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Oktober 2016

Nur so eine Redensart...


Kaum ein anderer Baustoff findet sich so häufig in Redensarten wieder wie die Tür: Wir rennen offene Türen ein oder fallen mit ihr ins Haus, wir stehen vor verschlossenen Türen oder laden zum Tag der offenen Tür, wir setzen andere vor die Tür und kehren vor der eigenen...
Diese sprachliche Karriere verdankt sie ihrem Symbolcharakter. Wer kennt nicht das schöne Gefühl, wenn man nach einem anstrengenden Tag mit vielen Erledigungen zwischen Tür und Angel oder einer strapaziösen Reise in die eigenen vier Wände kommt und die Tür hinter sich schließen kann! Dann ist die Welt draußen, kann uns drinnen nichts anhaben. So trennt die Tür das Öffentliche vom Privaten, die Hektik von der Ruhe und schützt, was uns wichtig ist_ Das eigene Zuhause, die Privatsphäre. Wir bestimmen selbst, wem sich die Türe öffnen soll, und wer durch sie hindurchschreitet, fühlt sich willkommen. Dabei ist die Tür immer auch Visitenkarte, denn Besucher sehen sie als erstes. Gelingt es Einbrechern, diese Hürde zu überwinden, haben die Geschädigten mit dem beklemmenden Gefühl, dass jemand in ihre Privatsphäre eingedrungen ist, länger zu kämpfen als mit dem materiellen Schaden, der oft geringer ausfällt als der emotionale. Einbruchschutz spielt da eine große Rolle, besonders in Zeiten steigender Einbruchsdelikte.
Das gilt natürlich auch im geschäftlichen Bereich_ Hier schützt die Tür Wertvolles und Geheimnisse, Waren und Erfindungen, Kundendaten und Firmenwissen. Die Funktion des Gastgebers, der über Zutritt oder Nicht-Zutritt bestimmt, übernehmen hier immer mehr elektronische Systeme, die den Zugang regeln. Auch hier gilt_ Man will Unbefugten auf keinen Fall Tür und Tor öffnen! Gleichzeitig müssen die Türen nicht nur ungebetene Gäste fernhalten, sondern vor Schall und Rauch, Wärme und Kälte oder Wasser und Dampf schützen – und sich im Notfall öffnen, damit sie nicht zur Falle werden. Bemerkenswert übrigens: Die Hintertür ist bislang auf keinem Fluchtwegeplan verzeichnet...
Ein symbolträchtiger und spanender Moment ist auch, wenn sich auf Messen die Türen (und Tore) öffnen. Besonders aufregend war das für die deutschen Aussteller und Besucher der Cersaie in Bologna, die aufgrund der Turbulenzen bei den deutschen Fluggesellschaften erschwerte Anreisebedingungen hatten. Während es der Vertriebsleiter von alferpro durch kreativen Einsatz trotz annullierten Fluges nach Italien geschafft hat, war für den Techniker eines Softwareherstellers die Reise schon auf dem Heimatflughafen Düsseldorf beendet. Bereits im Vorfeld hatte die weltweit führende Messe für Fliesen und Keramik mit einem Streik der Messebauer zu kämpfen, die während des Aufbaus unter anderem die Tore blockierten. So können Türen, die unerwartet verschlossen bleiben – ob nun am Flughafen oder auf dem Messegelände – die Welt fast aus den Angeln heben.
In unserer aktuellen Ausgabe, die – wer hätte das gedacht – die Tür zum Top-Thema hat, lesen Sie auch, wie der SBM Verlag die Tür zur Zukunft öffnet bzw. welche sich öffnet, wenn sich eine andere schließt.
Ich wünsche Ihnen eine spannende und abwechslungsreiche Lektüre!

Herzlichst
Jan Rieken

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