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Bauzulieferer hält Umsatz und gewinnt Marktanteile

Während Regierungen, Institutionen und Wirtschaftsforscher derzeit überwiegend noch einen gedämpften Optimismus verbreiten, sieht die Wirklichkeit in den meisten relevanten Märkten seit Mitte 2012 bereits ganz anders aus.

 

Für 2013 ist sogar vielfach ein „deutlicher Abschwung“ zu befürchten. Deshalb muss sich auch die Roto-Gruppe marktbedingt auf „kräftigen Gegenwind“ einstellen. Sie ist dafür jedoch gut gerüstet und rechnet deshalb damit, ihren bisherigen Erfolgskurs fortzusetzen. Das erklärte der Vorstand des Bauzulieferers während des 7. Internationalen Fachpressetages in Bad Mergentheim teilnahmen. Eine zentrale Aussage_ „Wir gehen weiter von einer positiven Firmenkonjunktur aus.“Nach Auffassung von Dr. Eckhard Keill bestätigt sich gegenwärtig wieder einmal, dass sich „die Realität nicht um Prognosen kümmert“. Für den Vorstandsvorsitzenden der Roto Frank AG sind offizielle Vorhersagen, die der Weltwirtschaft zumindest eine stabile Entwicklung attestieren, häufig „reines Wunschdenken“. Ihre größte Schwäche liege in der Unfähigkeit, tatsächliche Trend-Wendepunkte früh genug zu erkennen. Dabei sei die Verbraucherstimmung der entscheidende Faktor. Sie habe sich schon erheblich verschlechtert oder werde es vermutlich bald tun.

Letztlich gehe es um eine „anhaltende Vertrauenskrise“. Sie führe zur Investitionskrise, und die wiederum verursache am Ende eine Wirtschaftskrise. Das bedeute, dass auch viele internationale Fenster- und Türenmärkte in „extrem schweres Wasser kommen“. Darunter leide zwangsläufig das Roto-Geschäft. Dank richtiger strategischer und operativer Entscheidungen sei die Hoffnung, wieder so weit wie möglich „gegen den Strom schwimmen zu können“, aber fundiert. Keill_ „Wenn Märkte stark schrumpfen, kann Stagnation schon ein großer Erfolg sein.“

Die generelle wirtschaftliche Skepsis bestätigte während der Veranstaltung auch Prof. Manfred Güllner. Der Chef des Berliner forsa-Institutes wies u. a. auf die Stimmungslage in Deutschland hin. Danach bereitet z. B. die Euro-Krise 83 % der Bevölkerung „große bzw. einige Sorgen“. Auf der Unternehmerseite sehe das Bild mit 80 % genauso aus. Die wirtschaftlichen Erwartungen bewegten sich inzwischen wieder auf dem tiefen Krisenniveau von Mitte 2008.

Keill untermauerte diese Tendenz mit europäischen Zahlen. So habe die EU-Kommission für Oktober 2012 beim Verbrauchervertrauen einen – im Übrigen seit Monaten fallenden – Indexwert von rund minus 25 und damit ein Drei-Jahres-Tief gemessen. Noch bedenklicher seien die Resultate des letzten derzeit verfügbaren „Eurobarometers“. Dabei wurden im Mai 2012 knapp 27.000 Bürger in den 27 EU-Staaten befragt.

Unter dem Strich stuften je nach Region 69 % bis 75 % die aktuelle wirtschaftliche Lage als „schlecht“ ein. Für die nächsten 12 Monate rechnen 32 % bis 37 % damit, dass sich die Situation sogar noch mehr verschlechtert. Lediglich 17 % bis 19 % glauben an eine Besserung. Auf der persönlichen „Sorgenebene“ liegen steigende Preise/Inflation (45 %), Arbeitslosigkeit (21 %) und die wirtschaftliche Verfassung des jeweiligen Landes (19 %) auf den ersten drei Plätzen. Zum Vergleich_ Wichtige „Medienthemen“ wie Steuern und Renten (jeweils 14 %), Bildung (10 %) und Umwelt (5 %) machen den EU-Bürgern wesentlich weniger Kopfzerbrechen.

Ähnlich falle das „Sorgenranking“ im europäischen Bereich aus_ wirtschaftliche Lage (54 %), öffentliche Finanzen (34 %) und Arbeitslosigkeit (32 %). Nicht annähernd die gleiche Relevanz hätten u. a. Steuern (5 %), Energieversorgung (4 %) und Klimawandel bzw. Umwelt (jeweils 3 %). Eine Konsequenz_ 60 % der EU-Bürger meinen, dass am Arbeitsmarkt „das Schlimmste noch bevorsteht“. Die Bandbreite erstrecke sich hier von 40 % (Bulgarien) bis 77 % (Griechenland) und 78 % (Portugal).

Die Vertrauenskrise sei also da und werde von der „Eurobarometer“-Herbststudie wohl erhärtet. Das Resultat laut Keill_ „Wenn Menschen Ängste und Sorgen haben, kaufen bzw. investieren sie weniger oder gar nicht.“ Gleiches treffe weltweit auf Unternehmer im Allgemeinen und Fenster- und Türenhersteller im Besonderen zu. Auf deren Lieferanten wirke sich das natürlich ebenfalls aus.

In den für Roto relevanten internationalen Märkten sei das unabhängig von länderspezifischen Sonderentwicklungen konkret spürbar. Man habe entweder mit einer rückläufigen Tendenz z. B. in Südeuropa oder einer nachlassenden Wachstumsdynamik etwa in China zu kämpfen. Für 2012 konstatierte Keill im Jahresverlauf einen sukzessiven Wandel von „Rückenwind zu Gegenwind“. 2013 gebe es voraussichtlich fast nur noch ausgeprägten Gegenwind. Gerade in diesem „eher widrigen Umfeld“ bleibe das Roto-Ziel unverändert. Der Bauzulieferer wolle „besser sein und besser abschneiden als Märkte und Wettbewerber“.Das gelang 2012 erneut, betonte Michael Stangier. Der Finanzvorstand erinnerte zunächst an die Ausgangsbasis 2011. Sie war nach seinen Worten nicht nur von einer weiteren Umsatz-Bestmarke (657 Mio. €) in der Unternehmensgeschichte, sondern u. a. dank der konsequenten Kundennutzenorientierung auch durch per saldo klare Marktanteilsgewinne in vielen Ländern gekennzeichnet. Die ursprüngliche Prognose weiter moderat steigender Verkaufserlöse sei 2012 trotz der vielfältigen Marktstörungen immer noch realisierbar.

Ende September stehe in der Division Fenster- und Türtechnologie insgesamt ein knappes Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr zu Buche. Es beruhe letztlich auf einem relativ guten ersten Halbjahr, während das dritte Quartal weit schwächer verlaufen sei. Parallelen gegenüber 2011 seien gegeben in den zum Teil signifikanten regionalen Unterschieden auf der einen und der im Wettbewerbsvergleich wieder „starken Roto-Position“ auf der anderen Seite.

In der Division Dach- und Solartechnologie stelle sich die Situation per Ende September differenziert dar. Die positiven Impulse durch ein weiter wachsendes Kerngeschäft mit Wohndachfenstern vor allem in Deutschland wurden danach durch den nochmaligen Rückgang im Solarsektor mehr als kompensiert. Dadurch weise die Umsatzbilanz per Stichtag ein geringes Minus gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode aus. Man glaube jedoch, dass die Talsohle im Solargeschäft mittlerweile weitgehend erreicht sei. Unabhängig davon ließ Stangier keinen Zweifel an seiner Meinung, dass das „klassische“ Geschäftsmodell der Solarbranche, das im Wesentlichen auf der Hoffnung auf staatliche Förderung basiere, „offenkundig gescheitert ist“. Bei Roto heiße die Devise_ Differenzierung durch Spezialisierung. Das schlage sich in der Konzentration auf die Kompetenz bei Dachintegrations-Systemen nieder.

Den Gruppen-Gesamtumsatz per 30. September 2012 bezifferte der Finanzvorstand auf 509 Mio. €. Er liege zwar 0,8 % unter Vorjahr, stelle indes mit Blick auf die zum Teil „gekippten“ Markttrends ein durchaus akzeptables Ergebnis dar. Im vierten Quartal komme es darauf an, den Märkten zu trotzen. Stangier ist zuversichtlich, den Vorjahresumsatz von insgesamt 657 Mio. € 2012 halten oder sogar noch leicht erhöhen zu können. Der Gewinn weiterer Marktanteile steht für ihn „schon fest“.

Auf Gruppenebene bleibe die Relation zwischen Auslands- und Inlandsgeschäft bei etwa 2/3 zu 1/3. Die Mitarbeiterzahl des Bauzulieferers betrage im Jahresdurchschnitt erneut ca. 4.100, sei aber tendenziell abwärts gerichtet. Die Sachinvestitionen habe Roto gegenüber 2011 moderat aufgestockt. Ein Grund dafür war den Angaben zufolge der nochmalige erhebliche Ausbau des Beschlagwerkes im ungarischen Lövö, der bis Mitte 2013 ein Volumen von rund 10 Mio. € erfordere. Die Ertragssituation sei mit „unbefriedigend“ treffend charakterisiert. Der unverminderte Margen- und Kostendruck mache im Prinzip Preisanpassungen nötig. Ungeachtet dessen präsentiere sich das Unternehmen in einer nach wie vor „ausgeprägten wirtschaftlichen Stabilität“, die auch den Marktpartnern die unverzichtbare Sicherheit garantiere.

Fünf Elemente


In seiner Vorschau auf 2013 sprach Keill marktbezogen von einem international mehr oder minder schweren Krisenjahr. Wachstumschancen seien regional begrenzt und auch dann nur schwach vorhanden. Das schließe Deutschland ausdrücklich ein. Die Roto-Gruppe und damit ihre beiden Divisionen würden „alles tun“, um dem in Summe erwarteten Abschwung Paroli zu bieten. Das ehrgeizige Ziel_ „Wir streben mindestens eine Umsatzstagnation, eher jedoch ein kleines einstelliges Plus an.“

Dabei baue Roto auf die Effizienz des langfristigen „K-Programmes“. Die fünf Elemente_ Kundennutzen auf jeder Ebene und in jedem Land, Konsequenz bei Produkt-, Service- und Prozessinnovationen, Kompetenz von Mitarbeiterqualifikation bis Kostenmanagement, Kontinuität in der Marktbearbeitung und -erschließung, Kommunikation zur Verbindung von Information mit Dialog. Gerade Letzteres dokumentiere der inzwischen zur Institution gewordene Internationale Fachpressetag nachdrücklich.

 

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