vor Ort ein Bild von der Innovationsfähigkeit der Aussteller machen und sich in zahlreichen Gesprächen mit den ausstellenden Unternehmen, den Veranstaltern und Messebesuchern »direkt an der Quelle« einen Eindruck von der aktuellen Stimmung, den Problemen und Herausforderungen der Branche verschaffen. Am Stand von Schlagmann Poroton hatten wir die Möglichkeit, mit Florian Pronold, dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt und Bau zu sprechen.

Baustoff-Partner: Herr Pronold, Sie sind heute erstmals als zuständiger Parlamentarischer Staatssekretär für den Bau und die Stadtentwicklung auf der BAU unterwegs. Was qualifiziert Sie für dieses Amt? Welche Affinität haben Sie zum Thema Bau?
Florian Pronold_ Als gelernter Jurist ist man erst einmal zu allem fähig (augenzwinkernd). Als stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender habe ich mich bereits in den Jahren davor intensiv mit dem Bereich Bau und Stadtentwicklung beschäftigt und habe auch die Koalitionsverhandlungen in diesem Bereich für die SPD geführt. Da lag es nahe, dass ich diese Arbeitsbereiche in meiner aktuellen Funktion auch weiterführe. Der besondere Reiz liegt hier in den verschiedenen Herausforderungen unter dem Dach meines Ministeriums. So spielen hier zusätzlich auch die Themen der Wasser- und Abfallwirtwirtschaft sowie des Recyclings mit hinein. Insofern ist das für mich kein neues politisches Thema. Und man lernt ja auch jeden Tag etwas dazu. Hier auf der BAU entdeckt man viele Innovationen, die auch die Ideen im politischen Raum bereichern können.

Baustoff-Partner: Was haben Sie bei Ihrem Messerundgang an Trends und Innovationen entdecken können?
Pronold: Es ist erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit die Hersteller ihre Innovationen auf den Markt bringen. So haben wir uns heute Vormittag zusammen mit der Ministerin Dr. Barbara Hendricks beim Fraunhofer Institut, das im übrigen sehr eng mit unserem Ministerium zusammenarbeitet, hochwärmedämmende und gleichzeitig extrem dünne Glasscheiben angeschaut, die in ihrer Dämmwirkung einer Dreifachverglasung entsprechen. Das bringt beispielsweise große Vorteile in der Altbausanierung, aber auch beim Arbeitsschutz, denn die deutlich geringeren Gewichte dieser Fenster erleichtern die Arbeit der Bauausführenden enorm. Das ist ein klarer Beleg dafür, dass wir auf der BAU die passenden Antworten auf die aktuellen Herausforderungen finden.
Wir befinden uns hier auf dem Stand eines sehr innovativen Betriebes, der in meinem Wahlkreis liegt und den ich daher schon sehr lange kenne. Die Firma Schlagmann hat, um nur einmal das Thema Brandschutz anzusprechen, den Beweis angetreten, wie man dieses viel diskutierte Problem erfolgreich lösen kann. Leider besteht in weiten Teilen der Bevölkerung noch immer der Irrglaube, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt, Fassaden zu dämmen. Hier auf dem Stand und auch bei anderen Unternehmen auf der BAU kann man aber erfahren, dass es etliche gute Alternativen gibt, die darüber hinaus auch noch ökologische und nachhaltige Kriterien in vollem Umfang erfüllen. Für mein Ministerium – also die Verbindung von Bauen und Umweltschutz - ist gerade diese Kombination von Eigenschaften von großer Bedeutung. Während sich früher die unterschiedlichen Ministerien geradezu bekämpften, sind diese Themen jetzt unter einem Dach zusammengeführt worden und befruchten sich nun gegenseitig.
Es ist faszinierend, hier in München zu erleben, wie die Entwicklung rasant voranschreitet. Ich kann nur jedem raten, der sich mit dem Thema Bauen professionell beschäftigt, hierher zu kommen. Hier kann man neue Ideen aufnehmen und sie in der Folgezeit auf den Baustellen umsetzen.

 

 

»Das Thema Bauen und Wohnen ist wieder in der Politik angekommen und erfährt derzeit eine Wertigkeit wie schon seit Jahren nicht mehr.«
Florian Pronold,
Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

 

 

 


Baustoff-Partner:
Welche Themen wurden beim Messe-rundgang von Ihren Gesprächspartnern angesprochen? Wo kann sich Ihrer Meinung nach die Politik noch stärker
einbringen?
Pronold: Ich habe in meinen Gesprächen die Bestätigung erhalten, dass das Thema Bauen und Wohnen in der Politik wieder angekommen ist und eine Wertigkeit erfahren hat wie schon seit Jahren nicht mehr. Ich denke, dass auch ich meinen Beitrag dazu im Koalitionsvertrag geleistet habe. Vor allem der Zusammenhang von Klimaschutzzielen und Bauen ist in jüngster Zeit stark in den Fokus gerückt. Wir haben eine Menge Geld in den Baubereich gepumpt und beispielweise die Städtebauförderung um 40 % hochgefahren. Sie müssen aber hier vor allem den Hebeleffekt sehen_ Denn 1 € öffentliches Geld bewirkt hier mindestens 7 € an weiteren Investitionen. Inklusive der Fördermittel, die durch die Länder bereit gestellt werden, kommen wir hier auf Investitionen von jährlich nahezu 10 Mrd. € im Städtebau. Das ist eine umfassende Förderung des deutschen Mittelstandes.
In den nächsten Monaten werden wir in die Optimierungsphase gehen, was die Förderung der energetischen Sanierung angeht. Wir werden außerdem die KFW-Programme überarbeiten, denn wir stellen fest, dass einige Programme bei den derzeitig niedrigen Zinsen nicht mehr so interessant für Eigenheimbesitzer sind. Ich glaube, wir können eine Menge auch dadurch erreichen, indem wir Richtlinien und Förderungen besser aufeinander abstimmen. Dazu gehört, ob wir an manchen Stellen nicht zu viele Vorschriften haben. Entscheidend in dieser Wahlperiode wird sein, dass es uns gelingt, das Förderinstrumentarium weiter zu schärfen und dass wir ein wenig von den hohen Anforderungen herunterkommen. Ziel ist es, die Bezahlbarkeit von Bauen und Wohnen wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Von Gerd Rottstegge

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